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Aus der Stadt Obdachloser tot an Marktkirche aufgefunden
Hannover Aus der Stadt Obdachloser tot an Marktkirche aufgefunden
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18:35 08.02.2019
Der Tote lag an der Außenmauer der Marktkirche.
Der Tote lag an der Außenmauer der Marktkirche. Quelle: Christian Elsner
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Hannover

Ein obdachloser Mann ist am Freitagmorgen tot an der Außenmauer der Marktkirche in der Innenstadt entdeckt worden. Nach Informationen der HAZ verständigte eine Anwohnerin am Freitagmorgen den Notarzt, nachdem sie den leblosen Mann gegen 8.40 Uhr am Seiteneingang der Marktkirche entdeckt hatte. Dieser konnte nur noch den Tod des Mannes feststellen.

Wie der 64-jährige Deutsche ums Leben gekommen ist, ist derzeit unklar. Hinweise auf ein Gewaltverbrechen gibt es derzeit nicht. Ob der Mann möglicherweise erfroren ist oder an einer Vorerkrankung gelitten hat, dazu äußert sich die Polizei derzeit nicht. Unklar ist auch, ob der Tote im Lauf des Tages von Rechtsmedizinern obduziert wird. Die Ermittlungen dauern an.

Marktkirchenpastorin bot Obdachlosen Hilfe an

„Wir sind erschüttert und traurig“, sagt Marktkirchenpastorin Hanna Kreisel-Liebermann. Der Mann habe sich seit mehreren Tagen in der Nähe der Kirche aufgehalten. Am Dienstag habe die Küsterin schon einmal einen Notarzt gerufen, da der Obdachlose nicht auf Ansprache reagierte. Der Mann habe aber jede Hilfe abgelehnt. „Immer wieder haben wir ihn angesprochen“, sagt Kreisel-Liebermann. Sie selbst habe ihm noch am Donnerstag gegen 17 Uhr angeboten, in die Kirche zu kommen und gefragt, ob er Hilfe brauche. Er habe jedoch mit Lauten zu verstehen gegeben, dass er das Angebot ablehne.

An der Außenmauer der Marktkirche ist am Freitagmorgen der leblose Körper eines 65-jährigen Deutschen gefunden worden. Nach Angaben der Polizei handelt es sich bei dem Toten um einen Obdachlosen.

Die Ratsfraktion der Linken fordert nach dem Tod des 64-Jährigen „wirksame Maßnahmen gegen die Obdachlosigkeit“ in der Stadt. „Es ist jetzt nach diesem traurigen Vorkommnis an der Zeit, niedrigschwellige Wohnprojekte wie ,Housing-First’ schnellstens zu starten“, sagt der sozialpolitische Sprecher Veli Yildirim. Nur so könne Obdachlosen in der Kälteperiode „effektiv und umgehend“ ein schützendes Dach über dem Kopf geboten werden. Außerdem sei laut Yildirim der seitens der Linken geforderte zweite Kältebus „längst überfällig“.

Erster Kältetoter Mitte Januar

Ende Januar, als die Temperaturen in den Nächten regelmäßig deutlich unter dem Gefrierpunkt lagen, hatte die Marktkirche an Wochenenden einen Saal in dem Gebäude Obdachlosen zum Übernachten zur Verfügung gestellt. Mitte Januar hatten Passanten einen 54-Jährigen mit Unterkühlungen am Kröpcke entdeckt und Hilfe geholt. Wie die Polizei später mitteilte, erlag der Mann in einem Krankenhaus seinen Erfrierungen. Er gilt als der erste Kältetote in diesem Jahr. Der Mann war in der Szene unter dem Namen Tommi bekannt.

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