Hannover-List: Apotheke zur Kugel wird 70
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Aus der Stadt Apotheke zur Kugel in der List feiert 70. Geburtstag
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Hannover-List: Apotheke zur Kugel wird 70

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16:45 30.03.2021
Umgeben von Plexiglas: Hildegard Kruse-Behrendt im Verkaufsraum ihrer Apotheke.
Umgeben von Plexiglas: Hildegard Kruse-Behrendt im Verkaufsraum ihrer Apotheke. Quelle: Katrin Kutter
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Eröffnet wurde die Apotheke zur Kugel 1951 noch auf der anderen Seite der Bödekerstraße. An der Ecke zur Markuskirche hatte Dr. Georg Liebold seine Pharmazie eröffnet. 1962 zog er samt komplettem Inventar um – schräg gegenüber an die Bödekerstraße/Ecke In der Steinriede, wo die Apotheke heute noch ist. Bis in die Fünfziger- und Sechzigerjahre war der Apothekerberuf fast eine reine Männerdomäne. Die Herren Apotheker waren hoch angesehen, hatten sie doch einen großen Wissensschatz, der den Patienten und Kunden damals nicht so zugänglich war wie heute. Wer damals in eine Apotheke ging, war sehr auf die Hilfe von Fachleuten angewiesen.

Gründer Georg Liebold mischte in den Sechzigerjahren noch wesentlich mehr Medikamente von Hand zusammen als seine Nachfolger heutzutage. Quelle: Katrin Kutter

Ausgeprägter Beratungsbedarf

„Das hat sich bis heute nicht groß geändert“, sagt Hildegard Kruse-Behrendt, die 1992 die Apotheke von Familie Liebold übernommen hat und sie seitdem mit ihrem Team von mittlerweile zehn Mitarbeiterinnen führt. Trotz häufigen Internetrecherchen hätten die Kunden auch heute noch einen ausgeprägten Beratungsbedarf. „Es gibt ja eine Vielzahl an Präparaten – die durchaus der Erklärung bedürfen“, betont die Apothekerin.

Salben, Tinkturen, Zäpfchen, Baldrian, Sirup und Cremes – vieles wurde in den Kellerräumen der Apotheke lange noch per Hand angerührt und gemixt. „Auch heute erstellen wir noch Salben selber, allerdings hat das stark abgenommen“, so Kruse-Behrendt. Und das liege nicht allein an den modernen technischen Möglichkeiten zur Medikamentenherstellung, sondern auch an den vielen Auflagen, die für das „Handwerk“, wie Kruse-Behrendt sagt, mittlerweile gelten. „Das ist wie in einem Industriebetrieb, das können wir kaum leisten.“

Handgemachte Arzneien. Früher war mehr Handarbeit. Quelle: Katrin Kutter

Kommunikation klappt in der „Kugel“

Kruse-Behrendt hat ihre Apotheke im Jahr 1994 umgebaut und modernisiert. Hell und übersichtlich wurde damals der Ladenraum – eine Offenheit, die nicht nur räumlich zu verstehen ist, sondern auch die Kommunikation in der „Kugel“ prägt. Im Laufe der Jahrzehnte sollten die Räume noch so manche Veränderung zum Besseren erfahren – derzeit dominieren allerdings die coronabedingten Trennwände aus Plexiglas. Die Pandemie ist zuweilen ein echter Stressfaktor, nicht allein wegen der ständig neuen Verordnungen etwa zu Masken oder Schnelltests. „Es ist eine anstrengende Zeit – vor allem auch anstrengend für meine Mitarbeiterinnen“, betont Kruse-Behrendt.

Stark im Team: Die Belegschaft der Apotheke zur Kugel. Quelle: Katrin Kutter

Die Kunden sind aufgeklärter, aber auch dünnhäutiger geworden in Zeiten der Pandemie. Aber beschweren mag sich die Apothekerin nicht, der Mensch steht im Mittelpunkt und das Team gibt sein Bestes. „Es hat schon etliche Hochs und Tiefs für Apotheken gegeben“, sagt Kruse-Behrendt. Ihr Vorgänger etwa habe durch den U-Bahn-Bau der Siebzigerjahre leiden müssen, als die Ströme der Laufkundschaft versiegten und später auf die Lister Meile zogen. „Aber wir haben viele Fachärzte in der Nähe, daher kommen auch viele Patienten.“

Apotheke bleibt auch Handarbeit

Außer, dass es heute sehr viel mehr Medikamente gibt als früher, hat auch die Digitalisierung den Apothekenalltag verändert. „Früher habe ich kleine Lochkarten mit einem Bleistift für den Bastelbedarf beschriftet und Preisetiketten auf die Packungen geklebt“, erzählt Kruse-Behrendt. Heute wird per Computer geordert und gelistet. „Viele denken, wir müssen mit dem Rezept in der Hand lediglich das Medikament aus dem Regal holen“, so die Apothekerin. „Sie vergessen aber, dass wir auf dem Weg dorthin mindestens fünf Fragen beantworten müssen – und zwar fachlich genau.“

Eine Jubiläumsparty wird wegen Corona zunächst verschoben, Hildegard Kruse-Behrendt spendet dafür an den Bundesverband Kinderhospiz und wie immer an die Aktion Kindertraum. Von Chaos wegen der Pandemie ist in ihrer Apotheke nichts zu spüren. „Wir haben das mit den Masken schnell in den Griff bekommen, genauso wird das mit den Schnelltests sein.“ Kleinere Strukturen, in denen sich jeder Inhaber persönlich mit seinem Team um ein Thema kümmern kann, seien in der derzeitigen Situation durchaus hilfreich.

Und die Zukunft der Apotheke? Kruse-Behrendt sagt, sie sei schon mittendrin. „Das elektronische Rezept ist in Vorbereitung und das Internet spielt nicht nur bei Kunden eine wichtige Rolle.“ Arzneimittelversorgung könne allerdings nie nur elektronisch sein. „Apotheke bleibt immer auch Handarbeit.“

Von Susanna Bauch