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Aus der Stadt Wie Jugendliche in Hannover die Welt ein Stückchen besser machen
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Hannover: So wollen katholische Jugendliche die Welt 72 Stunden lang besser machen

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00:23 27.05.2019
Eine geballte Ladung Engagement: Rund 170 Jugendliche beteiligen sich in der Region Hannover an der Aktion – hier die Auftaktveranstaltung im Jugendzentrum Tabor.
Eine geballte Ladung Engagement: Rund 170 Jugendliche beteiligen sich in der Region Hannover an der Aktion – hier die Auftaktveranstaltung im Jugendzentrum Tabor. Quelle: Simon Benne
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Hannover

Zehn, neun, acht ... der Countdown läuft. Es ist rappelvoll im Jugendzentrum Tabor an der Hildesheimer Straße. Viele der Jugendlichen tragen Pfadfinderkluft oder blaue T-Shirts mit dem Aufdruck #Hi72H – dem Kürzel jener Aktion, die sie hier zusammengeführt hat. Sieben, sechs, fünf ... hochkonzentriert drehen einige von ihnen verschlossene Briefumschläge in den Händen. Drei, zwei, eins... „Jetzt dürft ihr sie öffnen“, ruft Benedikt Jäckel. Aufgeregt zerreißen sie die Kuverts, um zu erfahren, wie sie die nächsten drei Tage verbringen werden. In den Umschlägen stecken ihre Aufgaben für dieses Wochenende. Der Auftakt der bundesweiten Sozialaktion „72 Stunden“ ist eine Mischung aus Oscar-Verleihung und Schnitzeljagd.

So engagieren sich Jugendliche 72 Stunden lang für soziale Zwecke

Die Aktion unter der Federführung des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) geht an diesem Wochenende nach 2013 zum zweiten Mal im bundesweiten Rahmen über die Bühne. Rund 80.000 Jugendliche beteiligen sich diesmal in ganz Deutschland daran: Sie tauchen im Tegernsee nach Müll, basteln Insektenhotels, besuchen Senioren. „Insgesamt kommen wir an diesem Wochenende auf sechs Millionen Stunden ehrenamtliches Engagement“, ruft Benedikt Jäckel im Tabor unter dem Applaus der Jugendlichen. Der 26-jährige ist im BDKJ-Vorstand und hat die Aktion in Hannover mit organisiert.

„Glauben aktiv leben“

In der Region beteiligen sich rund 170 Jungen und Mädchen in zehn Gruppen an dem Projekt. Es gibt die Do-it-Variante, bei der sie sich selbst Aktionen aussuchen, und die Get-it-Variante, bei der sie den versiegelten Umschlag erhalten.

Die Aktion hat viele Facetten: In der Wedemark renaturieren Pfadfinder zusammen mit dem Nabu Randstreifen von Feldern, um Nistmöglichkeiten für Vögel zu schaffen. In Wunstorf sammeln sie für krebskranke Kinder. In Ronnenberg richten sie den verwilderten Pfarrgarten der evangelischen Gemeinde St. Johannis wieder her. Und in der Südstadt reinigen Ludwig-Windthorst-Schüler Stolpersteine, die im Gehweg an NS-Opfer erinnern. Bei allem, was sie tun, sind sie gewissermaßen im Namen des Herrn unterwegs: „Wir wollen zeigen, wie wir unseren Glauben aktiv leben“, sagt Jäckel.

Jede Gruppe bekommt noch eine Kiste mit Süßigkeiten, Kerzen und Versicherungsunterlagen, ehe es losgeht. Es gibt eine digitale Kapelle, aus der während des Arbeitseinsatzes spirituelle Impulse aufs Smartphone ploppen. „In 72 Stunden kann man schon so einiges wuppen“, sagt die 21-jährige Birte Pritzel. „Jugendliche können viel verändern – gerade in der heutigen politischen Situation müssen wir uns das immer wieder vor Augen führen“, sagt sie mit Blick auf Populismus und Klimawandel.

„Uns schickt der Himmel“

Engagement wird heute gern belächelt. Es ist leicht, sich über naives Gutmenschentum lustig zu machen. Doch es ist schwer, sich vorzustellen, wie das Land ohne solche Jugendlichen wohl aussehen würde. „Es macht Spaß, sich für ein soziales Vorhaben einzusetzen“, sagt die 18-jährige Nicole, die mit einer Gruppe von St.-Ursula-Schülern bei der Renovierung der Jugendeinrichtung Camelot in Kleefeld mit anpackt. Die Welt lässt sich nicht binnen 72 Stunden retten, aber ein wenig verändern lässt sie sich schon. Nicht von ungefähr steht die Aktion unter dem selbstbewussten Motto „Uns schickt der Himmel“.

Prominente unterstützen das Projekt: In Niedersachsen haben Bischof Heiner Wilmer und Ministerpräsident Stephan Weil die Schirmherrschaft übernommen. „Es ist beeindruckend, eure Energie zu erleben“, ruft Propst Martin Tenge, der die Jugendlichen im Tabor segnet, ehe diese ausschwärmen, um die Welt ein bisschen besser zu machen. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Von Simon Benne