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Aus der Stadt Kabarett in der Urnenkirche
Hannover Aus der Stadt Kabarett in der Urnenkirche
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22:17 14.01.2019
Kurzweilig und tiefsinnig: Matthias Brodowy im Misburger Kolumbarium. Quelle: Moritz Frankenberg
Hannover

Darf man das? Kabarett im Kolumbarium machen? In einer Begräbniskirche also, in der Urnen mit der Asche Verstorbener in gläsernen Regalen stehen? Mit flotter Musik? Man feiert doch auch keine Party auf dem Friedhof. Andererseits gehört zur Beerdigung ja auch meist eine Platte Zuckerkuchen. Und das Programm im Misburger Herz-Jesu-Kolumbarium ging am Montagabend mit höchstem kirchlichen Segen über die Bühne: „In ihrem Leben hätten sich viele der hier Bestatteten daran erfreut“, sagt Propst Martin Tenge, der auch gleich als Beleuchter fungierte und den Altarraum der Kirche stimmungsvoll illuminierte.

So waren Klangkunst und Kabarett im Kolumbarium

Das musikalische Programm des Abends war mit Stücken von Brahms bis Bette Midler durchaus melancholisch grundiert. Sopranistin Charlotte Jarosch von Schweder sang die Stücke mit schnörkelloser Klarheit, beseelter Wärme und angenehmen Timbre. Kabarettist Matthias Brodowy sinnierte humorvoll über die letzten Dinge. Und er verriet den rund 200 Besuchern, welchen Spruch er selbst sich für seinen Grabstein wünscht: „Da liegt er nun, das hat er davon!“

Schnaps ins Grab

Brodowy las aus seinem Buch „Der Leuchtturmhüter“, in dem die Trauergäste einer verblichenen Wirtin liebevoll ein letztes Glas Schnaps als Wegzehrung ins offene Grab nachkippen. Am Piano spielte er neben seiner Hannover-Hymne auch sein Stück Feuerland, in dem es um die Kraft des Träumens geht.

So ein Showprogramm zwischen Urnen kann rasch ziemlich morbide ausfallen. Doch die Akteure bewältigen die Gratwanderung. Auch als Pianist Robert Roche einen Ragtime von Scott Joplin spielt, wirkt dies nicht pietätlos. „Wir feiern hier auch ein bisschen unser Leben“, sagt Brodowy an diesem ebenso kurzweiligen wie tiefsinnigem Abend, dessen Erlös für den Ambulanten Hospizdienst der Malteser bestimmt ist. Wenn Humor eine Haltung ist, die ein Leben tragen kann, dann hört er an der Grenze zum Tod nicht auf. Am Ende gibt es lang anhaltenden Applaus.

Von Simon Benne

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