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Aus der Stadt Heizung kaputt, kein Warmwasser: Mieter fühlen sich im Stich gelassen
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Hannover-List: Heizung kaputt, kein Warmwasser: Mieter fühlen sich im Stich gelassen

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18:59 21.10.2019
„Die Hausverwaltung reagiert nicht“: Mieter beschweren sich in der List. Quelle: Navid Bookani
Hannover

In dem alten Haus an der Robertstraße in der List haben die Wohnungen hohe Decken, im Treppenhaus finden sich noch die alten Bodenbeläge. Doch im Vorgarten wächst Unkraut, und einige Wohnungen stehen augenscheinlich leer. Das Haus sei Baujahr 1922, erzählt eine Mieterin, die schon lange dort wohnt. „Seit 27 Jahren“, sagt sie. Und ihr Nachbar sogar schon 30 Jahren, seit 1989. Nun befürchten beide, dass sie ihre Wohnungen verlieren könnten.

Fünf der 14 Wohnungen stünden in dem Haus mittlerweile leer, erzählt die Mieterin, die darum bittet, anonym zu bleiben. Auch ihr Nachbar möchte namentlich nicht genannt werden. Eine Erbengemeinschaft habe das Haus Anfang April 2018 an die Wigaro Immobilien GmbH verkauft, sagt der Mieter. „Der letzte Auszug war im Februar dieses Jahres.“ Doch die freigewordenen Wohnungen seien nach dem Tod oder Auszug der Mieter nicht erneut vermietet worden. Warum das so ist, darüber rätseln die verbliebenen Bewohner.

Mieter beklagen Schimmel und kaputte Heizthermen

„Der Nachbar von gegenüber hat Ärger mit Schimmel“, erzählt der Mieter aus dem vierten Stock. Auch in seiner eigenen Wohnung würden dringend benötigte Reparaturen nicht durchgeführt. Seine Therme habe permanent Wasser verloren – und zwar seit Februar. Doch erst Anfang Oktober sei ein Handwerker vorbeigekommen. „Diverse Erinnerungsmails und Nachrichten auf den Anrufbeantworter der Hausverwaltung, auf die nicht reagiert wurden, lagen dazwischen.“ Zu den Beschwerden möchte die zuständige Mitarbeiterin der hannoverschen Hausverwaltung Rother auf Anfrage keine Stellung nehmen. Die Mieter des Hauses glauben indes, dass in die Wohnungen nicht mehr investiert werde, weil das Gebäude bereits an ein Immobilienunternehmen in Berlin weiterverkauft worden sei.

Die Therme funktioniere nicht mehr richtig, beschwert sich ein Mieter. Quelle: Navid Bookani

Reparaturen auf eigene Kosten

Auf den einzelnen Etagen des Hauses sehen wirklich viele Wohnungen leer aus. Im ersten Stock sind es zwei, im zweiten Stock auch, der dritte Stock ist voll belegt, und im vierten wohnt der Mieter mit der kaputten Therme. Einen Aufzug gibt es nicht. „Die Klingelanlage war zwei Wochen lang kaputt. Da mussten wir vier Stockwerke runter, weil der Türöffner auch nicht funktionierte“, sagt der Bewohner.

Auch seine Nachbarin ärgert sich: „Ich habe seit dem 24. September kein Warmwasser und keine Heizung mehr.“ Auf eigene Kosten habe sie sich daher einen Heizlüfter gekauft. Zudem habe sie die Heiztherme dann selbst reparieren lassen. „Auf der Rechnung bleibe ich wohl sitzen“, vermutet die Frau. Im Haus scheinen mehrere Thermen nicht richtig zu laufen. Der Mieter aus dem vierten Stock sagt: „Mein Nachbar nebenan hat nur immer kurz warmes Wasser.“

Ausziehen ist keine Option

Ob Ausziehen eine Option sei? Die Mieterin schüttelt den Kopf: „Man findet auf dem hannoverschen Wohnungsmarkt nichts.“ Die Wohnung sei günstig gewesen. „Deshalb habe ich sie auch gemietet. Dabei war sie in total schlechtem Zustand und musste renoviert werden.“ Renovierungen habe sie selbst vorgenommen. „Alles in allem waren es bestimmt 10 .000 Euro.“

„Komfort haben wir nicht“, sagt die Mieterin. Trotzdem wolle sie keine teure Modernisierung. Seit dem Verkauf des Hauses an die Wigaro sei die Miete bereits um 15 Prozent erhöht worden – ohne dass notwendige Reparaturmaßnahmen durchgeführt worden seien. „Der Vorgarten verwildert zusehends, obwohl wir für Gartenpflege bezahlen“, sagt sie.

Ein Mieter in seiner Wohnung: Ausziehen will er dennoch nicht. Quelle: Navid Bookani

Die Eigentümer widersprechen

Den Vorwürfen widerspricht Michael Wieck, Gesellschafter der Wigaro. Nachdem die kaputte Klingel gemeldet worden sei, habe der Verwalter einen Elektriker beauftragt. Der habe zunächst aber keinen Fehler feststellen können. Dann sei nochmals ein Fachmann vor Ort gewesen, um die Klingelanlage zu reparieren. Auf den Hinweis eines Mieters, dass seine Therme kaputt sei, habe das Unternehmen sofort reagiert. „Eine andere Meldung haben wir nicht bekommen“, sagt Wieck. „Wenn ein Mangel da gewesen sein sollte, haben wir den behoben.“ Und die Pflege des Gartens werde den Mietern nicht in Rechnung gestellt, erläutert Gesellschafter Wieck weiter.

Wigaro-Geschäftsführer Gaurav Garg erläutert, dass in diesem Fall mehrere Faktoren eine Rolle spielten. Bei einem alten Haus müssten bei Reparaturen viele Vorschriften eingehalten werden. Zudem sei es schwierig, Handwerker zu finden.

Haus ist bereits verkauft

„Als wir das Objekt gekauft haben, wurden wir schon angefeindet“, sagt Wieck. Mit der Wigaro sei nicht einmal kommuniziert worden. Von Mieterhöhungen wisse er nichts. „Insgesamt ist das ein sehr, sehr niedriges Mietniveau.“ Mit Blick auf die leer stehenden Wohnungen sagt Geschäftsführer Garg, dass das Haus bereits weiterverkauft worden sei und er die jetzige Situation nicht mehr ändern könne. „Ich habe Anfang des Monats unterschrieben.“

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