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Aus der Stadt So kämpfen Bauern für Artenvielfalt
Hannover Aus der Stadt So kämpfen Bauern für Artenvielfalt
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05:00 01.09.2018
Edgar Schmidt-Nordmeier hat auf seinem Land mehrere Blühstreifen ausgesät. Quelle: Samantha Franson
Hannover

Sie verschwinden leise von den Feldern und Äckern der Region, und durch ihr Verschwinden droht ein stillerer Frühling: Die Feldlerche – unauffälliges Federkleid, auffälliger Gesang – wird immer seltener. Ein kleiner Vogel wird zum Symbol eines riesigen Problems: „Die Lage für die Wiesenvögel im Land ist katastrophal“, sagt Ulrich Thüre, Sprecher des Naturschutzbundes (Nabu) in Niedersachsen. Eigentlich sei die Feldlerche ein typischer Bewohner des Offenlandes, „vor allem durch die Intensivierung der Landwirtschaft hatte sie aber massive Einbußen hinzunehmen“. Denn die Feldlerche wohnt und brütet in offener Vegetation aus Gräsern und Wildkräutern. Pflanzen, die es auf Niedersachsens Äckern und in der Region Hannover kaum noch gibt. Seit den Siebziger-Jahren hat sich ihr Bestand deutschlandweit um etwa 90 Prozent verringert.

Gleich mehrere Gründe macht der Nabu für die schlechte Lebensgrundlage der Feldlerchen verantwortlich. Da sei zum einen das große und regelmäßige Verteilen von Pflanzenschutzmitteln auf den Feldern. Dazu komme das frühere Abernten von Nutzpflanzen. Besonders schlimm seien für alle Tiere allerdings die Vergrößerung der Äcker und das Roden der Brachflächen zwischen ihnen gewesen. Kleine Flächen wurden ab den Sechzigerjahren zusammengelegt – für die Feldlerchen, die Bodenbrüter sind, bedeutet das weniger Nahrung und kaum Möglichkeiten für den Nestbau.

10 Prozent Brachen als Minimum

„Alle Lebewesen haben ihre Funktion. Sobald eine Art leidet oder ausstirbt, wirkt sich das auf das ökologische Gesamtgefüge aus“, erklärt Wolfgang Fiedler von der Naturschutzbehörde der Region Hannover. Jede Art sei miteinander verknüpft. „Man könnte sich auch einfach das weltweit verbundene Bankensystem vorstellen – wenn eine große Instanz zusammenbricht, folgt eine globale Finanzkrise, wie wir das 2008 mit Lehman Brothers erlebt haben“, sagt Fiedler.

Um der Krise der Tierarten entgegenzuwirken, müssten 10 Prozent der Ackerflächen der Region ökologische Freiflächen sein. Hier dürfte nichts angebaut werden. „Und davon sind wir noch weit weg“, sagt Fiedler deutlich. Dass nicht nur Insekten, sondern eben auch die Feldlerchen, Rebhühner und zahlreiche andere Tiere dringend Hilfe brauchen, steht seit einigen Jahren nicht nur für Naturschützer fest: 150 000 Euro stellt die Region Hannover für den Schutz der Artenvielfalt in diesem Jahr bereit. Landwirte, die Blühflächen, Brachestreifen oder sogenannte Lerchenfenster auf ihren Ackern errichten, werden finanziell entschädigt. Auf 120 Hektar Ackerland beteiligen sich in der Region Hannover 90 Betriebe.

Der Gemüsehof Schmidt-Nordmeier in Langenhagen ist einer von ihnen. Noch wachsen Senf, Gurkenkraut, Ölrettich und Sonnenblumen auf dem wilden Streifen, der zwischen einem Zuckerrüben- und einem Getreidefeld von Landwirt Edgar Schmidt-Nordmeier angelegt wurde. „Das meiste ist schon verblüht, erfüllt aber trotzdem seinen Zweck“, erklärt der 60-Jährige. Der sogenannte Blühstreifen soll Tieren einen Rückzugsort geben. Insekten und Vögel können hier Unterschlupf und Nahrung finden – obwohl in der Umgebung vor allem Felder bestellt werden. Mehrere solcher Streifen hat Schmidt-Nordmeier auf seinen Äckern angelegt, das Saatgut wird von der Region gestellt. Pro Hektar Blühstreifen bekommt er 800 Euro Förderung von der Region. „Geld verdienen kann man damit nicht“, sagt der 60-Jährige. Die Bauern, die diese Streifen anlegen, hätten ein Interesse am Artenschutz. „Außerdem sind wir natürlich auch Nutznießer von Insekten wie Bienen, die ja auch unsere Pflanzen bestäuben“, sagt er. Dass weniger Tiere als noch vor einigen Jahren auf den Ackern zu sehen sind, kann er selbst täglich beobachten.

Lerchenfenster werden größer

Lerchenfenster werden schon seit Jahren angelegt, das Problem ist aber, dass sie einfach viel zu klein waren“, sagt Wolfgang Fiedler. Beim Säen und Bestellen des Ackers setzte der Bauer die Maschine bisher einfach ein paar Meter aus. „So entstanden kinderzimmergroße Erdflächen im Acker, als Schutzgebiet reicht das aber nicht aus. Für den Fuchs ist das wie ein offenes Büfett“, sagt Fiedler. Seit drei Jahren testet man mit einem Hof in der Calenberger Börde andere Größen und Methoden. Mit Erfolg. „Der Bruterfolg war bemerkenswert gut. Etwa 30 Jungvögel konnten nachgewiesen werden“, sagt Klaus Abelmann, Sprecher der Region Hannover. „Man könnte sagen, dass der Betrieb statt Weizen Feldlerchen angebaut hat“.

Aus dem Schneider sind die Feldlerche, das Rebhuhn, der Fasan, der Kiebitz und die anderen Vögel der Region damit aber noch lange nicht. „Auch wenn wir auf der lokalen Ebene etwas für die Tiere tun, ist das Grundsatzproblem die landwirtschaftliche Politik der EU“, sagt Fiedler. Sie müsste in Richtung Artenschutz ausgerichtet werden.

Von Tomma Petersen

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