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Aus der Stadt Alle schauen weg: Nur zwei Bundeswehr-Soldaten helfen bei Unfall auf der A2
Hannover Aus der Stadt Alle schauen weg: Nur zwei Bundeswehr-Soldaten helfen bei Unfall auf der A2
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00:15 03.05.2019
Die Soldaten Danny René S. (l.) und Lucien B. sahen den Unfall auf der A 2, als sie zum Dienst in die Hauptfeldwebel-Lagenstein-Kaserne fuhren. Quelle: Christian Elsner
Hannover

Helfen ist für sie selbstverständlich: Oberstabsgefreiter Danny René S. (30) und Stabsunteroffizier Lucien B. (28) haben sofort gehandelt, als sie am Montagmorgen einen Unfall auf der Autobahn 2 bemerkt hatten. „Es flogen Trümmer durch die Gegend und überall war Qualm“, sagt S., der wie sein Kamerad in der Hauptfeldwebel-Lagenstein-Kaserne stationiert ist. Beide waren gegen 6 Uhr auf dem Weg zum Dienst, als drei Fahrzeuge zusammenstießen. „Wir sind alle als Ersthelfer ausgebildet, deshalb bin ich sofort hin“, sagt der 30-Jährige. Was den Soldaten aber zutiefst erschütterte: Niemand sonst schien sich für die Karambolage zu interessieren.

Obwohl die Trümmerteile über zwei der drei Fahrspuren verteilt lagen, stoppte niemand, um zu helfen. Quelle: privat

Der Oberstabsgefreite fuhr gerade an der Anschlussstelle Langenhagen ab, als der Unfall passierte. Geistesgegenwärtig stellte der 30-Jährige seinen Wagen am Rand ab, sprang über die Leitplanke und leistete spontan Erste Hilfe. Sofort lief der Soldat zum ersten Unfallwagen und zog den Fahrer aus dem Inneren. „Die anderen beiden Fahrzeuge standen etwa 50 Meter weiter, dort stiegen schon alle aus eigener Kraft aus“, sagt der 30-Jährige. Das Trümmerfeld erstreckte sich über die rechte und mittlere Fahrbahn, lediglich auf der linken konnte der Verkehr weiterfließen – und tat es auch unbeeindruckt, wenn auch nur langsam.

Soldat stoppt Auto auf dritter Spur

„Nicht einmal die Lkw-Fahrer haben angehalten“, berichtet S., „die Trümmerteile knackten jedes Mal laut, wenn einer der Reifen darüberrollte.“ Trotz Regenwetters und dunkler Flecktarnuniform lief der 30-Jährige zur dritten Fahrspur und stoppte einen Wagen. „Ich habe den Mann aufgefordert, den Notruf zu wählen“, sagt der 30-Jährige. Direkt danach lief er zurück zum Verletzten. „Ich wusste ja nicht, wie es ihm geht.“ S. sicherte die Unfallstelle ab, plötzlich stand Lucien B. neben ihm. „Vermutlich hat er die Uniform gesehen“, sagt S. mit einem Lächeln. Auch der 28-Jährige war auf dem Weg zur Kaserne.

Lange Minuten vergingen, in denen sie allein auf der dreispurigen A 2 standen. Lediglich eine Autofahrerin fragte in der Zeit kurz, ob sie helfen könne. Die größte Sorge des 30-Jährigen: „Hoffentlich schlägt jetzt kein Lastwagen ein“, sagt er. Nach etwa 15 Minuten tauchten die ersten Blaulichter auf, die Autobahnpolizei rückte an. Bei S. und B. wich die Anspannung, die Unfallstelle lag jetzt in der Zuständigkeit der richtig ausgestatteten Einsatzkräfte.

Nicht immer nur an sich denken

Nachmittags kann Danny René S. gar nicht richtig sagen, wieso er einfach so auf die Autobahn lief. „Vielleicht sind wir als Soldaten so trainiert, dass wir in solchen Momenten einfach nur funktionieren“, sagt der 30-Jährige. Die Erste-Hilfe-Ausbildung müssen sie jährlich absolvieren. Der Unfall selbst sei laut Polizei glücklicherweise glimpflich ausgegangen. „Es sah schlimmer aus als es letztlich war“, sagt eine Sprecherin. Nur eine Person wurde leicht verletzt, der Rest war Blechschaden. S. beruhigt die Nachricht: „Ich hatte mit Schlimmerem gerechnet.“

Vergessen wird der Oberstabsgefreite allerdings nicht die Gleichgültigkeit der anderen Autofahrer. „In solchen Situationen muss man anhalten und helfen“, sagt er. Und wenn es nur das Absetzen eines Notrufs sei. „Die Menschen müssen aufhören, immer nur noch an sich zu denken.“

Von Peer Hellerling

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