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Aus der Stadt Finanzinvestor Lars Windhorst will das Ihme-Zentrum kaufen
Hannover Aus der Stadt Finanzinvestor Lars Windhorst will das Ihme-Zentrum kaufen
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00:22 11.03.2019
Will im Mai den Großteil des Ihme-Zentrums kaufen: Lars Windhorst. Quelle: dpa
Hannover

Der Berliner Investor Intown will seine Mehrheitsanteile am Ihme-Zentrum verkaufen. Doch der Deal hat noch viele Fragezeichen. Hinter der Firma Civitas Property Group aus Luxemburg, die die Nachricht vom geplanten Kauf am Donnerstag veröffentlicht hat, steckt der Finanzinvestor Lars Windhorst, der in den Neunzigerjahren als 18-Jähriger mit Helmut Kohl auf Wirtschaftsreise in Vietnam war und seitdem als „Wirtschaftswunderkind“ gilt – allerdings auch schon eine spektakuläre Bruchlandung hingelegt hat. Ihm gehört die Firma Sapinda, Muttergesellschaft von Civitas.

Oberbürgermeister Stefan Schostok bestätigte am Freitag den geplanten Verkauf. Er habe inzwischen mit beiden Beteiligten telefoniert und sei zuversichtlich, dass der neue Eigentümer die begonnene und vertraglich zugesicherte Erneuerung der maroden Immobilie fortsetzen werde. Das habe Investor Windhorst ihm signalisiert – schriftlich hat die Stadt es aber nicht. Für Ende Mai ist der Verkauf geplant. Windhorst wolle am 21. März vor Rats- und Bezirksratsmitgliedern in öffentlicher Sitzung Rede und Antwort stehen und auch den Manager mitbringen, der die Sanierung des Objekts stemmen soll, sagte Schostok. Ihm selbst sei weiter ein „wichtiges Anliegen, dass diese Wunde der Stadt Hannover geschlossen“ werde. Die Sanierung zieht sich seit Anfang des Jahrtausends hin, immer wieder kommen Spekulanten mit vollmundigen Versprechungen und springen dann wieder ab.

Dass jetzt wieder ein Investor abgesprungen ist, mit dem die Stadt lange und qualvoll verhandelt hat, wollte Schostok ausdrücklich nicht als Niederlage verstanden wissen. „Ich mache mir keine Illusionen, was den Immobilienmarkt angeht“, sagt Schostok. Im Gegensatz zu einer Stadtverwaltung, die gemeinwohlorientiert arbeite, gälten „für den privaten Sektor und Finanzmärkte“ andere Prioritäten. Er sei aber im Grundsatz „ein Optimist“ – und erfreut, dass sich mit Windhorst ein europäischer Investor um das Ihme-Zentrum kümmern wolle. „Ich gehe davon aus, dass beim Verkauf die Verpflichtungen des Eigentümers aus unserem Mietvertrag weiter gelten“, sagte Schostok. Windhorst habe deutlich gemacht, dass er ein langfristiges Interesse am Ihme-Zentrum habe. Allerdings hatte auch Intown-Chef Sascha Hettrich 2017 im HAZ-Interview gesagt: „Wir behalten die Immobilie wie alle unsere Objekte langfristig im Bestand.“ Das Versprechen von damals gilt nun offenbar nicht mehr. Civitas wiederum verspricht jetzt in einer schriftlichen Mitteilung, den Standort „vollständig zu revitalisieren und aufzuwerten, im Einklang mit allen Mietern und Wohneigentümern“.

