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Aus der Stadt Sie kümmern sich: Ehrenamtliche aus Hannover mit Leinestern geehrt
Hannover Aus der Stadt

Hannover: Preis fürs Ehrenamt - elf Initiativen mit Leinestern geehrt

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13:26 27.09.2021
Ausgezeichnet: Jochen Ramakers, Jasmin Friedberg, Jürgen Gundlach (hinten), Manfred Günther, Belit Onay, Nicola Jahnke-Sieche und Almut Maldfeld vom Freiwilligenzentrum im Maharadscha-Palast.
Ausgezeichnet: Jochen Ramakers, Jasmin Friedberg, Jürgen Gundlach (hinten), Manfred Günther, Belit Onay, Nicola Jahnke-Sieche und Almut Maldfeld vom Freiwilligenzentrum im Maharadscha-Palast. Quelle: Nancy Heusel
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Hannover

Sie kümmern sich, wo sich sonst oft keiner kümmert. Sie sind das Rückgrat der Zivilgesellschaft; jener Kitt, der die Stadt zusammenhält. Und doch stehen sie selten im Rampenlicht. Am Sonnabend jedoch bekamen die Helferinnen und Helfer von elf Initiativen eine große Bühne und reichlich Applaus: Bei einer Gala vor 180 Gästen im Maharadscha-Palast des Zoos wurden sie mit dem Leinestern ausgezeichnet, der als „Oscar des Ehrenamts“ gilt, wie Oberbürgermeister Belit Onay sagt.

Festliche Gala: Rund 180 Menschen feierten die Leinestern-Verleihung im Maharadscha-Palast im Zoo. Quelle: Nancy Heusel

Rund 150.000 Menschen in Hannover engagieren sich unentgeltlich für andere. „Das Ehrenamt ist eine wichtige Säule unserer Lebenskultur“, sagt Jürgen Gundlach, Chef des Freiwilligenzentrums, das seit 2009 alle zwei Jahre Engagierte mit dem Leinestern ehrt. „Ihre Arbeit ist unverzichtbar“, erklärte auch Jochen Ramakers, Chef der Stiftung Sparda Bank. Diese sponserte die Ehrung, bei der Geldpreise im Wert von insgesamt 10.000 Euro vergeben wurden.

Mit dem Leinestern geehrt: Jasmin Friedberg, Manfred Günther und Nicola Jahnke-Sieche (v.l.) erhielten die ersten Preise in ihren jeweiligen Kategorien. Quelle: Nancy Heusel

Ehrung für junge Projekte

Bei einer Abstimmung hatten rund 2500 HAZ-Leserinnen und -Leser über die Preisträger entschieden. Zum ersten Mal wurden Engagierte in der Kategorie „Junges Ehrenamt“ ausgezeichnet. HAZ-Redakteur Jan Sedelies bat dazu Sabrina Ricottone vom Jugendrotkreuz auf die Bühne, das in der Corona-Krise unter anderem Kinderfreizeiten organisiert hatte. Ausgezeichnet wurden auch Sara Röttger von der Refugee Law Clinik, die Flüchtlinge juristisch berät, und Tchadarou Abdoul von der AG Jugend im „Wir 2.0 Prozess“ der Landeshauptstadt, bei dem Hannover für die Herausforderungen als Einwanderungsstadt fit gemacht werden soll.

Kategorie Soziales

Leinestern-Preisträgerin: Nicola Jahnke-Sieche engagiert sich mit dem Verein Pinke Zitronen für Frauen mit Brustkrebs-Diagnose. Quelle: Nancy Heusel

In der Kategorie Soziales zeichnete Udo Niedergerke, der sich selbst für Obdachlose einsetzt, Nicola Jahnke-Sieche mit dem ersten Preis aus. Die 48-Jährige gründete 2017 den Selbsthilfeverein „Pinke Zitronen“ für Frauen, die mit der Diagnose Brustkrebs konfrontiert sind. Auch sie selbst gehörte einst dazu: „Die Welt stand von einem auf den anderen Tag still“, sagte sie in einem eingespielten Film. Besonders der Austausch mit anderen Betroffenen habe ihr gefehlt. Die Pinken Zitronen wollen erkrankten Frauen „Glücksmomente schaffen“, sagte Jahnke-Sieche, „und wir wollen das Thema enttabuisieren.“

Geehrt wurde auchSandra Lüke vom Bollerwagencafé, das seit 2015 Menschen versorgt, die auf der Straße leben. Ebenso wurde Maryam Mohammadi ausgezeichnet, die selbst aus Afghanistan flüchten musste und sich heute für Frauen engagiert, die mit Sprachbarrieren und Gesundheitsfürsorge Probleme haben.

Kategorie Kunst und Kultur

Ausgezeichnet: Manfred Günther gründete den Verein „Klassik in der Klinik“. Quelle: Nancy Heusel

Vor 12 Jahren gründete der Kontrabassist Manfred Günther den Verein Klassik in der Klinik, der den ersten Preis in der Kategorie Kunst und Kultur erhielt. Er organisiert bis zu 160 Konzerte jährlich in sozialen Einrichtungen – und schafft so zugleich Auftrittsmöglichkeiten für junge Musiker. „Gerade in der Corona-Zeit nehmen Menschen die Konzerte besonders intensiv wahr“, sagt der 76-Jährige.

Ausgezeichnet wurde auch Jörn-Marcussen Wulff von der Jazz-Musiker-Initiative, die während der Pandemie 40.000 Euro für Künstler sammelte. Corona habe vielen Kunstschaffenden die Lebensgrundlage entzogen, sagte er – seine Initiative konnte schon mehr als 100 Betroffene unterstützen.

Kategorie Erziehung und Bildung

Engagiert: Jasmin Friedberg sorgt dafür, dass Kinder qualifizierte Nachhilfe bekommen – und schafft so Teilhabe und Chancengleichheit. Quelle: Nancy Heusel

Im Verein Chancenwerk engagiert sich Jasmin Friedberg, junge Lehrerin an der IGS Garbsen, seit vier Jahren für die Lernförderung von Schülerinnen und Schülern. Dabei geben Studierende den Kindern Nachhilfe. „Wir zeigen, dass Lernen Spaß machen kann“, sagt die 27-Jährige, die Schüler nähmen das Angebot gerne wahr. Für ihren Einsatz erhielt Jasmin Friedberg von Oberbürgermeister Onay den ersten Preis in der Kategorie Erziehung und Bildung.

Geehrt wurde auch Seyhan Öztürk vom türkischen Elternverein. Dieser unterstützt unter anderem Kinder aus benachteiligten Familien: „Man erhält viel Herzlichkeit zurück“, sagte sie, „Eltern heulen teilweise vor Freude.“

Volker Gläntzer wurde für seinen Einsatz in der evangelischen St.-Petri-Gemeinde in Döhren ausgezeichnet. Das Gotteshaus wurde 1949 als sogenannte Notkirche wieder aufgebaut. Der Denkmalpfleger hat Hunderten von Besuchern die historische Bedeutung der Kirche nähergebracht und versucht, „die Steine zum Sprechen zu bringen“, wie er selbst sagt. An der Empore der Kirche prangt ein Spruch: „Seid Täter des Wortes“ ist dort zu lesen. Ein Motto, das in gewisser Weise viele der Geehrten zur Maxime haben.

Von Simon Benne