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Aus der Stadt So war die Lange Nacht der Theater 2019
Hannover Aus der Stadt

Hannover: So war die Lange Nacht der Theater 2019

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00:17 07.05.2019
Die Lange Nacht der Theater 2019 zeigt Kultur in seiner ganzen Bandbreite. Quelle: Katrin Kutter
Hannover

Sechs Stunden, 22 Spielstätten, 96 Programmpunkte – Hannovers Theaterschaffende haben es ihrem Publikum auch in diesem Jahr nicht leicht gemacht, aus dem riesigen Angebot zu wählen. Wer die Zeit effizient nutzen wollte, musste gut planen – und lief angesichts der riesigen Nachfrage mancherorts trotzdem Gefahr, abgewiesen zu werden. Wir haben uns ins Getümmel gestürzt und verschiedene Bühnen besucht.

Los ging es überpünktlich um 17.53 Uhr im bis auf den allerletzten Stuhl gefüllten Klub im König, wo Wolfgang Grieger und die High Nees Ausschnitte aus ihrem aktuellen Musiktheater-Programm „Betreutes Scheitern“ vortrugen. Einen ihrer aberwitzigen Songs widmeten sie der Unmöglichkeit, die Möbel eines beliebten schwedischen Einrichtungshauses auf Anhieb richtig aufzubauen. „Da fehlt doch glatt’n Brett“ – mit der Konkurrenz hätte die gecoverte Kombo Bachman Turner Overdrive glatt einpacken können, damals in den Siebzigern. Im Publikum saß Katrin Hoffmann, die bereits zum 16. Mal bei der Langen Nacht der Theater dabei war. Vor allem auf die kleinen Bühnen sei sie gespannt, um sich neue Anregungen zu holen. Außerdem sei das Opernchor-Karaoke um Mitternacht ein absolutes Muss.

Impressionen von der Langen Nacht der Theater in Hannover.

Schlafstörungen in Hannovers kleinstem Theater

Im Leibniz-Theater verführte keine Stunde später die grandiose Kabarettistin Liese-Lotte Lübke ihr Publikum dazu, sich den Frust von der Seele zu schreien. „Und wenn schon …“ heißt ihr aktuelles Programm, das sich frech und gleichzeitig anrührend ehrlich den wirklich wichtigen Themen des Lebens widmet. Wer mit Schlafstörungen in einer Einraumwohnung lebt, soviel sei verraten, der muss höllisch aufpassen, um nicht morgens auf eines der vielen nachts herbeigezählten Schafe zu treten. Im kleinsten Theater Hannovers saßen auch Philip und Katharina Kurz, die zum zweiten Mal dabei waren und ebenfalls vor allem an den kleinen, weniger bekannten Bühnen der Stadt interessiert waren.

Stadtbahnen gut gefüllt zur 18. Langen Nacht der Theater

Ab halb acht waren die Stadtbahnen deutlich voller, überall blitzten die lila Bändchen hervor. Am Opernhaus standen um diese Zeit die Wagner-Fans Schlange, denn hier hatten sie die einmalige Gelegenheit, nur für den Preis des Einlassbändchens den kompletten „Fliegenden Holländer“ zu erleben.

Aber auch vor dem Cumberland hatte sich da schon eine gewaltige Traube gebildet. Auszüge aus Takis Würgers „Der Club“ standen auf dem Programm. Wer eine Karte ergattert hatte, bekam die genial-abstoßende Szene zu sehen, in der sich Philippe Goos als Upper-Class-Snob Josh in einer Art Solarium räkelt und hemmungslos an sich selbst berauscht.

Kritik an Organisation der Langen Nacht der Theater: Langes Warten, trotzdem kein Reinkommen

Keine Theaternacht wäre vollkommen ohne einen Abstecher ins GOP. Dort präsentierten Jack Woodhead und Markus Pabst Ausschnitte aus „Kawumm“, eine bunte Mischung aus tiefsinnigen Liedern, Schaukelpferd-Akrobatik und Zauber-Comedy. Bevor die Show begann, äußerte sich Petra Bähr, die extra aus Düsseldorf angereist war, enttäuscht über die Organisation der Theaternacht. Es sei extrem schwierig, an die gewünschten Spielstätten zu kommen, so ihre Erfahrung aus dem Abend. Ins Café Lohengrin hatten sie und ihre Begleiterin es trotz fast einstündiger Wartezeit nicht geschafft – „weil letztendlich nur noch 15 Karten ausgegeben wurden“.

Gefangenenchor als Ohrwurm der Nacht in Hannover

Auf der Probebühne 2 im Opernhaus lud um 22 Uhr der Opernsänger Frank Schneiders zu einem kleinen Workshop ein. Nachdem er den etwa 60 Teilnehmern auf sehr sympathische Weise die Grundlagen des Singens erklärt hatte – Atem, Ansatz und Resonanzräume –, ließ er sie Fünftonreihen singen, dabei im Raum umhergehen und entfernte Punkte des Raums fixieren, um den stimmlichen Fokus zu verbessern. Unter den Neugierigen war auch Dagmar Müller. Sonst singe sie nicht aktiv, erklärte sie, aber sie höre gern Musik und sei gespannt auf neue Impulse. Am Ende der vergnüglichen Veranstaltung stand der berühmte Gefangenenchor aus Verdis „Nabucco“ – der Ohrwurm für den Rest der Nacht war gesetzt.

Musikalisches Nachtgebet in Hannovers Oper

Der perfekte Ort, um diesen herrlichen Abend ausklingen zu lassen, war für uns die Hauptbühne der Oper, wo ein Quintett aus drei Musikern des Niedersächsischen Staatsorchesters Hannover und zwei syrischen Instrumentalisten zum musikalischen Nachtgebet aufspielten. Mit Oboe, Bratsche, Kontrabass, Kanun und Percussions überschritten sie mühelos die musikalischen Grenzen zwischen Orient und Okzident und luden zum Träumen ein.

Die Bilder aus dem Vorjahr:

Bilder von der Langen Theaternacht 2018

Von Juliane Moghimi

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