Intown sehr zugeknöpft zum Ihme-Zentrum

Intown-Geschäftsführer Hettrich gab sich auf HAZ-Anfragen am Donnerstagabend zunächst sehr zugeknöpft, bestätigte aber am Freitagmittag den geplanten Verkauf. Sein Unternehmen stehe zu den „aktuellen vertragliche Verpflichtungen“, zum Beispiel der Sanierung der Fassade zur Blumenauer Straße. Nach Angaben Schostoks war der Kopf der Intwon-Holding, der Finanzinvestor Amir Dayan, enttäuscht darüber, dass es in Hannover häufig „negative Kommunikation“ zu den mangelnden Fortschritten am Ihme-Zentrum gegeben habe. Das gilt in Finanzkreisen als ungewöhnlich: Eigentlich kümmern sich die Milliardenjongleute wenig um die öffentliche Meinung.

Windhorst investiert in Werften – und das Ihme-Zentrum

Der künftige Eigentümer Windhorst gilt in Finanzkreisen als schillernde Person. Er legte erst einen millionenschweren Aufstieg hin, rutschte aber während der Dottcom-Krise 2003 in die Pleite, später verurteilte ihn das Berliner Landgericht wegen Untreue in 27 Fällen. Ein zweites seiner Unternehmen musste 2009 Insolvenz anmelden. Allerdings hat er jetzt mit seiner jungen Firma Sapinda wieder neue Anleger gefunden, die ihm ihr Geld anvertrauen. Vor einigen Wochen konnte er die Mehrheit der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft übernehmen.

Intown hatte 2015 bei einer Zwangsversteigerung 83 Prozent des Ihme-Zentrums gekauft. In dem Immobilienpaket waren damals außer einigen Hundert Wohnungen auch große Büroetagen enthalten, die unter anderem an die Stadt und die Stadtwerke vermietet sind, Tausende Quadratmeter leerstehender Ladengeschäfte im Inneren und die entkernte Ladenzeile Ihme-Arkaden sowie Parkbereiche im Basement, von denen einige damals frisch saniert waren, andere noch heute im Ruinenzustand sind. Insgesamt betrug der Verkehrswert fast 50 Millionen Euro, Intown ersteigerte das Paket für 16,5 Millionen Euro, also etwa einem Drittel.

Viele Ankündigungen, wenig Taten

Nach der Versteigerung gab es zunächst vollmundige Ankündigungen von Intown, doch zweieinhalb Jahre lang passierte gar nichts. Dann drohte die Stadt an, ihre Büromietverträge 2020 auslaufen zu lassen – das hätte dem Eigentümer empfindliche Verluste bei den Mieteinnahmen gebracht. Er lenkte ein und ließ 2017/8 eine Umbauplanung erarbeiten. Mit Verzögerungen ist nun zu Jahresbeginn zumindest der erste Umbauschritt gestartet: An der Blumenauer Straße hat der Fassadenabriss begonnen, die neuen Fassaden sollen angeblich dieses Jahr entstehen. Intown musste insgesamt mehr als 3 Millionen Euro für mögliche Schadenersatzansprüche der Stadt hinterlegen, falls die Revitalisierung der Immobilie nicht klappt wie geplant.

Ob der neue Eigentümer Civitas Property Group – wenn es denn zum Verkauf kommt – die Verpflichtungen Intowns ernsthaft übernimmt, weiß bisher niemand. Es gibt mal wieder nur wolkige Ankündigungen. Im Mai wollen die Luxemburger von der Firma den Deal perfekt machen. Man setze auf gute Zusammenarbeit mit der Stadt, heißt es in einer Mitteilung von Civitas. OB Schostok konnte auf die Frage, ob nicht der geplante Eigentümerwechsel mindestens das Risiko neuer Verzögerungen berge, nur sagen, dass die Umbauten detailliert vorbereitet seien und technisch einer Fortsetzung nichts im Wege stehe.

Wer ist der Käufer Civitas?

