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Aus der Stadt Paten begleiten Flüchtlinge auf dem Weg in den Job
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Hannover: Paten begleiten bei Diakovere-Projekt Patent Flüchtlinge in den Job

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00:17 23.05.2019
„Wer sich selbst weit gebracht hat, versteht etwas vom Leben“: Patin Fee Rojas mit Mohammed Mohammed und der Diakovere-Projektleiterin Anna Nemati. Quelle: Katrin Kutter
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Hannover

Wer in den vergangenen Jahren in einem Krankenhaus war, der weiß, dass insbesondere Ärzte aus Osteuropa zuweilen sehr schlecht deutsch sprechen – aber trotzdem meist einen guten Job machen. Nicht selten aber verhindern mangelnde Sprachkenntnisse den Einstieg ins Berufsleben. Der junge Syrer Mohammed Mohammed etwa möchte gerne Krankenpfleger lernen, er hat die B1-Sprachprüfung geschafft und kann sich fast fließend unterhalten – doch die Sprachkenntnis reicht nicht für den Ausbildungsstart. Trotzdem geht es bei ihm voran. Denn er hat Unterstützung durch eine Patin, die ihm über ein Projekt des Diakonie-Konzerns Diakovere vermittelt wurde – es heißt Patent.

Das Patent-Projekt von Diakovere: Patin hilft Flüchtlingen

Fee Rojas heißt die Patin, die sich regelmäßig mit dem jungen Syrer trifft, der vor gut drei Jahren als Flüchtling nach Deutschland kam. Sie hatte sich Anfang 2018 gemeldet, als Diakovere mit einem Aufruf in der HAZ nach besonderen Paten suchte. Patent wolle sich von vielen ähnlichen Projekten abheben, in denen sich Einheimische um Zugewanderte kümmern, sagt Projektbetreuerin Anna Nemati. „Wir nehmen nur Flüchtlinge, die sich wirklich Mühe geben – und wir suchen nur Paten, die eine breit aufgestellte Berufserfahrung mitbringen“, sagt Nemati: „Wer es selbst beruflich weit gebracht hat, der versteht in der Regel etwas vom Leben.“

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Rojas ist Psychotherapeutin, hat lange Zeit beim Babyklappennetzwerk Mirjam gearbeitet. Beim Diakovere-Projekt Patent hat sie fasziniert, dass die Zusammenarbeit „sehr zielgerichtet“ laufe. Zimperlich geht sie nicht mit ihren Schützlingen um. „Am schlimmsten ist die nicht ausreichende Motivation und zuweilen Unzuverlässigkeit bei Flüchtlingen“, sagt sie frei heraus: „Aber ich weiß natürlich, dass dahinter oft andere Probleme stecken, etwa die familiäre Situation, Wohnungsmangel, Perspektivlosigkeit oder Geldnot.“

Ihr Patenkind Mohammed, das in Syrien Betriebswirtschaft studiert hat, absolviert derzeit ein Freiwilliges Soziales Jahr im Vinzenzstift. Mit Menschen zu arbeiten mache ihm großen Spaß, sagt er. Weil seine Sprachkenntnis offiziell noch nicht ausreicht für den Start einer Ausbildung, will er anschließend einen weiteren Sprachkurs belegen – doch Rojas ist resolut anderer Meinung. „Bewirbt dich bei allen Krankenhäusern“, drängt sie. Der Mangel an Pflegekräften sei so groß, dass er vielleicht eine Chance habe – auch wenn die formalen Voraussetzungen nicht vollständig sind.

Neun Paten kümmern sich um 22 junge Flüchtlinge

Genau solche Interventionen erwarte man von den Paten, sagt Projektbetreuerin Nemati. 30 hätten sich anfangs gemeldet, mit elf sei man schließlich gestartet, jetzt seien noch neun aktiv, die teils zwei oder mehr Flüchtlinge betreuten. Die Berufe der Paten seien höchst unterschiedlich: Von einem Projektmanager bei Exxon-Mobil über den Geschäftsführer einer Werbeagentur bis hin zu einem ehemaligen Ministeriumsmitarbeiter. Insgesamt seien derzeit 22 Nachwuchskräfte im Projekt. „Die Nachfrage ist aber groß“, sagt Nemati: „Wir würden gerne wieder neue Paten aufnehmen.“

Wollen Sie Pate werden? Wer Interesse hat, kann sich bei ihr im Diakovere-Bildungs- und Eingliederungszentrum melden unter Telefon (05 11) 2609387-270 oder unter anna.nemati@dikovere.de per E-Mail.

Von Conrad von Meding

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