Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Schule und Hort: Die große Fusion in Hannovers Westen
Hannover Aus der Stadt Schule und Hort: Die große Fusion in Hannovers Westen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:00 09.03.2019
Horterzieherinnen auf Abruf (von links): Aleksandra Krogmann, Fatemeh Dünte, Martina Gerstenberger und Nicole Brandes-Kavazovic bilden das Team der AWO an der Munzeler Straße. Quelle: Marcel Schwarzenberger
Oberricklingen

Die Stadt plant langfristig die Abschaffung der Schulhorte zugunsten der Ganztagsschulen. Und dieser Prozess schafft manchmal seltsame Momente im Berufsalltag von Hortleiterin Martina Gerstenberger und ihrer vier Mitarbeiterinnen. Das Team der Arbeiterwohlfahrt (AWO) betreut Grundschüler der Wilhelm-Busch-Schule im Hort Munzeler Straße. Zuhause diskutieren viele Eltern über den städtischen Plan, den Hort auf dem Schulgelände mittelfristig mit dem offenen Ganztagsbereich zusammenzulegen. Und manches Kind fragt die Hortmitarbeiterinnen mit großer Sorge, ob sie denn bald ihren Job verlören.

An solchen Tagen fangen auch gestandene Pädagoginnen wie Gerstenberger an zu schlucken. Denn der Verlust ihrer Arbeitsstelle ist tatsächlich vorgesehen. Das Wann und Wie sind allerdings noch offen – und auch die Eltern wollen ihren Hort nicht einfach so aufgeben. Es geht um die Frage nach Qualität in der außerschulischen Erziehung. Und es geht um viel Geld.

Hort besteht seit zehn Jahren

Den AWO-Hort gibt es seit gut zehn Jahren, er war zunächst an der Kita Levester Straße untergebracht. Weil Oberricklinger Eltern mehr Hortplätze wünschten, erweiterte die AWO ihr Angebot um eine zweite Gruppe und zog 2011 in die Wilhelm-Busch-Schule an die Munzeler Straße um. Dort betreuen Gerstenberger und ihr Team 40 Kinder. Die Grundschule eröffnete 2013 zusammen mit der evangelischen Jugendhilfe vom Stephansstift zusätzlich ein eigenes Ganztagsangebot. Die Ganztagsschule ist für Eltern kostenlos, nur das Mittagessen der Kinder müssen sie bezahlen. Der Hort ist auch über die Essenversorgung hinaus kostenpflichtig. Berufstätige Eltern zahlen dafür monatlich je nach Betreuungsdauer durchschnittlich 200 Euro.

Den im Herbst vergangenen Jahres in den Ratsgremien vorgestellten Stufenplan „Qualitätsoffensive Grundschulkinderbetreuung“ (siehe nebenstehenden Text)) nehmen die Eltern schlecht auf. „Wir fürchten, dass unser Hort geschlossen wird“, sagte Elternvertreterin Katharina Freese in der jüngsten Sitzung des Bezirksrats Ricklingen. Die Eltern wollen das nicht hinnehmen. Sie setzen auf Qualität: Der AWO-Hort arbeitet mit ausgebildeten Erziehern und Kinderpflegern, hat auch in den Ferien geöffnet hat, auf eine Betreuerstelle kommen nur acht Kinder. Die Stadt plant langfristig mit einer Quote von rechnerisch 12,5 Kindern je Betreuer. Obwohl er sie teurer kommt, wollen die Eltern darum den AWO-Hort erhalten.

Modell Hort stirbt aus

Bislang hat es noch keine Gespräche zwischen Stadtverwaltung, der Grundschule und der AWO gegeben. Klar ist nur: Irgendwann will die Stadt je Schulstandort nur noch eine Betreuungsform haben – und zwar die Ganztagsschule. Das Betreuungsmodell Hort stirbt überall dort aus, wo die Einrichtung mit in einer Schule untergebracht ist. Kitas mit Hortgruppen sind vom städtischen Stufenplan zwar nicht betroffen, in den Kindertagesstätten werden dennoch schon jetzt vereinzelt Hortgruppen aufgelöst, um mehr Raum für Kita- und vor allem für Krippenkinder zu schaffen. Für die Kleinkindbetreuung besteht hoher Bedarf an zusätzlichen Plätzen.

