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Aus der Stadt Das Theater am Aegi feiert Matthias Brodowy
Hannover Aus der Stadt

Hannover: Matthias Brodowy feiert 30-jähriges Bühnenjubiläum im Theater am Aegi

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12:57 21.09.2019
Rockig, melancholisch, tiefsinnig: Matthias Brodowy (r.) mit Johannes Kirchberg im Theater am Aegi. Quelle: Michael Wallmueller
Hannover

Bühnennebel, Lightshow, eine monumentale Bunkerbetonkulisse: Eigentlich ist Kabarettist Matthias Brodowy ja eher ein Mann der leisen, klugen Töne, aber im ausverkauften Theater am Aegi macht er mal ganz genussvoll auf dicke Hose. Ein gutes Dutzend Musiker hat er an diesem Abend um sich geschart, inklusive Backgroundsängerinnen und Bläsergruppe – und mit seiner gut aufgelegten Band lässt er so richtig den Rockstar raushängen.

Seit 30 Jahren steht er auf der Bühne, seine Karriere begann 1989 am Herschel-Gymnasium, und zum Jubiläum röhrt er Stücke wie seinen alten Song „Sieben“ in einer fetzigen Rammstein-Version runter, mit Gitarrensoli und zuckenden Scheinwerferlichtern. Das ist das große Besteck.

Desimo & Co. gratulieren

Illustre Gratulanten geben sich bei der Geburtstagsgala die Ehre: Brodowys alter Spezi Desimo bittet als Zauberkünstler ausgerechnet Pattensens Bürgermeisterin Ramon Schumann auf die Bühne, um sie scheinbar zu zersägen. Und die Sängerin Jael Jones stimmt mit Brodowy eine betörend schöne jiddische Version von Leonard Cohens „Hallelujah“ an.

Betörendes Duett: Brodowy mit Jael Jones. Quelle: Michael Wallmueller

Johannes Kirchberg, von Brodowy als „der intellektuellste unter uns Kabarettisten“ gepriesen, bringt philosophische Chansons („Glauben Sie nicht, was sie sehen – was man glaubt, das sieht man nicht“). Gitarrist Wolfgang Stute spielt ein Stück namens „Klang des Herzens“, das seinen Titel ganz zu recht trägt. Und Werner Momsen sinniert darüber, wie verträglich eigentlich Hammelhoden aus indonesischen Garküchen sind.

Es ist ein ziemlich bunter Abend: Eben noch besingt das Songwriterduo Milou & Flint „Schwalben Anfang Mai“, bald darauf kalauert Kabarettist Ingo Börchers drauflos: „Wenn ein Mann eine Meinung hat und keine Frau in der Nähe ist – hat er dann trotzdem Unrecht?“

Song zum Weltuntergang

Dazwischen stimmt Brodowy Lieder an wie „Feuerland“, ein poetisches Stück über die Kraft des Träumens. Zur Klimakatastrophe hat er in Gestalt eines irisch anmutenden Saufliedes den passenden Weltuntergangssong in petto: „Haut’s die Erde aus ihrer Umlaufbahn, da heben wir unsere Gläser an, doch es ist ja zum Glück noch lang nicht so weit, deshalb gönnen wir uns die Zwischenzeit.“ In seinem Lied „1984“ warnt er davor, bei digitalen Datenkraken ins Netz zu gehen.

So war Brodowys Gala im Aegi

Brodowy ist ein enorm politischer Kabarettist, ganz ohne Merkel-Witze zu erzählen. Seine Texte sind immer eine Spur tiefsinniger und melancholischer als der Mainstream im Kabarett. Seinem Tempo ist das nicht abträglich, seiner Spritzigkeit auch nicht. Manche Sprüche kennt seine Fangemeinde seit Jahren, etwa das Zitat des griechischen Philosophen Adipositas: „Gewicht hast du nie über, sondern stets nur voraus.“ Aber egal, manche Witze werden mit der Zeit nicht alt, sondern zu Klassikern.

Mit einer Bruttodauer von dreieinhalb Stunden hat der Galaabend das Format einer kleinen Wagner-Oper, aber zu lang ist er nicht. Mancher lässt es nach 30 Berufsjahren auf der Zielgeraden zum Vorruhestand schon mal etwas langsamer angehen. Brodowy ist davon weit entfernt – und das Publikum feiert ihn dafür mit Ovationen im Stehen.

Von Simon Benne

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