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Aus der Stadt In der Hannover-Straße in Changde stehen die meisten Läden leer
Hannover Aus der Stadt In der Hannover-Straße in Changde stehen die meisten Läden leer
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00:15 14.03.2019
Oberbürgermeister Stefan Schostok mit Sängerin Diana Babalola und den Bruchmeistern bei der feierlichen Eröffnung der Hannover-Straße. Quelle: privat
Hannover

Es war ein großes Fest. Mit 600 geladenen Gästen, Konfettiregen und Feuerwerk: Im Oktober 2016 hatten Bürgermeister und der örtliche Parteisekretär in der zentralchinesischen Stadt Changde die Hannover-Straße eröffnet. Hannovers Oberbürgermeister Stefan Schostok war eigens mit einer 40-köpfigen Delegation angereist, es gab deutsche Bratwurst und hannoversche Lüttje Lage.

Hannover und Changde wollen profitieren

Sowohl Changde als auch Hannover wollten von der Straße profitieren, die zu einer beliebten Einkaufsmeile, vor allem für deutsche Waren werden sollte. Die Landeshauptstadt ist auf der Suche nach neuen Märkten für Produkte und Dienstleistungen. Und die Chinesen wollten vielleicht den Boden dafür bereiten, dass ein größerer Konzern aus Niedersachsen wie VW oder Continental die Stadt in der Provinz als Produktionsstandort in Erwägung zieht.

Projekt ist offenbar gescheitert

Aber inzwischen läuft in der Hannover-Straße kaum noch etwas. Die meisten Geschäfte stehen leer, es fehlt einfach an der Kundschaft. Und von dem zunächst angeblich großen Interesse hannoverscher Geschäftsleute, sich in der Hannover-Straße zu engagieren, ist nichts mehr zu spüren. Als einziges Unternehmen aus der Landeshauptstadt sitzt dort noch die Hannoversche Kaffeemanufaktur mit einer Rösterei und einem kleinen Café. Torsten Block, der mit Geschäftspartner Lutz Käsemann in der Straße ein Restaurant namens Deutsch eröffnet hat, ist längst wieder zurück in Hannover.

Hannover-Straße ist 900 Meter lang

100 bis 300 Millionen hat das Projekt Hannover-Straße verschlungen, zu den genauen Kosten haben die Chinesen nie etwas gesagt. Zwei parallele Straßen, eine Uferpromende und eine Fußgängerzone, 900 Meter lang, waren entstanden. Inspiration kam wohl aus der hannoverschen Altstadt, der Kramerstraße und der Walderseestraße sowie vom Sprengel-Anbau und dem niederländischen Expo-Pavillon.

Jetzt sollen Chinesen Läden betreiben

Offenbar ist das geplante Konzept, in der Hannover-Straße deutsche Markenprodukte anzubieten, und das möglichst auch von deutschen Geschäftsleuten, von Anfang an nicht funktioniert. Deshalb werde die Strategie jetzt „ein bisschen geändert“, wie die Geschäftsführerin des Changde-Zentrums in Hannover, Bailan Xia, berichtet. „Wir wollen jetzt chinesische Geschäftspartner in die Straße holen“, sagt sie. Diese sollten dann sowohl chinesische als auch deutsche Produkte anbieten. Ziel sei es, die Besucherzahlen zu steigern.

„Niemand hat Herzblut für das Projekt“

Der Chef der Hannoverschen Kaffeerösterei, Andreas Berndt, hat Zweifel, dass das funktioniert. Das kleine Café, dass seine Söhne betreiben, trage sich gerade soeben selbst. Und der Kaffee aus der Rösterei in der Hannover-Straße werde in den boomenden Küstenstädte vertrieben. „Es gibt dort bei den Verantwortlichen niemanden mehr, der Herzblut für das Projekt Hannover-Straße hat“, sagt er.

Wollte Changde im Städteranking aufrücken?

Möglicherweise hängt das verlorene Interesse auch damit zusammen, dass Changde mit dem Projekt im internen chinesischen Städteranking nach oben rutschen wollte, was einen besseren Zugriff auf Fördergelder bedeutet. Nachdem das mit dem Projekt Hannover-Straße gelungen ist, könnte das Interesse an der Straße erst einmal erloschen sein.

Hannoverimpuls: Alle Läden sind in Betrieb

Im vergangenen Herbst seien sämtliche Läden in der Straße in Betrieb gewesen, sagt Hannovers Pressesprecherin Christina Merzbach. Das habe ein Mitarbeiter der Wirtschaftsfördergesellschaft Hannoverimpuls nach einem Besuch in Changde berichtet. Die Städtekooperation zwischen Hannover und Changde funktioniere weiterhin. Als Beispiel nennt die Sprecherin den Umbau Changdes zu einer Ökologischen Vorzeigestadt“ mit Know-How aus Hannover, sowie zahlreiche Austauschprogramme und Delegationsbesuche.

Von Mathias Klein

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