Kaum jemand kennt Windhorsts Civitas Property Group aus der Sapinda-Holding. Auf der Civitas-Homepage wird mit blumigen Worten ausgeführt, dass man ganz besonders nachhaltig und transparent in den deutschen Wohnungsmarkt investieren wolle. Das passt überhaupt nicht zum geplanten Invest ins Ihme-Zentrum, wo es vor allem um Gewerbeflächen geht. Auf direkte Kommunikation legt man in der Zentrale nicht viel Wert: Telefonisch ist das Unternehmen nicht erreichbar, auf Mails wurde bisher nicht reagiert. So bleibt auch die Frage unbeantwortet, warum man zwar den Fokus auf den deutschen Immobilienmarkt richtet, das aber von der Steueroase Luxemburg aus tut.

Verwalter im Ihme-Zentrum überrascht

Torsten Jaskulski, der das Ihme-Zentrum für die Eigentümergemeinschaft verwaltet, wurde Donnerstagabend selbst von der Ankündigung eines möglichen Verkaufs überrascht. „Sofort kam wieder große Unruhe auf“, sagt Jaskulski. So sei etwa über einen Umbaustopp spekuliert worden. „Im Moment laufen die Arbeiten wie geplant“, sagt Jaskulski. Er will in Kürze alle Eigentümersprecher aus den Wohnhäusern zu einer Sitzung einberufen.

Was sagen die Bewohner im Ihme-Zentrum?

Erneut macht sich Resignation breit. „Als wir hier vor 30 Jahren eine Wohnung gekauft haben, war das Ihme-Zentrum eine Vorzeigeprojekt“, sagt Sonja Marks (70), die mit ihrem Mann Kurt (74) spazieren geht, „aber heute sieht es teilweise aus wie nach einem Bombenangriff“. Von den ständig wechselnden Investoren hat ihr Mann keine gute Meinung: „Die taugen alle nichts.“ Beide „hoffen, dass wir es noch erleben“, dass es im Ihme-Zentrum wieder aufwärts geht. Auch Eigentümer Manfred Herden, der mit seinen zwei Hunden am Uferweg spazieren geht, kann die Nachricht vom geplanten Verkauf nicht aufregen. „Ich habe den Versprechen der Investoren sowieso nicht geglaubt“, sagt er. Immerhin: Er profitierte zuletzt von den steigenden Immobilienpreisen: „Vor zwei Jahren habe ich im Ihme-Zentrum meine Wohnung gekauft, inzwischen hat sich der Preis verdoppelt“, sagt er. Dagegen berichtet Andreas Murari, seit Jahren Mieter einer Intown-Wohnung, dass er sich schon lange Zeit über zugige Fenster beschwere. Er verbinde mit dem Verkauf neue Hoffnung: „Vielleicht tut sich ja unter dem neuen Eigentümer endlich etwas.“

Grafitti, Bauzäune und verrammelte Türen und Fenster – um das Ihme-Zentrum wieder attraktiver werden zu lassen, wäre viel zu tun. Ein Rundgang durch den umstrittensten Gebäudekomplex Hannnovers.

Was passiert mit dem Maritim-Hotel?

Die Berliner Intown besitzt in Hannover nicht nur die Mehrheit am Ihme-Zentrum, sondern auch weitere Immobilien. Etwa die Altbauareale des Pelikan-Geländes, das alte Concordia-Versicherungsgebäude in der Karl-Wiechert-Allee und vor allem das ehemalige Maritim Grand-Hotel gegenüber vom Neuen Rathaus. In den vergangenen Jahren wurde es als Flüchtlings-Notunterkunft genutzt, wofür die Stadt rund 6 Millionen Euro an Intown gezahlt hat.

Die Erneuerung des Maritim-Gebäudes zu einem modernen Hotel stehe für Intown derzeit nicht infrage, sagt Oberbürgermeister Stefan Schostok nach seinem Telefonat mit Intown-Chefstratege Amir Dayan. Zwar könne niemand sagen, ob sich Intown nicht doch noch davon trenne, seit Jahresbeginn aber sei fristgerecht die Vorbereitung der Sanierung gestartet.

Von Conrad von Meding

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