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Aus der Stadt Ist die Lister Meile zu teuer geworden?
Hannover Aus der Stadt Ist die Lister Meile zu teuer geworden?
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00:18 08.09.2018
Blick auf die Lister Meile. Quelle: Samantha Franson
Hannover

„Schließung wegen Geschäftsaufgabe“, „Alles muss raus“ – Sätze wie diesen liest man auf der Lister Meile in diesen Tagen an einigen Fensterfronten. Werden immer mehr inhabergeführte Läden durch die teuren Mieten verdrängt?

Dana Fumiento steht immer donnerstags mit ihrer Freundin Xhenia am Zapfhahn. Die junge Mutter von drei Kindern ist die Tochter von Enzo Fumiento, einem Lister Meilen-Urgestein. Seit 38 Jahren betreibt er am Lister Platz die Bierpinte Rumpelkammer, sein Wohnzimmer. Mittlerweile steht er nicht mehr hinterm Tresen – dafür seine Tochter schon in den Startlöchern. „Ich bin super zufrieden mit dem Geschäft“, sagt der Gastronom. „Klar, es ist auch immer Arbeit. Man muss halt immer am Ball bleiben.“

Enzo Fumiento organisiert für den Verein Aktion Lister Meile die Events wie das Lister Meilen Fest und den Weihnachtsmarkt. „Wir haben viel Einzelhändler, die seit Jahrzehnten hier sind.“ Aber auch er weiß um die steigenden Mieten auf der beliebten Meile. Der Deutsch-Italiener sieht das Problem vor allem bei nicht ortsansässigen Hausbesitzern. „Diese Eigentümer interessiert es nicht, wer unten reinkommt. Das ist ein Problem.“

Ketten versus Einzelhandel? Eine Reportage über die Entwicklungen auf der Lister Meile.

Ein paar Meter weiter betreibt Tanja Wohltmann das Juweliergeschäft Wohltmann in der fünften Generation. Seit 1887 gibt es das Traditionsunternehmen in der List. Die 40-Jährige schaut besorgt in die Zukunft. „Noch sind wir nicht die Limmer Straße“, sagt die Juwelierin. Und meint damit den Leerstand, den man in Linden vorfinde. Die Unternehmerin fragt: „Wer kürzt die Armbänder, wer wechselt die Batterien – wer wird künftig den Service machen, den wir hier anbieten?“ Ihren Kinder könne sie die Übernahme des Geschäfts nicht empfehlen. Vor allem der Online-Handel würde das Geschäft kaputt machen.

Während die Unternehmerin das sagt, kommen viele Kunden in ihr Geschäft, in dem man sowohl Uhren, als auch Trauringe und Modeschmuck erwerben kann. „Wie hatten schon schon schlechtere Zeiten“, gibt die Chefin im Hinblick auf den Kundenverkehr zu. „Die Leute merken langsam, dass das Internet nicht alles ist.“

Beliebtes Viertel: Die Lister Meile zieht viele Unternehmen an

 Ein Kind lacht, eine junge Mutter stöbert nach Söckchen. Bei MaxiMini in der Lister Meile 62 trifft man auf glückliche Gesichter. Verkäuferin Sylvia Ritter arbeitet seit Anbeginn der Gründung 2013 in dem Kindermodengeschäft. „Unsere Kunden kommen sogar aus Isernhagen und Celle hierher. So etwas wie uns gibt es in der Stadt nicht.“

Ähnlich selbstbewusst beschreibt Elvira Beyers vom Strumpflädchen in Hausnummer 60 die Situation. „Mein Laden ist weltbekannt. Der Abschnitt von der Droste Straße bis Lister Platz ist das Filetstück auf der Lister Meile.“ Das Geheimnis der Geschäftsfrau sei ein gut sortiertes Sortiment und ein freundlicher Umgang mit den Kunden. Aber ja, bei einem Punkt sind sich die Frauen einig: Die Mieten seien viel zu hoch auf der Lister Meile.

Einem, dem der Standort Lister Miele viel Wert ist, ist Hendrik Mikosch. Der 29-Jährige ist Franchise-Nehmer der bundesweit aktiven Kette Backwerk. Einige tausende Euro Miete zahlt der Jungunternehmer, um von der Top-Lage zu profitieren. „Ich habe es gewusst und habe mich drauf eingestellt“, sagt der Brötchenbäcker und gibt an, mit dem Standort dennoch zufrieden zu sein. Ein Geschäftstreibender, der anonym bleiben will, hat sich mit Kollegen über die Mieten ausgetauscht: „Der Preis liegt im Mittel bei 70 bis 100 pro Quadratmeter auf der Lister Meile.“

Freud und Leid liegen am südlichen Ende der Lister Meile eng beieinander. Der Wäscheladen Helene, der im September nach 67 Jahren aufgibt (HAZ berichtete), liegt in direkter Nachbarschaft zum hannoverschen Modeunternehmen Eve in Paradise. Filialleiterin Martina Matthias störe, dass durch die Schließung einiger Geschäfte in der Umgebung die Meile einen gewissen Negativtouch unter Kunden bekommen habe. Trotz der Geschäftsaufgaben in der Nachbarschaft sei sie mit dem Standort zufrieden. „Wir hatten noch nie so einen Sommer – wir sind sehr glücklich.“ Das Fachgeschäft für Mode aus Naturtextilien ist seit 2010 an der Gretchenstraße 9a ansässig. Trotz Online-Handel sei der Verkauf vor Ort sehr stark, berichtet die Verkäuferin. „Die List ist angesagt. Hier passiert ganz viel.“

Zurück zum Lister Platz: Hier planen Vater und Tochter Fumiento gerade den verkaufsoffenen Sonntag am 23. September. Der musste im letzten Jahr ausfallen, aber in diesem Jahr solle die Vielfalt der Geschäfte auf der Lister Meile ohne den Konkurrenzdruck zur Innenstadt wieder in Erscheinung treten. „Die Lister Meile funktioniert noch immer“, findet Wirt Enzo.

Von Marleen Gaida

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