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Aus der Stadt „Stück für Stück komme ich ins Leben zurück“
Hannover Aus der Stadt „Stück für Stück komme ich ins Leben zurück“
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00:18 17.01.2019
„Ich ärgere mich weniger schnell und genieße das Leben mehr“: Sören Jäckel ist auf dem Weg der Besserung. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Es ist jetzt genau zwölf Monate her, dass er mit Rückenschmerzen und miserablen Blutwerten ins Krankenhaus kam. Die Diagnose traf ihn völlig unvorbereitet: Leukämie. „Das letzte Jahr war wirklich die Hölle“, sagt Sören Jäkel heute. „Aber ich habe es überlebt – und im neuen Jahr geht es aufwärts.“

Der 27-Jährige lacht optimistisch. Seine Gesichtsmuskeln gehorchen ihm wieder, und auch die Haare sind nachgewachsen. Nichts erinnert mehr an den ausgezehrten jungen Mann, für den die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) noch im vergangenen Juni eine große Typisierungsaktion auf dem Sportcampus der Leibniz-Uni organisierte. Unter dem Motto „Rette Sören!“ ließen sich damals mehr als 600 Menschen mit einem Wattestäbchen-Abstrich registrieren – in der Hoffnung, dass ein „genetischer Zwilling“ dabei ist, der als Stammzellspender fungieren könnte.

„Das war ein Riesenerfolg – ich war total überrascht“, sagt Sören Jäckel. Tatsächlich fand sich in der DKMS-Datenbank im Sommer ein passender Spender. Doch zuvor musste Sören Jäckel noch eine äußerst heikle Strahlen- und Chemotherapie über sich ergehen lassen. „Die Ärzte haben mir ins Gesicht gesagt, dass ein Drittel der Patienten das nicht überlebt.“ Verkürzt gesagt wurde sein eigener Körper fast zerstört, um einen Neustart mit neuen Stammzellen möglich zu machen. „Man hat mir gesagt, dass ich eine ähnlich hohe Strahlendosis abbekommen habe wie die Liquidatoren in Tschernobyl – aber dazu hätte es keine Alternative gegeben“, sagt er.

„Ich will durchstarten“

Verglichen damit war die eigentliche Stammzelltransplantation am 6. Juli in der MHH fast unspektakulär: Vier Stunden lang hing Sören Jäckel an einer Art Tropf. Danach hatte er mit heftigen Nebenwirkungen zu kämpfen. „Nach einem Monat aber ging es bergauf“, sagt er. Die Transplantation hatte funktioniert, sein Körper stellte frisches, gesundes Blut her.

„Inzwischen ist mein Immunsystem stabil“, sagt Sören Jäckel, „Stück für Stück komme ich ins Leben zurück.“ Seine Spaziergänge werden länger, und im Spätsommer konnte der passionierte Biker mit seinem Vater schon eine erste, kurze Motorradtour machen. Für den Sommer hat er eine Fahrt über die Alpen geplant. „Im Verlauf des Jahres möchte ich auch endlich wieder anfangen zu arbeiten“, sagt der Fachinformatiker. „Ich will durchstarten.“ Er will eine große Party feiern, mit allen, die ihn unterstützt haben. Und er hat sich ein Auto gekauft. Das Kennzeichen enthält die Zahlen 6 und 7 – das Datum der Transplantation. „Den Tag werde ich künftig wie meinen Geburtstag feiern“, sagt er.

Bei allem Optimismus wirkt der 27-Jährige auch abgeklärter und erfahrener als noch vor einigen Monaten. Die Krankheit habe seinen Blick auf die Welt verändert: „Ich ärgere mich weniger schnell und genieße das Leben mehr“, sagt er. „Und wenn man eine verrückte Idee hat, soll man sie gleich umsetzen. Man weiß nämlich nicht, ob man später noch die Chance dazu hat.“

Sein Stammzellspender ist Däne, männlich, Jahrgang 1967. Mehr wird Sören Jäckel über ihn erst in etwa einem Jahr erfahren, bis dahin sind die persönlichen Daten des Spenders für ihn gesperrt. Doch noch in der Klinik hat er schon etwas Dänisch gelernt: „Ich möchte meinem Lebensretter in seiner eigenen Sprache sagen, wie dankbar ich ihm bin.“

Stammzellspender werden gesucht

Zahlreiche Blutkrebspatienten benötigen Stammzellspender, um überleben zu können. Dabei müssen Humane Leukozyten-Antigene – bestimmte Merkmale auf den Oberflächen der Körperzellen – von Spendern und Patienten möglichst identisch sein. Da es eine große Fülle an Merkmalen gibt, ist diese Wahrscheinlichkeit jedoch sehr gering. Nur ein Drittel der Patienten findet einen geeigneten Spender in der Familie – und viele hoffen vergebens.

Die 1991 gegründete Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) hat bereits mehr als 8 Millionen potenzielle Stammzellspender registriert, um für möglichst viele Patienten einen Lebensretter zu finden. Die Registrierung erfolgt mit einem Wattestäbchenabstrich im Mund. Da die Typisierung eines Spenders etwa 35 Euro kostet, ist die DKMS auch auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Das DKMS-Spendenkonto hat die IBAN DE64641500200000255556. Weitere Informationen gibt es unter (07071) 9430 oder unter www.dkms.de.

Von Simon Benne

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