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Aus der Stadt Die Weidenkirche wird zur Postadresse
Hannover Aus der Stadt Die Weidenkirche wird zur Postadresse
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13:38 04.03.2019
In der Weidenkirche sind auch Taufen und Trauungen möglich. Im Hintergrund ist das neue Baugebiet zu erkennen.
In der Weidenkirche sind auch Taufen und Trauungen möglich. Im Hintergrund ist das neue Baugebiet zu erkennen. Quelle: Michael Zgoll
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Mittelfeld

Einige Mittelfelder Institutionen wie das in einem Hochhaus beheimatete Berufsbildungswerk des Annastifts oder die Mira-Lobe-Schule werden bald ihre angestammte Adresse „Wülfeler Straße“ verlieren. Der Bezirksrat Döhren-Wülfel stimmte in seiner vergangenen Sitzung nahezu einstimmig – bei einer Enthaltung – einer Umbenennung der Stichstraße in „An der Weidenkirche“ zu. Hintergrund ist die Anlage des neuen Wohnviertels „Vitalquartier an der Seelhorst“ zwischen Wülfeler und Paderborner Straße, die mit dem Bau von Hannelore-Kunze-Straße und Günter-Porsiel-Straße einhergeht.

Ein tonnenschwerer Findling bildet den Altar. Quelle: Michael Zgoll

Wie es in der Drucksache der Verwaltung heißt, werden Annastift und Schule wegen der neuen Straßenanlagen „abgehängt“. Eine Beibehaltung der bisherigen Adressen sei deshalb nicht mehr möglich, die eigenständige Benennung des von der Hannelore-Kunze-Straße nach Norden abzweigenden Erschließungsweges notwendig. Die dortigen Einrichtungen bräuchten eine eindeutige Adresszuordnung, die ein schnelles Auffinden insbesondere in Notsituationen ermögliche.

Nachdem der Bezirksrat im August 2018 zugestimmt hatte, ein Benennungsverfahren einzuleiten, schrieb die Verwaltung 137 Institutionen sowie Einzelpersonen an und bat um Stellungnahmen. Die Resonanz war spärlich: In einer Antwort wurde die Umbenennung begrüßt, ein zweiter Adressat gab Anregungen zur Vergabe der Hausnummern. Auf dieser Grundlage schlug die Verwaltung den Namen „An der Weidenkirche“ nun endgültig vor.

Auf dieser Trasse wird die Hannelore-Kunze-Straße in das Vitalquartier hineinführen. Quelle: Michael Zgoll

Der Straßenname bezieht sich auf ein real existierendes Bauwerk. Vor neun Jahren wurde aus rund 3000 Weidenruten ein kreisrundes Kirchenschiff mit einem Durchmesser von 18 Metern in den Boden gepflanzt, 300 ehrenamtliche Helfer packten mit an. „Ich bin mir nicht ganz sicher, ob es eine Kirche wird, die eine Pflanze ist, oder eine Pflanze, die eine Kirche ist", hatte Utz Wewel, der damalige Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Diakonische Dienste, beim ersten Spatenstich im Mai 2010 gesagt. Das kreisrunde Bauwerk wurde aus zwölf Weidenbögen mit einer Höhe von fünf Metern errichtet, die wiederum von zwölf kleineren Bögen gesäumt werden. Darüber befindet sich ein Edelstahlkreuz inmitten einer Krone aus Halbrundbögen; dieses Kreuz dient auch als Blitzableiter. Die Bodenplatte besteht aus knapp 13.000 Ziegelsteinen, in denen das stilisierte Zeichen der Diakonie zu erkennen ist.

2011 wurde im Rahmen eines festlichen Gottesdienstes auf dem 300 Quadratmeter großen Areal ein Findling aus rotem Granit als Altar eingeweiht. „Himmel und Erde kommen in dieser Kirche so natürlich zusammen wie nur an wenigen Orten“, erklärte der hannoversche Landesbischof Ralf Meister zu diesem Anlass. Der zehn Meter hohe Bau mit dem grünen Dach wurde damals offiziell „Annakirche“ getauft, doch weiter verbreitet ist der Name Weidenkirche. 2016 entpuppte sich die Freiluftkirche als „Highlight“ ganz eigener Art: Zur Adventszeit wurde die Kuppel aus Pflanzenmaterial erstmals mit 1000 Lämpchen ausstaffiert.

Von Michael Zgoll