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Aus der Stadt Hannover: Mehr als 200 Pflegejobs in Krankenhäusern unbesetzt
Hannover Aus der Stadt

Hannover: Mehr als 200 Pflegejobs in Krankenhäusern unbesetzt

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00:15 20.05.2019
Auch im Klinikum Region Hannover, zu dem auch das Nordstadtkrankenhaus gehört (siehe unser Bild), herrscht Pflegenotstand.
Auch im Klinikum Region Hannover, zu dem auch das Nordstadtkrankenhaus gehört (siehe unser Bild), herrscht Pflegenotstand. Quelle: Info
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Hannover

Der Notstand in der Pflege stellt alle Krankenhäuser Hannovers vor erhebliche Probleme. Im Klinikum Region Hannover sind nach eigenen Angaben derzeit 65 Stellen im Bereich der Gesundheits- und Krankenpflege nicht besetzt. In der Medizinischen Hochschule Hannover fehlen nach Angaben eines Sprechers sogar 79,2 Vollzeitkräfte. Selbst kleinere Häuser wie das Kinderkrankenhaus Auf der Bult oder das Vinzenzkrankenhaus kommen derzeit auf jeweils zehn offene Stellen in der Pflege. Zur dauerhaften Schließung von Stationen wie bei Diakovere kam es im Kampf gegen den Personalmangel zwar bislang offenbar nicht. Das evangelische Klinikunternehmen hat – wie berichtet – eine Station aus dem Bereich Allgemein-, Visceral- und Gefäßchirurgie im Friederikenstift und eine Aufnahmestation im Henriettenstift komplett geschlossen, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Das medizinische Angebot werde dabei aber vollständig bestehen bleiben, betont die Diakovere-Leitung. Derzeit können dort 40 offene Stellen nicht mit examinierten Pflegekräften besetzt werden – macht in der Summe über 200 offene Stellen.

Weitere Versorgungsengpässe durch neues Gesetz

Allerdings bestätigt auch das KRH, dass es seine Leistungskapazitäten „regelmäßig an die Personalsituation anpasst“, sprich: auch vermehrt Stationen kurzfristig schließt, sodass beispielsweise der Rettungsdienst im Notfall ein anderes Krankenhaus anfahren muss, um Patienten unterzubringen. Insidern zufolge verschärft eine neue bundesweite Regelung für Mindestbesetzungen auf Stationen in Krankenhäusern derzeit auch im KRH die ohnehin angespannte Situation in der Pflege. Regionspräsident Hauke Jagau hatte schon Anfang Januar dieses Jahres darauf hingewiesen, dass diese neue Rechtsverordnung weitere Versorgungsengpässe produzieren könnte. Jagau ist auch Aufsichtsratschef des Klinikums.

200 zusätzliche Stellen sollen Personal entlasten

Um das Pflegepersonal zu entlasten will das kommunale Unternehmen noch in diesem Jahr 200 zusätzliche Stellen schaffen. Seit einem halben Jahr werben Mitarbeiter in einem neuen virtuellen „Karriereportal“ als „Spießer“, „Abenteurer“ oder „Lebenskünstler“ für ihren Beruf. Offenbar mit Erfolg: Man habe mit der Kampagne einen Zuwachs von etwa 50 Prozent bei den Bewerbungen erreicht, sagt ein Sprecher. Allerdings reiche das nicht, um die 200 zusätzlichen Stellen zu besetzen. „Wir würden gerne deutlich mehr Gesundheits- und Krankenpfleger einstellen“, heißt es. Mit Hilfe eines Mobilteams, das zu festen Dienstzeiten, aber auf unterschiedlichen Stationen und Standorten eingesetzt wird, sollen überdies Krankheitsausfälle kompensiert werden.

MHH wirbt ausländische Fachkräfte an

Die MHH wartet mit einem Maßnahmenkatalog von fast 40 Punkten auf, um in der Pflege „Ressourcen zu schaffen und die Attraktivität des Arbeitgebers“ zu steigern. Im Aufbau befinde sich ein Pflegestärkungsteam, das die Stationen bei Ausfällen oder Arbeitsspitzen entlasten soll, sagt ein Sprecher. Besonderer Anreiz: In diesem Team kann man Dienstzeiten frei wählen. Mehr Ausbildungsplätze (200 statt 220), bessere Arbeitsbedingungen für Mütter (Teilzeit, veränderte Öffnungszeiten im MHH-Kindergarten) oder, verbesserte Weiterbildungsangebote sollen helfen. Zudem kooperiert die MHH mit einem Personalvermittler, mit dem sie jährlich 20 bis 40 internationale Fachkräfte rekrutiert. Diese würden zudem mit einem speziellen Integrationsprogramm eingearbeitet.

Von Jutta Rinas