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Aus der Stadt „Lüttje Lage“: Wie ich 5 Euro geschenkt bekam
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Hannover: "Lüttje Lage": Wie ich 5 Euro geschenkt bekam

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14:18 09.07.2019
Simon Benne Quelle: Franson
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Ich möchte an dieser Stelle um Verständnis heischen. Wir haben vier Kinder, und das macht das Leben manchmal unübersichtlich. Intern fassen wir die Kinder in verschiedene Gruppen zusammen, um den Überblick zu behalten: Es gibt die großen und die kleinen Kinder, es gibt Rand- und Mittelkinder, und wenn man sie nummeriert, gibt es die geraden und die ungeraden Kinder. Grundsätzlich aber gilt die bekannte pädagogische Faustformel: Spätestens ab dem vierten Kind muss man von Manndeckung auf Raumdeckung umschalten. Ich bemühe mich redlich, mir auch die Namen aller Klassenkameraden zu merken, aber da stößt man rasch in den dreistelligen Bereich vor. Und ich gestehe, dass ich von den dazugehörigen Elternpaaren nur noch ausgesuchte Exemplare korrekt zuordnen kann.

Umso glücklicher war ich jetzt, als ich Lias Mutter sofort erkannte. Sie sprach mich auf der Straße an. „Hier, 5 Euro“, sagte sie und drückte mir einen Schein in die Hand. Eltern tauschen ja ständig Kleinbeträge untereinander aus. Meist geht es darum, dass der eine für den anderen etwas ausgelegt hat; den Beitrag für das Abschiedsgeschenk der Lehrerin oder den Obolus für die Klassenkasse. Ich hatte keinen Schimmer, worum es diesmal ging. Aber das mochte ich nicht zugeben. „Ja, äh, genau, 5 Euro, passt, besten Dank!“ sagte ich und nickte.

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In aller Regel ist meine Frau besser im Bilde als ich. Also schrieb ich ihr eine Nachricht: „Habe eben 5 Euro von Lias Mutter bekommen.“ Prompt kam die Antwort: „Wieso? Wofür denn?“

Es gibt jetzt drei Möglichkeiten: Entweder, Lias Mutter ist genauso konfus wie ich und hat ihr Geld dem falschen gegeben. Oder meine Frau ist genauso konfus wie ich, und allein Lias Mutter weiß, was es mit dem Geld auf sich hat. Oder ich hatte in meinen abgewetzten Klamotten einfach nur so bedürftig ausgesehen, dass es der grundgütigen Frau ein Herzensanliegen war, mir einen Schein zuzustecken. In jedem Fall werde ich an der Sache nicht weiter rühren.

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Von Simon Benne

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