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Aus der Stadt So hart ist es, bei H&M zu arbeiten
Hannover Aus der Stadt So hart ist es, bei H&M zu arbeiten
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00:19 06.10.2018
Ismail T. wehrt sich gegen seine Kündigung. Quelle: Foto: Katrin Kutter
Hannover

Sein Arbeitsleben bei Hennes&Mauritz, besser bekannt als H&M, hatte sich Ismail T. anders vorgestellt. Der gelernte Drogist unterschrieb im Mai einen auf sechs Monate angelegten Vertrag, befristet, wie in der Branche üblich. Doch bald machte dem 26-Jährigen eine komplizierte Zahnkrankheit zu schaffen. Als er an einem Tag voller Beschwerden eine der Führungskräfte bat, früher nach Hause gehen zu dürfen, tat er dies. „Mit Erlaubnis also“, sagt Ismail T., „mir wurde sogar gute Besserung gewünscht.“

Bald danach wurde er fristgerecht entlassen. H&M begründete die Kündigung damit, dass Ismail T. den nötigen Anforderungen an Zuverlässigkeit und Sorgfalt nicht genüge. Ismail T. sagt: „Eine Lüge.“ Der Betriebsrat wehrt sich gegen die Entlassung. In einem Schreiben an die Filialleitung wird vermutet, dass dem „beliebten, motivierten und pflichtbewussten“ Mitarbeiter dessen Geradlinigkeit und Offenheit zum Verhängnis geworden sei, obwohl diese Werte vom Unternehmen offiziell herausgestellt würden. Er sei lediglich an einem Tag nicht pünktlich zur Schicht erschienen. Eine Managerin habe Ismail T. noch kurz vor der Entlassung zugesichert, ihn übernehmen zu wollen, man sei offenbar zufrieden mit seiner Arbeit gewesen.

Bei der Gewerkschaft verdi gilt die Geschichte von Ismail T. als weiteres Beispiel dafür, welches Geschäftsmodell in Häusern für junge Mode systematisch betrieben wird. „Nicht nur für H&M gilt, dass häufig mit befristeten Verträgen gearbeitet wird. Da kann man beobachten, ob jemand öfter krank ist oder unbequem, ob jemand streikt oder zum Betriebsrat geht. Es wird massiv selektiert. Leute gehen krank zur Arbeit, weil sie ihre Verträge verlängern wollen“, sagt Gewerkschaftssekretärin Juliane Fuchs. Üblich sei es, Verträge nur selten zu entfristen, damit sich Unternehmen für wenig Geld die besten Leute sichern könnten.

Ismail T. sagt, dass H&M Mitarbeiter in der Filiale in der Ernst-August-Galerie unter enormen Druck setze. „Arbeite schneller, kassiere schneller, sei produktiver, das hört man ständig.“ An freien Tagen werde man ins Haus gebeten, wenn Kollegen ausfielen. Der Krankenstand sei hoch, und es werde registriert, wer zum Betriebsrat gehe. Ismail T. spricht von Mobbing, „die wollen Menschen, die den Mund nicht aufmachen“, zu denen zählt er sich nicht. Eine Kollegin vom Verkauf berichtet von mitunter deutlich zu kleiner Besetzung auch in Spitzenzeiten: „Die Filiale steht gut da, aber auf Kosten der Mitarbeiter.“

In der Ernst-August-Galerie arbeiten auf 1700 Quadratmetern 63 Mitarbeiter, 19 in Vollzeit, 44 als Teilzeitkräfte oder ausgestattet mit flexiblen Verträgen. Diese Gruppe wird „Flexis“ genannt, ihr wird eine bestimmte Stundenzahl garantiert wird, die nach Bedarf aufgestockt werden kann. H&M hat auf die Vorwürfe so reagiert: „Die Ausübung von Druck auf Mitarbeiter widerspricht unseren Unternehmensgrundsätzen, und davon möchten wir uns definitiv distanzieren.“ Beschäftigte würden ermutigt, Missstände anzusprechen und auch Beschwerden über Vorgesetzte zu äußern. Wenn Mitarbeiter kurzfristig einspringen müssten, geschehe dies freiwillig und zur Entlastung der übrigen Beschäftigten, in Zeiten mit hohem Arbeitsaufwand würden zudem zusätzliche Mitarbeiter befristet eingestellt. H+M zufolge wurde Ismail T. nicht mit einem auf sechs Monate befristeten Vertrag eingestellt, sondern länger, von Mitte Mai bis Ende Dezember.

Von Gunnar Menkens

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