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Aus der Stadt DRK-Rettungskräfte können im virtuellen Training den Pulsschlag messen
Hannover Aus der Stadt DRK-Rettungskräfte können im virtuellen Training den Pulsschlag messen
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00:18 23.04.2019
Virtuelle Erstversorgung eines leicht verletzten Unfallopfers: Ministerpräsident Stephan Weil testet in der DRK-Rettungsschule unter Anleitung die neue Trainingssoftware für Notfallsanitäter. Quelle: Heidrich
Misburg

In einer U-Bahnstation sind nach einer gewaltigen Explosion Schreie und schmerzerfülltes Wimmern von schwer verletzten Menschen zu hören. Blutende Fahrgäste taumeln orientierungslos umher: Dieses beängstigende Szenario kann das Deutsche Rote Kreuz (DRK) in seiner Rettungsschule in Hannover-Misburg für angehende Notfallsanitäter künftig auf Knopfdruck simulieren – ohne Schauspieler, ohne schweres Material und in einem kleinen Schulungsraum. Wie Rettungskräfte sich bei einem Einsatz mit etlichen Verletzten richtig verhalten, sollen Auszubildende beim DRK-Landesverband künftig auch virtuell trainieren. „Virtual Rescue“ – so heißt die bundesweit bislang einzigartige Trainingssoftware, die das DRK jetzt bei einem Besuch des niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil vorgestellt hat.

Virtuelle Einsatzübung lässt sich ohne Aufwand wiederholen

„Die neue Technik macht es möglich, ein Terrorszenario oder Unglücksfälle mit massenhaft verletzten Personen unbegrenzt zu wiederholen – anders als bei einer normalen Übung: ohne großen Aufwand“, sagte der Schulleiter Ralf Seebode bei der Präsentation der virtuellen Übung. DRK-Helfer hatten zuvor in einem Schulungsraum im Schnellverfahren die neue Technik aufgebaut: ein Laptop, eine sogenannte Virtual-Reality-Brille und zwei Controller für die handgesteuerte Fortbewegung und Aktionen. „Notfallsanitäter müssen bei einem Einsatz mit vielen Opfern schnelle Entscheidungen treffen: Welche Verletzungen müssen sofort behandelt werden? Welche Verwundete können noch warten?“, beschrieb der Schulleiter die besondere Problematik. Um diese künftig öfter möglichst unter realen Bedingungen zu erleben, lässt das DRK angehende Einsatzkräfte nun in die virtuelle Welt abtauchen.

Ministerpräsident Stephan Weil testet in der DRK-Rettungsschule die neue Trainingssoftware für Notfallsanitäter. Quelle: Foto: Clemens Heidrich

Rettungsschule ist hochmodernes Trainingscamp

Die Rettungsschule des Landesverbandes bildet seit 2009 auch in Hannover unter anderem Notfallsanitäter und Notärzte aus. Ein weiteres Simulations- und Trainingszentrum gibt es in Goslar. Von den seit 2014 insgesamt 3200 ausgebildeten Notfallsanitätern haben laut Landesgeschäftsführer Ralf Selbach rund 113o ihr Handwerk in den beiden DRK-Rettungsschulen erlernt. Es sind aber nicht nur virtuelle Explosionen, die in Hannover Rettungskräfte für Einsätze schulen sollen: In dem rund 1200 Quadratmeter großen Trainingscamp in Misburg können etliche Notfallsituationen simuliert werden. In einer Halle kann sogar in einer vollständig eingerichteten Wohnung trainiert werden. Es gibt auch eine Baugrube, Gerüste, eine Bushaltestelle und ein Lastwagen-Führerhaus – hochmoderne Ton-, Licht- und Kunstnebeltechnik inbegriffen.

Vibrierende Fernsteuerung simuliert Pulsschlag

Der Ministerpräsident war vor allem von der neuen Software beeindruckt – virtueller Selbsttest inbegriffen. „Dieser Verletzte mach einen fitten Eindruck“, sagte Weil, nachdem er über einen vibrierenden Controller in der rechten Hand den Puls eines virtuellen Opfers gefühlt hatte. Einen großen fünfstelligen Betrag hat das DRK laut Landesgeschäftsführer in die von Spezialisten programmierte Software investiert. Die neue Technik soll auch für die Schulung von Notärzten sowie Partnern im Katastrophenschutz zur Verfügung gestellt werden.

Auszubildende loben abwechslungsreichen Unterricht

Ministerpräsident Stephan Weil demonstriert an einer Simulationspuppe eine Herz-Lungen-Massage. Quelle: Foto: Clemens Heidrich

Der Ministerpräsident ließ sich bei seinem Rundgang aber auch die analoge Rettungswelt vorführen. An einer Simulationspuppe demonstrierte er selbst eine Herz-Lungen-Massage. „Ich war in Hannover auch schon Feuerwehrdezernent und habe deshalb einen festen Bezug zum Rettungsdienst“, betonte Weil. Wie denn das zeitliche Verhältnis von theoretischem und praktischem Unterricht sei, wollte er von der 28-jährigen Jennifer Isensee wissen. Sie ist im dritten Ausbildungsjahr für Notfallsanitäter und ließ den Ministerpräsidenten zum Abschied wissen. „Die verschiedenen Blöcke sind sehr spannend und immer abwechslungsreich.“

Gemeinsam mit dem DRK-Landesgeschäftsführer Ralf Selbach (Zweiter von rechts) nimmt sich Ministerpräsident Stephan Weil (rechts) bei seinem Besuch in der Rettungsschule auch Zeit für Gespräche mit Auszubildenden. Quelle: Clemens Heidrich

Von Ingo Rodriguez

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