Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt 400 Gäste wollen bei Bumke-Gelände mitreden
Hannover Aus der Stadt 400 Gäste wollen bei Bumke-Gelände mitreden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:21 29.03.2019
In der Christuskirche bleiben nur wenige Plätze frei. Vorn im Bild spricht Bezirksbürgermeisterin Edeltraut Geschke. Quelle: Fotos: Tim Schaarschmidt
Nordstadt

„Zukunft E-Damm 5+9“ haben die Initiatoren das Verfahren genannt, mit dem sich Bürger an den Planungen zur Zukunft des Bumke-Geländes beteiligen können. Die Ziffern stehen für die Hausnummern des Areals am Engelbosteler Damm in der Nähe der Christuskirche. In dem Gotteshaus ging auch die Auftaktveranstaltung über die Bühne, und zwar im zweiten Anlauf. Beim ersten Versuch in der Bürgerschule war der Andrang zu groß für die Räumlichkeiten gewesen. Auch in der Kirche blieben nur wenige Plätze frei, knapp 400 Besucher waren gekommen.

Helmut Kummer, Geschäftsführer von Theo Gerlach-Wohnungsbau, steht Rede und Antwort. Quelle: Tim Schaarschmidt

„Wir wollen die Chance nutzen, mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen“, sagte Helmut Kummer, Geschäftsführer von Theo Gerlach-Wohnungsbau. Das hannoversche Traditionsunternehmen hatte das 8200 Quadratmeter große Areal Ende 2017 vom Elektro-, Heizungs- und Sanitärgroßhandel Hermann Albert Bumke gekauft, der wegen der beengten Verhältnisse und der nicht mehr zeitgemäßen Gewerbebauten spätestens im kommenden Jahr umziehen will.

„Lasst uns einander zuhören“

Der Wandel bewegt die Nordstädter, seit er bekannt wurde. Einige treibt die Sorge vor Mietsteigerungen und Verdrängung im Viertel an, andere wollen bei der Gestaltung des Areals mitreden, vielen geht es um beides. Bezirksbürgermeisterin Edeltraut Geschke lobte die Firma Gerlach für die Dialogbereitschaft. „Geben Sie dem Prozess eine ehrliche und faire Chance. Lasst uns einander zuhören und Ernst nehmen“, forderte sie die Beteiligten auf.

Der Auftakt der Veranstaltung gestaltete sich allerdings zählebig, obwohl Moderator Klaus Overmeyer vom Berliner Büro Urban Catalyst – er hat diese Rolle auch bei der Bürgerbeteiligung zum Steintor inne – sich bemühte, die Debatten ins Thematische zu lenken. Der Grund: Einige Anwesende zweifelten mehr oder minder offen an der Ernsthaftigkeit des Beteiligungsverfahrens. „Interessen von Investoren haben sich mit meinen nie überschnitten. Welchen Einfluss haben wir tatsächlich?“, fragte eine Frau.

Argwohn hat besonders ein zwischenzeitlich gebildeter Arbeitskreis erregt, dem Mitglieder des Bezirksrates, des Unternehmens und von Verbänden angehören. Obwohl Geschke mehrfach beteuerte, die Runde habe sich bisher nur einmal zu einer Besichtigung des Geländes getroffen, äußerten Zuhörer Kungelverdacht. „Es ist kein Strich gezeichnet. Der Arbeitskreis ist kein Entscheidergremium. Das macht am Ende der Rat“, beteuerte Baudezernent Uwe Bodemann. Tanja Beck von der Initiative Bumke selber machen forderte, den Arbeitskreis zu vergrößern. „Die Werkstattschule sollte dabei sein, die Wohnungsbaugenossenschaft Woge und das Unabhängige Jugendzentrum Kornstraße“, nannte sie Beispiele.

