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Aus der Stadt Rocksänger Thees Uhlmann: „Fury und die Scorpions sind meine Jugend“
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Hannover: Rocksänger Thees Uhlmann über Hannover-Song auf neuem Album: „Fury und die Scorpions sind meine Jugend“

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16:45 20.09.2019
„Meine erste oder zweite Platte war ,Blackout‘ von den Scorpions“: Thees Uhlmann hat der Rockband aus Hannover einen Song auf seinem neuen Album „Junkies und Scientologen“ gewidmet. Quelle: Ingo Pertramer

Hallo Thees Uhlmann, auf deinem neuen Album „Junkies und Scientologen“ widmest du Hannover ein Liebeslied. Da singst du „Du hattest einen Plan vom Leben, ich hatte Fury in the Slaughterhouse“. Warst du echt mal ein Fury-Fan?

Na klar, unser Abisong war „Radio Orchid“. Das ist ’ne tolle Band, ein tolles Symbol für eine bestimmte Zeit in Deutschland. Das ist halt meine Jugend.

Auch die Scorpions spielen in „Was wird aus Hannover“ eine Rolle: „Du hast über die Scorpions gelacht, aber die sind in ,Stranger Things‘ / Was ist, wenn wir beide wie Hannover sind?“ heißt es da ...

Meine erste oder zweite Platte war „Blackout“ von den Scorpions. Und ich finde, „Tokyo Tapes“ ist immer noch eine der besten Live-Platten.

Aber in der Indie- und Punk-Szene gilt es nicht unbedingt als cool, die Scorpions zu mögen. Oder die Toten Hosen, über die du ja auch ein Buch geschrieben hast, das in Kürze erscheint. Willst du die Bands rehabilitieren, mit denen du aufgewachsen bist?

Ich finde das gut, so Sachen zu verteidigen, die viele peinlich finden. Ich sage dann zu Freunden wie meinem Kollegen Marcus Wiebusch von Kettcar: „Alter, habt ihr vergessen, wie wir dazu mal getanzt haben?“ Und dass die Scorpions in „Stranger Things“ gespielt werden, ist ja unglaublich witzig. Ich meine, die Drehbuchautoren der Netflix-Serie sind zurzeit doch die gefragtesten der ganzen Welt. Und dann sitzen die zusammen und überlegen, wie sie die zweite Staffel eröffnen können, die in den Achtzigern spielt. „Digger, da fährt ein Typ mit dem Auto zur Spielhalle“, sagt der eine. Und der andere so: „Ja, Digger! Und dann macht der die Tür von seinem Trans Am auf und es läuft ,Rock You Like a Hurricane‘.“ „Geil, Digger, so machen wir das!“ Ich meine, was steht in der größten Serie der Welt für das Jahr 1982? Die Scorpions aus Hannover.

Exportschlager aus Hannover: Die Scorpions, hier im September 1993 bei einem Konzert in Athen. Quelle: Frank Wilde

Du hast früher, als du in Hemmoor bei Cuxhaven aufgewachsen bist, viel Punk gehört. Hattest du da auch einen Bezug zu Hannover? Hier gab es ja die Abstürzenden Brieftauben, die Chaostage und Bands wie Bärchen und Die Milchbubis, Hans-A-Plast und Boskops.

Na klar war das ein wichtiger Bezugspunkt, auch das „Zap“-Fanzine hat darüber ja viel berichtet. Ich finde Hannover auch heute noch wichtiger als Berlin, weil es die Landeshauptstadt ist.

Die Stadt wird ja von vielen belächelt – so wie die Scorpions.

Also ich glaube ja, dass sich die Hannoveraner mal alle unterm Schwanz getroffen haben und gesagt haben: „Hannover ist die geilste Stadt der Welt – aber wir sagen es keinem.“ Weil es da so schön ist und das kein anderer wissen soll.

Im Hannover-Song geht es auch um die Expo-Pavillons. „Ein Baum wächst schräg und ständig durch den deutschen Pavillon“, singst du da. Woher hast du das?

Das ist gar nicht der deutsche Pavillon, in dem der Baum wächst, oder?

Genau, das ist der holländische.

Relikt der Weltausstellung: Im Inneren des holländischen Pavillons wachsen die Bäume auch nach dem Ende der Expo 2000 weiter. Quelle: Harald Koch (Archiv)
Im deutschen Pavillon wuchs während der Expo 2000 nur ein „Baum des Wissens“ – ein Halter für Monitore. Quelle: Ralf Decker (Archiv)

Wir haben das gegoogelt, weil wir uns unsicher waren. Da haben wir das gemerkt. Aber „holländischen“ passt nicht so gut vom Versmaß wie „deutschen“. Es ist eine Entscheidung für das Timbre, dass ich vom deutschen Pavillon singe – auch wenn das nicht stimmt.

Buch über Tote Hosen folgt im Oktober

Thees Uhlmann (45) hat sich sechs Jahre Zeit gelassen mit einem Nachfolger seines Erfolgsalbums „#2“, das 2013 Platz zwei der Charts belegte. Der Musiker, der mit der Band Tomte die deutsche Indiepopszene stark beeinflusste, schrieb in der Zwischenzeit seinen Debütroman „Sophia, der Tod und ich“ (Kiepenheuer & Witsch), einen Bestseller. 2016 las er Bruce Springsteens Autobiografie „Born To Run“ als Hörbuch ein. Uhlmann, der in Hemmoor (Nordniedersachsen) geboren wurde und später nach Hamburg zog, wo er mit Mitgliedern der befreundeten Band Kettcar das Musiklabel Grand Hotel van Cleef gründete, lebt mit seiner heute zwölfjährigen Tochter inzwischen in Berlin. Sein drittes Album unter eigenem Namen ist am 20. September erschienen und trägt den Titel „Junkies und Scientologen“. Am 10. Oktober folgt ein Buch über die Toten Hosen (KiWi Musikbibliothek, 12 Euro) , das Uhlmann aus Kollegen- und Fansicht geschrieben hat.

Stimmt es eigentlich, dass du bei Konzerten darum bittest, dass die Veranstalter dir eine frankierte Ansichtskarte der Stadt besorgen sollen, die du dann deiner Tochter in Berlin schickst?

Ja, aus Hannover habe ich viele Stadtansichten aus den Siebzigern und Achtzigern (lacht).

Du spielst am 16. Dezember ja wieder im Capitol in Hannover. Welche Karte würdest du dann denn verschicken?

Mir fehlt noch eine Karte von der alten Passerelle. Aus der Zeit, als die gerade neu war und die ersten gemerkt haben, dass das vielleicht doch nicht so eine gute Idee war, so einen Betonschlauch mit vielen dunklen Ecken zu bauen. Wer mir so eine Old-School-Karte gibt, dem würde ich im Tausch ein Thees-Uhlmann-Shirt schenken.

Mit seinem neuen Album gehen Thees Uhlmann und Band auf Tour: Am 16. Dezember 2019 spielen sie im Capitol Hannover. Karten gibt es in den HAZ-Ticketshops und hier.

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