Auch die AWO kann ihr Hortangebot schon aus Platzgründen nicht wieder zur Levester Straße verlagern, denn die Kita dort ist ausgelastet. „Wir warten also jetzt darauf, wie die Stadt unseren Standort abwickelt“, sagt Hortleiterin Gerstenberger. Immerhin: Der aktuell gültige, dreijährige Betreuungsvertrag läuft noch bis Ende Juli 2020. Mindestens so lange wird es den AWO-Hort noch geben. „Gern würden wir auch darüber hinaus Hortkinder an der Munzeler Straße betreuen“, sagt Ingrid Kröger, AWO-Fachbereichsleiterin Tageseinrichtungen, dem Stadt-Anzeiger. Das hängt davon ab, wie die Stadtverwaltung die Fusion von Hort und Ganztag letztlich gestaltet. Die CDU immerhin hat im vergangenen Jahr dem Stufenplan eine Zusatzklausel hinzufügen lassen. Demnach soll das Hortpersonal nach einer Fusion möglichst vom Träger der Ganztagsbetreuung übernommen werden.

Der städtische Stufenplan

Die Stadt kündigt im Jahr 2015 an, sich Schritt für Schritt vom System der außerschulischen Betreuung von Grundschülern zu verabschieden. Längst haben Verwaltung und Politik Projekte angeschoben, um den von Eltern gewünschten Ausbau der Nachmittagsbetreuung voranzutreiben. Nach und und nach soll möglichst jede Grundschule in eine Ganztagsschule umgewandelt werden. Das geht einher mit Investitionen in Millionenhöhe in neue Mensen und Gebäudemodernisierungen. Zugleich ist die Zusammenführung von Hort- und Ganztagsbetreuung aber auch Teil eines Sparpakets der Stadt und soll den defizitären Haushalt über mehrere Jahre hinweg um gut 92 Millionen Euro entlasten – davon allein 10 Millionen Euro durch die Fusion von Ganztagsschulen mit Horten. Denn durch die Konzentration auf eine Betreuungsform können sowohl Personalkosten als auch Räume gespart werden.

Der im Herbst 2018 den politischen Gremien vorgelegte Stufenplan „Qualitätsoffensive Grundschulkinderbetreuung“ listet Horte, innovative Modellprojekte und schulergänzende Betreuungsangebote auf, die mit vorhandenen Ganztagsschulen zusammengelegt werden sollen. Es geht um Einrichtungen, die direkt an Schulstandorten arbeiten. In den westlichen Stadtteilen betrifft das zunächst folgende Standorte: Wilhelm-Busch-Schule (Oberricklingen), Albert-Schweitzer-Schule (Linden-Mitte), Egestorffschule (Linden-Süd), Kastanienhof (Limmer) und Gebrüder-Körting-Schule (Badenstedt). Mittelfristig kommt auch die Grundschule Mühlenberg hinzu, sobald der Neubau errichtet und damit die Voraussetzung für eine Ganztagsschule gegeben ist.

Im Oktober 2018 scheiterte die Arbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrtspflege im Jugendhilfeausschuss des Rates mit dem Antrag, den Stufenplan abzulehnen.

Bis Anfang Dezember stimmten die Ratsgremien mehrheitlich zu. Einen genauen Zeitplan zur Umsetzung gibt es noch nicht. Die Gespräche mit sämtlichen Hortbetreibern und Trägern der Ganztagsangebote stehen noch aus. mas

Von Marcel Schwarzenberger

An das Restaurant Mary’s im Luxushotel Kastens Hotel Luisenhof hatten wir hohe Erwartungen, die allerdings nur in zwei Punkten erfüllt werden konnten.

06.08.2019

Seit einem Vierteljahrhundert kümmert sich der multinationale und überkonfessionelle Verein Tolstoi Hilfs- und Kulturwerk Hannover um die Pflege und Belange der russischen Kultur.

12.03.2019

Erneut wird die Großimmobilie von einem an den anderen Finanzjongleur verkauft. Die Stadt muss zusehen, wie die Hoffnung auf Besserung langsam stirbt, meint HAZ-Redakteur Heiko Randermann.

06.04.2019