„Tolle urbane Wohnlage“

Mit Verzögerung konnte Moderator Overmeyer dann doch noch zur inhaltlichen Arbeit überleiten – zur Frage also, was man mit der laut Gerlach-Geschäftsführer Kummer „tollen urbanen Wohnlage“ anfängt. Klare Vorstellungen hat da die Initiative Bumke selber machen: Dauerhaft preiswerten Mietwohnraum, vielfältige Wohnfromen, gemeinnütziges Wohnen, nichtkommerzielle Räume und Flächen für Begegnung und Kommunikation.

Besucher inspizieren die Lagepläne des Bumke-Geländes. Quelle: Tim Schaarschmidt

Viele Anwesende wünschten sich ein offenes, dem Viertel zugewandtes Wohngebiet mit sozialen und kulturellen Einrichtungen, Kneipen und Läden. Verpönt ist dagegen die Vorstellung, dort könne ein wie auch immer geartetes Luxus-Quartier entstehen.

„Wir werden nicht jeden Wunsch erfüllen können“, sagte Kummer. Wie viele genau, wird sich im weiteren Verlauf zeigen. Geplant sind weitere Beteiligungsveranstaltungen. In der zweiten Jahreshälfte sollen Architekten tätig werden, gegen Ende des Jahres soll ein tragfähiges Umsetzungskonzept stehen.

Kommentar: Mistrauen hilft nicht weiter

Als sich die Diskussionen in der Christuskirche um die Zukunft des Bumke-Geländes schon einige Zeit hingezogen hatten, fragte eine Besucherin, wie viel Bürgerbeteiligung möglich sei. Die Antwort: sicherlich nicht das von einigen offen eingeforderte Maximum, den gesamten Prozess mitzubestimmen. Das ginge nur, wenn kein Unternehmen das Gelände gekauft hätte, sondern ein Mäzen.

In der Nordstadt läuft eine Bürgerbeteiligung, kein Bürgerentscheid. Am Ende bestimmt der Rat über das, was passiert, dafür sind die Politiker gewählt worden. Und die Firma Gerlach hat ein wirtschaftliches Interesse, was bedeutet, dass sie mit dem Bumke-Gelände schwarze Zahlen schreiben will. Das ist ihr gutes Recht.

Es gibt in Hannover wie in allen Großstädten Luxussanierungen mit Mietsteigerungen und Verdrängungseffekten. Natürlich wissen das die Nordstädter, weshalb sie sehr genau hinschauen, was in ihrem Quartier passiert. Auch Gerlach ist sich dessen bewusst. Mit der Bürgerbeteiligung hat die Firma ein Angebot gemacht, das von einem Investoren mit dem einzigen Ziel der Gewinnmaximierung in dieser Form gar nicht erst gekommen wäre. Zu unterstellen, es sei eine Alibiveranstaltung, wird der Sache nicht gerecht. Wäre es eine, ließe sich das leicht entlarven, und der Ruf der Firma nähme Schaden.

Man darf der weiteren Entwicklung auf dem Firmenareal reserviert gegenüber stehen; Jubelzwang herrscht nicht. Misstrauen nach dem Motto „die machen ja ohnehin, was sie wollen“ hilft aber auch keinem. Eine Bürgerbeteiligung funktioniert dann, wenn die Beteiligten einander vertrauen, einander zuhören und unterschiedliche Befindlichkeiten respektieren. Alles andere kostet Nerven und führt zu nichts als Enttäuschungen.

Von Bernd Haase

Am Montag ist der Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt, Michael Roth, beim HAZ-Forum zu Gast. Es geht um Brexit, Leistungsschutzrecht und die Europawahl am 26. Mai.

26.03.2019

Zwei mit einem Messer und einer Schusswaffe bewaffnete Männer haben am Sonntagabend in Vahrenwald versucht, einen 30-Jährige auszurauben. Das Opfer konnte sich allerdings losreißen und und zur Stadtbahnhaltestelle Vahrenwalder Platz flüchten.

26.03.2019

Weniger ist mehr: Eine Woche lang haben sich 24 Neunt- und Zehntklässler der Gotheschule mit Austauschpartnern aus Frankreich, Spanien und Tschechien mit Minimalismus befasst – auch um die Welt besser zu machen.

04.04.2019