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Aus der Stadt Mr. Dax erklärt die Welt der Börse
Hannover Aus der Stadt Mr. Dax erklärt die Welt der Börse
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00:18 30.04.2019
„Gier frisst Hirn!“: Dirk Müller in der Swiss Life Hall. Quelle: Villegas
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Hannover

An seinen ersten Tag auf dem Frankfurter Parkett kann er sich noch genau erinnern. „Ich hatte eine Gänsehaut“, sagt Dirk Müller. Er hatte gerade eine Lehre bei der Deutschen Bank in Mannheim gemacht, und er hatte sich extra rote Hosenträger gekauft, wie die Börsencracks in Hollywood-Filmen. „Die haben mich angeguckt, als käme ich vom Mars“, sagt der 50-Jährige.

Inzwischen firmiert Müller als Deutschlands bekanntester Börsenmakler, seine Bücher wie „Cashkurs“ sind Bestseller – und für die Bühne hat er die Hosenträger jetzt wieder vom Dachboden geholt. Hannover ist die erste Station seiner ersten großen Tour. Vor rund 800 Besuchern macht er in der Swiss Life Hall Infotainment in Sachen Aktien. Wenn Wirtschaft vor allem Psychologie und Performance ist, dann ist es nur konsequent, eine Performance zur Wirtschaft zu machen.

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Anekdoten vom Parkett

Müller erzählt Anekdoten vom Parkett, lässt Szenen aus Filmklassikern wie „Wallstreet“ einspielen. Dazu zucken Scheinwerferlichter, und er reißt Witze, die mal mehr, mal weniger zünden: „Im Rentenhandel geht es nicht um gebrauchte 70-Jährige, sondern um Staatsanleihen.“ Gut, dass das mal ein Experte klargestellt hat.

„Die Börse ist ein ganz anderer Ort als die Bank, da passieren die verrücktesten Geschichten“, sagt er. Die wichtigste Grundregel sei, dass es in der Welt der Börse zwei Kontinente gebe: Kurzfristige Spekulation und langfristige Geldanlage. „Das muss man streng voneinander trennen.“ Er selbst gibt sich da eher bodenständig-seriös: „Gier frisst Hirn“ ist einer der eingängigen Sätze, die er an diesem Abend sagt. „Wer ins Casino geht, muss bereit sein zu verlieren!“ lautet ein anderer.

Lange hatte Müller seinen Arbeitsplatz unter der Anzeigentafel der Daxcharts an der Frankfurter Börse. Fotografen entdeckten seine Gesichtszüge irgendwann als eine Art Spiegelbild des Marktes – und Müller wurde als Orakel des Finanzwesens berühmt. Er wurde „Mr. Dax“. Auf der Bühne wirkt er wie eine Mischung aus Entertainer und Versicherungsvertreter, der versucht, aus Kleinsparern Finanzgenies zu machen. „Fakten spielen überhaupt keine Rolle, es geht um Emotion und darum, was die anderen Spieler am Tisch tun“, sagt er.

Müller versteht es, Kompliziertes einfach erscheinen zu lassen. Was es mit Optionsscheinen und Zertifikaten auf sich hat, erklärt er so simpel, dass es auch Menschen verstehen können, die Dow Jones für einen Countrysänger halten. Und er rät, gerade in Zeiten von Krisen und Crashs Chancen für Investitionen zu sehen. „Wenn’s Gold regnet, solltet ihr die Eimer rausstellen.“ Da widerspricht ihm in der Swiss Life Hall niemand.

Von Simon Benne