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Aus der Stadt Smartphones lotsen Feuerwehr Hannover künftig automatisch zum Einsatzort
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Hannover: Smartphones lotsen Feuerwehr künftig zum Einsatzort

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18:25 31.10.2019
Im Notfall schneller gefunden werden: Moderne Smartphones senden künftig ihren Standort an die Feuerwehr, wenn der Notruf 112 gewählt wird. Auch die Feuerwehr Hannover macht bei dem System demnächst mit. Quelle: Frank Rumpenhorst/dpa
Hannover

Die moderne Smartphone-Welt macht es möglich: Die Feuerwehr Hannover ist bald in der Lage, punktgenau zu fast jedem Menschen zu kommen, der den Notruf 112 wählt. Die Leitstelle soll mit dem neuen Dienst Advanced Mobile Location (AML/Erweiterter mobiler Standort) ausgestattet werden, mit dem beim Absetzen eines jeden Notrufs über Smartphone automatisch die Standortinformationen übermittelt werden. Aus Sicht der Retter gehen so keine wertvollen Minuten mehr verloren, wenn die Anrufer keine Orientierung haben. Weil Google jedoch die treibende Kraft dahinter ist, sind Datenschützer skeptisch.

„Schwachpunkt in der Rettungskette“

„Mehrmals täglich gehen bei uns Notrufe ein, bei denen die Anrufenden ihren Standort nicht ausreichend benennen können“, sagt Feuerwehrsprecher Michael Hintz. Beim Herausfinden, wo der Einsatzort liege, handle es sich „um den Schwachpunkt in der Rettungskette“. Unfallopfer stehen beispielsweise zu sehr unter Schock oder Auswärtige liefern lediglich eine grobe Beschreibung ihres Umfeldes. War ein Festnetzanschluss noch eindeutig einer Adresse zuzuordnen, gestaltet sich das im Handyzeitalter deutlich schwieriger.

AML nutzt nun die GPS-Daten des Smartphones – auch wenn der Dienst ausgestellt ist. Das Mobiltelefon erkennt, dass jemand die Notruf Nummer 112 gewählt hat. Automatisch werden dann alle Standort-Funktionen aktiviert. Das Handy sammelt für etwa 20 Sekunden alle Informationen über GPS-Koordinaten, Mobilfunkzellen und umliegende WLAN-Netze – sofern verfügbar. Dann werden diese Daten an eine zentrale Stelle einer Leitstelle geschickt. Dort werden sie 60 Minuten gespeichert lang und anschließend gelöscht. In Deutschland wird AML seit Mitte Oktober von der Berliner Feuerwehr und der Integrierten Leitstelle in Freiburg koordiniert. Sie arbeiten mit den großen Mobilfunkanbietern Telekom, Vodafone und O2 zusammen.

Start im ersten Halbjahr 2020

Sukzessive sollen alle Feuerwehr-Leitstellen der Republik mit dem AML-Dienst ausgestattet werden, in Niedersachsen ist derzeit noch keine dabei. „In Hannover wird das Identifizierungssystem mit der kommenden Softwareversion umsetzbar“, sagt Hintz. Da das sensible Leitstellensystem aber nicht wie ein normaler Computer einfach aktualisiert werden kann, wird der Starttermin nur vage angegeben. „Das Update soll in der ersten Jahreshälfte 2020 durchgeführt werden“, sagt Hintz.

Der neue Notrufdienst ist standardmäßig bei allen Android-Geräten ab Softwareversion 4 aktiviert. Die Feuerwehr rät, den Service im Einstellungsmenü nicht zu deaktivieren. Quelle: OnePlus 6/Android 9

Bislang funktioniert die Standort-Übermittlung allerdings nur auf Android-Handys mit mindestens Softwareversion 4. In den Einstellungen lässt sich die GPS-Übertragung zwar händisch deaktivieren, die Feuerwehr rät davon allerdings ab. Apple hat AML seit der iOS-Version 11.3 implementiert, unterstützt das Verfahren in Deutschland derzeit aber noch nicht – will sich jedoch demnächst ändern. Laut Feuerwehrsprecher Hintz ein wichtiger Schritt, „um möglichst viele Nutzer zu erreichen“.

Beteiligung von Google kritisch

Die Landesdatenschützer in Niedersachsen sehen das neue Verfahren bei allen Vorteilen vor allem wegen Google und Apple kritisch. „Sie haben zwar beteuert, dass mit den Daten nichts weiter passiert“, sagt Sprecher Philip Ossenkopp. Aber dennoch wisse niemand zuverlässig, ob nicht doch Informationen dauerhaft gespeichert würden. Das werde genau geprüft, ebenso wie das sichere Übertragen der Daten zur jeweiligen Leitstelle. Bundesweit würden sich die Datenschützer während der zweijährigen Probephase aber vorerst „ein Stück weit zurückhalten“, sagt Ossenkopp.

Kommentar: System mit Schwachstelle

Jahrelang doktern IT-Experten nun schon an einer Lösung für ein alltägliches Problem: Ein Urlauber verunglückt auf einer Wanderung, schafft es den Notruf zu wählen, kann den Helfern aber nicht seine Position durchgeben, weil er sich nicht auskennt. Vieles ist bereits versucht worden: Funkzellenabfrage? Zu ungenau. Handyortung? Ebenfalls zu ungenau. Die Ortung über den Messenger-Dienst WhatsApp? Zu kompliziert, weil der Verletzte erst sein Mobiltelefon richtig einstellen muss. Eine bundeseinheitliche Notruf-App, die bereits 2013 im Koalitionsvertrag vereinbart wurde? Fehlanzeige.

Und so bleibt den Einsatzkräften derzeit offenbar nichts anderes übrig, als sich mit dem Datensammel-Giganten Google einzulassen, um Menschenleben retten zu können. Datenschützer und Kritiker sind zurecht skeptisch. Denn die Kontrolle, ob die gesammelten Daten tatsächlich nach 60 Minuten gelöscht werden, hat bislang niemand. Zudem hat AML eine Schwachstelle: Es funktioniert offenbar nicht, wenn der Anrufer über den eigenen Mobilfunkanbieter kein Netz hat. Der Test des neuen Systems in Berlin und Freiburg muss also gründlich ausgewertet werden.

Tobias Morchner

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