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Aus der Stadt Mit Menschenketten: Hannoveraner wollen Synagogen schützen
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Hannover: Religionen rufen zu Ring der Solidarität um jüdische Synagogen auf

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18:56 06.11.2019
Schon direkt nach dem Anschlag in Halle zeigte Hannover Solidarität. Am Freitag sollen die Veranstaltungen noch größer werden. Quelle: Dröse
Hannover

Eine solche Aktion hat es in Hannover noch nicht gegeben: Vertreter der Religionsgemeinschaften rufen gemeinsam dazu auf, nach dem Anschlag auf die Synagoge in Halle ein Zeichen der Solidarität mit den jüdischen Gemeinden zu setzen. Am Freitag sollen sich dazu möglichst viele Bürger vor den Synagogen Hannovers versammeln, um diesen symbolisch Schutz zu bieten. Am Vorabend des Jahrestages der Reichspogromnacht von 1938 werden bei diesem „Ring der Solidarität“ Kerzen als Zeichen des Friedens entzündet.

„Wir wollen für eine tolerante, offene und solidarische Gesellschaft einstehen“, sagt der stellvertretende Stadtsuperintendent Thomas Höflich. Er ist auch Sprecher des Rates der Religionen, in dem sich verschiedene Glaubensgemeinschaften zusammengeschlossen haben. Als der Rat sich vor zehn Jahren formierte, hätten diese sich ein Versprechen gegeben, sagt Höflich: „Wer einen von uns angreift, greift uns alle an.“

Hohe Kosten für Sicherheit

In Hannover sind für den 8. November drei „Ringe der Solidarität“ geplant: Um 15.30 Uhr beginnt die erste Solidaritätsveranstaltung am Jüdischen Zentrum Chabad Lubawitsch im Stettiner Weg 50. Es folgt die zweite an der Jüdischen Gemeinde in der Haeckelstraße um 17 Uhr. Und um 18 Uhr beginnt die Aktion vor der Liberalen Jüdischen Gemeinde in der Fuhsestraße 6.

Gemeinsames Zeichen für den Frieden: Nahid Salimi und Thomas Höflich vom Rat der Religionen, Ingrid Wettberg und Landessuperintendentin Petra Bahr (v.l.). Quelle: Michael Wallmüller

„Was in Halle geschehen ist, hat uns fassungslos gemacht“, sagt deren Vorsitzende Ingrid Wettberg. Seit dem Anschlag sei auch in ihrer Gemeinde fast täglich die Polizei präsent. Zudem habe die Gemeinde einen privaten Sicherheitsdienst engagiert. „Die Kosten für unsere Sicherheit sind sprunghaft angestiegen“, sagt sie. Es gebe Einlasskontrollen, die Fenster würden mit schusssicherer Folie ausgerüstet.

Der evangelische Sprengel Hannover unterstützt die Sicherheitsmaßnahmen von fünf jüdischen Gemeinden jetzt mit jeweils 3500 Euro. „Es geht uns um konkrete Hilfe bei einem aktuellen Problem“, sagt Landessuperintendentin Petra Bahr. Die finanzielle Unterstützung decke die Wachdienstkosten etwa eines Monats, sagt Wettberg.

Eine neue Thorarolle

Zugleich setzt die Liberale jüdische Gemeinde am Freitagabend ein Zeichen ganz eigener Art: In einem Gottesdienst nach der Solidaritätsaktion wird dort eine neue Thorarolle in die Gemeinde eingeführt. Die kostbare Schriftrolle, aus der im Gottesdienst vorgelesen wird, wurde um 1914 von der jüdischen Gemeinde in Odessa als Geschenk für den russischen Zaren geschrieben.

Die Gemeinde bekommt sie aus dem Nachlass ihres 2015 verstorbenen Mitglieds Leo Hepner, der sie einst in London erworben hatte. Die Einführung einer Thorarolle ist für jüdische Gemeinden ein epochales Ereignis – und weist in die Zukunft: „Wir zeigen damit, dass wir hierbleiben wollen“, sagt Ingrid Wettberg.

Am 9. November beginnt in der Marktkirche um 18 Uhr ein Konzert im Gedenken an die Pogromnacht. An der Gedenkstätte Rote Reihe findet am Montag, 11. November, um 12 Uhr eine Gedenkfeier statt.

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Von Simon Benne

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