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Aus der Stadt Rentner wegen Vergewaltigung verurteilt
Hannover Aus der Stadt

Hannover: Rentner befriedigt Jugendlichen und wird wegen Vergewaltigung verurteilt

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00:21 09.05.2019
Detlev M. (l.) mit seinem Anwalt Anselm Schanz am Landgericht. Quelle: Florian Petrow
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Hannover

Das Landgericht Hannover hat einen 71-Jährigen am Montag zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten wegen Vergewaltigung verurteilt, weil dieser sich 2017 in acht Fällen an einem jungen Mann vergangen hatte. Die 1. Große Jugendkammer sah es als erwiesen an, dass Detlev M. im betrunkenen Zustand mehrfach einem damals 17-Jährigen die Hose herunterzog, als dieser bei ihm auf dem Sofa schlief. Gegen dessen Willen wollte der 71-Jährige sein Opfer mit der Hand oder oral befriedigen. M. räumte die Taten vor Gericht ein, weshalb es letztlich auf eine Verständigung hinauslief.

Jogginghose in den Kniekehlen

Das Opfer, mittlerweile 19 Jahre alt, berichtete, dass er damals regelmäßig in der Wohnung des Angeklagten in Seelze zu Besuch war. Die beiden hatten sich in einem Park kennengelernt und später 71-Jährigen zusammen getrunken. „Dabei schlief ich auf dem Stuhl ein“, berichtete der 19-Jährige. „Als ich aufwachte, war meine Jogginghose bis zu den Kniekehlen heruntergezogen.“ Solche Situationen habe es immer wieder gegeben: „Aber nur, wenn wir zu zweit waren.“

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Die Staatsanwaltschaft warf dem 71-Jährigen anfangs vor, sich 2017 und 2018 insgesamt 14 Mal an seinem Opfer vergangen zu haben. Allerdings konnte sich der junge Mann jetzt nur noch zweifelsfrei an acht Taten vor zwei Jahren erinnern. Auf die Frage, warum der 19-Jährige trotzdem immer wieder zu dem Rentner gegangen sei, antwortete er: „Das war wahrscheinlich Dummheit.“ Er hatte sich 2017 sogar für eineinhalb Monate beim 71-Jährigen versteckt, weil er wegen eines offenen Haftbefehls gesucht wurde. „In der Zeit gab es immer wieder Übergriffe“, erinnerte sich der 19-Jährige. Als er den Rentner dann zur Rede stellte, kam stets ein „Das hast du nur geträumt“. Über seinen Anwalt Anselm Schanz ließ Detlev M. nun ausrichten, die Übergriffe seien „nicht böse gemeint“ gewesen.

Zwei Flaschen Weinbrand pro Tag

Vor Gericht stellte sich zudem heraus, dass der 71-Jährige an einem Alkoholproblem leidet. Laut Zeugen soll er bis zu zwei Flaschen Weinbrand pro Tag trinken. Doch auch der Jugendliche war zum damaligen Zeitpunkt dem Alkohol nicht abgeneigt, den er bei Detlev M. kostenlos bekam. Deshalb könnte der 19-Jährige beides womöglich gegeneinander abgewogen haben, „ohne dass er die Übergriffe natürlich gewollt hat“, sagte Richter Stefan Lücke. M.s Verteidiger Schanz betonte zudem: „Nüchtern wäre das nicht passiert.“ Mit seinem Urteil blieb das Gericht letztlich auch am unteren Ende der Vereinbarung, das obere Limit waren zwei Jahre und drei Monate – ohne Bewährung.

Von Peer Hellerling