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Aus der Stadt Wie sieht die Zukunft der Kirche aus, Herr Heinemann?
Hannover Aus der Stadt

Hannover: Stadtsuperintendent Hans-Martin Heinemann geht in den Ruhestand

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19:33 24.09.2019
„Eine intensive Zeit in einer spannenden Stadt“: Superintendent Hans-Martin Heinemann geht in den Ruhestand. Quelle: Katrin Kutter

Herr Heinemann, als Sie vor neun Jahren ihr Amt antraten, zählte der evangelische Stadtkirchenverband noch 210.000 Mitglieder. Jetzt gehen Sie in Ruhestand, und es sind noch etwa 185.000, Tendenz sinkend.

Ich bin noch in einer Welt groß geworden, in der er selbstverständlich war, einer Kirche anzugehören – und in der Zeit meines Berufslebens hat sich das leider geändert. Die Gesellschaft und das Bindungsverhalten der Menschen verändern sich. Wir sollten aber nicht alleine auf die Zahlen schauen. Erfolgszahlen sind mir auch theologisch suspekt: Erfolg ist keiner der Namen Gottes, heißt es. Wichtiger ist, wie wir Kirche erleben – und vieles, etwa die Marktkirche, erlebe ich als sehr lebendig.

Es gibt anderswo aber auch Gottesdienste mit 20 Besuchern in großen leeren Kirchen, die wenig erbaulich sind …

Es ist immer schön, wenn Menschen gemeinsam singen und beten, auch wenn es 20 sind. Aber natürlich beschäftigen uns der Wandel und die Frage, wie stimmig unsere Räume noch sind. Wir müssen bereit sein, uns von der Kirche unserer Vorfahren zu verabschieden und neue Aufbrüche zu wagen. Es ist uns in den vergangenen Jahren gelungen, im Stadtkirchenverband Strukturen zu sanieren, da sind wir auf dem Weg und müssen es bleiben. Den Stellenplan haben wir – teils unter Schmerzen – zukunftsfähig gemacht.

Wie aber wird Hannovers Kirche in 20 Jahren aussehen?

Das weiß Gott allein, aber es wird sie geben. Es wird Menschen geben, die ihren Glauben an Christus leben, und ich bin mir sicher, dass immer noch an jedem Sonntag Gottesdienst gefeiert wird. Als Christen brauchen wir keine Angst vor der Zukunft zu haben.

Wie fällt nach neun Jahren in Hannover Ihre persönliche Bilanz aus?

Es war eine schöne und intensive Zeit in einer spannenden Stadt. Das „Fest für alle“ zum Reformationsjubiläum zählte sicherlich zu den Höhepunkten. Sehr bewegend war das Friedensgebet nach den Anschlägen in Paris 2015. Da saßen Vertreter aller Religionen in einer völlig überfüllten Marktkirche am Altar und zeigten gemeinsam Flagge für ein friedliches Miteinander. So etwas ist in Hannover viel leichter möglich als anderswo.

Woran liegt das?

Die Stadt ist in meinen Augen klar evangelisch geprägt, und sie hat sich weiterentwickelt: So gibt es hier Einrichtungen wie das Haus der Religionen, das bundesweit wegweisend ist. Der interreligiöse Dialog ist hier sehr weit. Wir haben es gelernt, uns aufeinander einzulassen und Differenzen auszuhalten. Auch um die Ökumene steht es gut – seit Jahren wird etwa das katholische Fronleichnamsfest an der evangelischen Marktkirche gefeiert. Ich bin dankbar, dass ich all das erleben durfte.

Doch gerade in der Ökumene sind nicht alle Träume Wirklichkeit geworden...

Mit der katholischen Kirche wollten wir ein ökumenisches Papier zur Abendmahlsfrage verfassen, das nicht fertig geworden ist. Die Arbeit hat sich aber dennoch gelohnt. Fertig ist man nie, in der Kirche schon gar nicht. Und wenn man in Ruhestand geht, muss man lernen loszulassen. Ich hätte auch gerne den neuen Kita-Finanzierungsplan noch selbst unterschrieben…

… und das viel diskutierte Kirchenfenster von Markus Lüpertz, für das Sie sich stark gemacht haben, hätten Sie auch gerne noch persönlich eingeweiht?

Wichtiger ist, dass dieses überhaupt kommt. Es gibt jetzt eine Initiative, die in der Marktkirche eine Statue installieren möchte, den „Lehrenden Christus“ von Barlach. Ein wunderbares Motiv – und ein gutes Gegenüber zu Lüpertz’ Fenster, das Luther treffend als angefochtenen Menschen darstellt.

Haben Sie Pläne für den Ruhestand?

Meine Frau und ich werden in Hannover bleiben. Ich habe den ehrenamtlichen Vorsitz des Internationalen Kinder- und Jugendchorzentrums Christuskirche übernommen – eine reizvolle Aufgabe. Ein Jahr lang werde ich in Hannover nicht predigen, das ist eine Art ungeschriebenes Gesetz unter Pastoren. Aber ich hoffe, dass ich den Talar anziehen kann, solange der liebe Gott mich leben lässt. Vielleicht werde ich hin und wieder Orgel in Gottesdiensten spielen, ich bin ja studierter Kirchenmusiker. Oder ich werde in einem Posaunenchor aktiv. Mir wird schon nicht langweilig werden.

Zur Person: Hans-Martin Heinemann

Hans-Martin Heinemann steht als Stadtsuperintendent seit 2010 an der Spitze des evangelischen Stadtkirchenverbands, zu dem 60 Gemeinden in Hannover, Garbsen und Seelze gehören. Zuvor war der gebürtige Hesse Dekan in Wiesbaden. Mit einem Gottesdienst in der Marktkirche wird der 66-jährige Theologe am Sonntag, 29. September, in den Ruhestand verabschiedet. Beginn ist um 15 Uhr. Wer sein Nachfolger wird, ist noch nicht entschieden, die Wiederbesetzung der Stelle könnte sich ein Jahr hinziehen.

Von Simon Benne und Mathias Klein

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