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Hannover-Mühlenberg: Bonhoeffer-Kirchengemeinde Mühlenberg bekommt neuen Radleuchter

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18:00 16.05.2019
Pastor Holger Hannemann und Gemeindesekretärin Brigitte Hurtzig freuen sich über den beeindruckenden Leuchter, der nun im Kirchsaal unter der Decke seinen Platz gefunden hat. Quelle: Fotos: Marcel Schwarzenberger (2)
Mühlenberg

Beinahe 40 Jahre nach seiner Eröffnung hat das ökumenische Kirchencentrum Mühlenberg nun im wahrsten Wortsinn einen besonderen künstlerischen Höhepunkt: Im Kirchsaal der evangelischen Bonhoeffer-Gemeinde prangt erstmals ein Radleuchter unter dem Dach. Groß und rund wie bei den mittelalterlichen Vorbildern – und doch so modern wie die Ideen des Namenspatrons der Kirchengemeinde. Dietrich Bonhoeffer war ein Nazifeind, christlicher Theologe und ein großer Freund der Idee, dass die Kirche sich mitten in der diesseitigen Welt befindet und nicht abgeschottet existiert. Ihm haben die Mühlenberger nun ein buchstäblich leuchtendes Denkmal gesetzt.

Installiert wurde der beeindruckende Radleuchter passenderweise kurz vor dem 8. Mai, dem Jahrestag der Befreiung von Krieg und Faschismus in Deutschland. Dieser Geist ist in ganz Mühlenberg präsent – etwa mit seinen Straßenzügen, die an Antifaschisten erinnern. Das Foyer des Kirchenzentrums birgt zudem Erinnerungsstücke aus dem Konzentrationslager Auschwitz, und Bonhoeffers Worte inspirieren auch die Kirchengemeinde immer wieder neu.

Elf Texttafeln mit Zitaten

Das gilt auch für die Gestaltung des Radleuchters. Elf Texttafeln bilden das große Rund, das einen Durchmesser von 2,50 Meter hat. Goldfarben glänzt das Innere; mit Lasertechnik geschaffene Schriftzüge geben Texte von Bonhoeffer wieder. Zum Beispiel diesen: „Die Kirche muss an den weltlichen Aufgaben des menschlichen Gemeinschaftslebens teilnehmen. Nicht herrschend, sondern helfend und dienend.“

Aussagen wie diese hat Pastor Holger Hannemann unter anderem mit Oberschülern der benachbarten Leonore-Goldschmidt-Schule ausgesucht. Seit jeher betreut Hannemann den Religionsunterricht an der Integrierten Gesamtschule (IGS) Mühlenberg. „Wir wollten einen markanten Punkt setzen – und die Worte Bonhoeffers passen zu Mühlenberg“, sagt der Pastor.

Pastor Holger Hannemann und Gemeindesekretärin Brigitte Hurtzig mit dem neuen Radleuchter. Quelle: Marcel Schwarzenberger

1982 eröffnete das Kirchencentrum. Fest stand schon damals, dass neben der Bonhoeffer-Gemeinde auch die katholische Gemeinde Maximilian Kolbe das Haus beziehen würde. Gedacht war das doppelte Gotteshaus ursprünglich für ein Mühlenberg mit bis zu 50 000 Bewohnern. So groß wurde der seit den Siebzigerjahren erbaute Stadtteil aber nie. Heute leben rund 7000 Menschen dort. Das Kirchencentrum wirkt an manchen Stellen denn auch wie ein etwas zu groß geratener Anzug. So blieb auch im evangelischen Kirchsaal zwischen Dachkonstruktion und Beleuchtung eine große Lücke. Die habe man nun mit dem Radleuchter geschlossen, berichtet Hannemann.

Mehrere Jahre lang sammelte die Gemeinde Spenden – unter anderem mit einem jährlichen Gänseessen – und begeisterte gut 100 Mitglieder von der Idee, weiter in das Kirchencentrum zu investieren. Von dem Geld wurde zunächst ein Gartenhaus für die Jugend angeschafft. Dann investierten die Gemeindemitglieder gut 6000 Euro in den Radleuchter.

Gestaltet hat ihn der Hildesheimer Designer Peter Schmitz. Hunderte LED-Lampen tauchen den Kirchsaal nun in ein warmes Licht. Der Leuchter erinnert zusammen mit weiteren Kunstwerken an den Menschen Dietrich Bonhoeffer – und macht so das Gotteshaus auch zu einem Ort für Besucher, die nicht in der Kirche sind. „Viele kommen wegen des Leuchters zu uns“, sagt Pastor Hannemann.

Wahrzeichen in Wartestellung

Aber es gibt noch viel zu tun. Nach wie vor wartet das 2001 installierte Expo-Kreuz am ökumenischen Kirchencentrum auf eine Sanierung. Glasplatten und Beleuchtung müssen dringend modernisiert werden. Denn schon seit einigen Jahren leuchtet das Wahrzeichen des Mühlenbergs nicht mehr. Im vorigen Jahr wurden die Kosten für eine umfassende Reparatur auf rund 200 000 Euro geschätzt. Ein frisch gegründeter Arbeitskreis der beiden Kirchengemeinden arbeitet nun an einem Finanzierungskonzept und stützt sich auch dabei vor allem auf Spenden.

Ob und wie die Stadt Hannover, das Sanierungsprogramm Soziale Stadt Mühlenberg, die evangelische Kirche oder das Bistum Hildesheim sowie Sponsoren sich finanziell an dem Projekt beteiligen werden, will der Arbeitskreis in Gesprächen klären. Fest steht: Ein Abriss des Turms könnte bis zu 150 000 Euro kosten – und die Gemeinden setzen gemeinsam lieber auf den Erhalt.

Von Marcel Schwarzenberger

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