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Aus der Stadt So will dieses Startup günstigen Wohnraum schaffen
Hannover Aus der Stadt So will dieses Startup günstigen Wohnraum schaffen
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00:15 05.01.2019
Deniz Hartmann steht vor einem Muster-Container, der zu einer Wohnung für Studenten und Azubis umgebaut werden soll, auf dem Gelände von "InnHof". Quelle: Moritz Frankenberg
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Hannover

Was ist von außen senfgelb und von innen rot, zwölf Meter lang und 2,35 Meter breit und vier Tonnen schwer? Ganz einfach: die Lösung des studentischen Wohnungsproblems in Hannover.

Oder sagen wir: Es ist vielleicht eine der Lösungen für das studentische Wohnungsproblem in Hannover. Jedenfalls dann, wenn es nach Deniz Hartmann geht. Und wenn er genug Geld für seine Idee zusammenbekommt. Und die richtigen Partner findet. Eine Grundvoraussetzung ist aber schon mal erfüllt: Enthusiasmus. Davon hat Deniz Hartmann haufenweise.

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Der junge Mann, 1990 geboren, ist in Misburg und Kleefeld aufgewachsen und wohnt derzeit in einer Wohngemeinschaft in der Südstadt. Er hat Erzieher gelernt, hat mal mit einer Freundin zusammengewohnt, das war irgendwann vorbei. Er war bei der Bundeswehr, war auf Reisen, wollte dann das Abi nachmachen und suchte wieder eine Bleibe in der Stadt. Und stand immer irgendwo mit 30 Leuten auf einem WG-Flur, um sich ein Zimmer anzuschauen, das er dann doch nicht bekam.

Irgendwas läuft da schief, dachte er sich. Deniz Hartmann (die hierzulande noch nicht so gebräuchliche Schreibweise des Vornamens geht auf seine türkische Mutter zurück) rief seinen alten Vermieter an, bekam die alte Wohnung und machte dort eine eigene WG auf. Worauf er auf der anderen Seite stand und die Leute bei ihm Zimmerangucken kamen. Man müsse mal was ändern, dachte Hartmann. Weniger Hierarchie. Mehr Innovation. Und dann, eines Tages, hatte er die Idee mit den Containern.

Einfach, billig, stapelbar: Deniz Hartmann will aus Seecontainern Wohnraum machen. So soll das aussehen.

Was Platz spart, ist gut

Die Idee geht so: Man nimmt gebrauchte Seecontainer, schneidet Fensterlöcher rein, isoliert die Wände und stattet den schlauchförmigen Raum mit Bett, Sofa, Küchenzeile und kleiner Badezimmerkabine aus. Trennwände innen haben keine Türen, sondern Schiebetüren, das spart Platz. Heizungen sind so flach wie Bilder, das spart Platz. Waschmaschine? Kann in einem Gemeinschaftswaschmaschinenraum stehen, sagt Hartmann, das spart Platz. Vor dem Container kann man eine kleine Holzterrasse anbringen. Das spart keinen Platz, macht aber Laune.

Deniz Hartmann wollte beweisen, dass das geht. Und wie beweist man sowas? Mit einem Prototypen. Und wie bezahlt man den? Das macht man heutzutage nicht, indem man Oma anpumpt, sondern per Crowdfunding. Über die Internetplattform Startnext hat Hartmann rund 12.000 Euro eingesammelt. Damit hat er den senfgelben Container gekauft, in Hamburg, vier Jahre alt, ein bisschen zerkratzt, aber das macht ihn nur authentisch. Rund 3000 Euro sind dafür draufgegangen. Dass das keine Schnapsidee war, dass man mit Schiffscontainern im Prinzip Behausungen bauen kann, haben andere vor Hartmann schon bewiesen: In Warnemünde gibt es ein Container-Hostel, in Berlin sogar ein Containerstudentenwohnheim.

Hartmanns Container steht auf dem „Innhof“-Gelände, das ist ein Startup-Projekt in einer alten Fensterfabrik in Seelze. Innhof-Gründer Arda Erzin, Kaffeepappbecher in der Hand, umrundet den Container und schaut anerkennend. Deniz Hartmann ist auch deswegen hier gelandet, weil er sich von anderen jungen Leuten in dem Projekt Hilfe erhofft. Zusammen arbeiten, zusammen leben – das der Grundgedanke. Gemeinschaft. Nicht einer gegen alle und jeder für sich.

Hilfe braucht Hartmann zuhauf. Denn jetzt geht es um die Details und den Innenausbau. Wie sichert man die Statik eines Containers, wenn man Fenster reinschneidet? Wie dünn darf, wie dick muss die Isolierung sein? Wie flach geht Heizung? Was passiert mit dem Wasserdampf im kleinen Bad? Trennwand vors Bett oder nicht? Was ist mit dem Brandschutz? Schlüssel für die Containerwohnungstür oder Fingerabdruckscanner?

Weitere Finanziers gesucht

Technik, Gestaltung – für alles braucht Hartmann gute Ideen und Unterstützer. Und natürlich weitere Finanziers: 50.000 Euro seien schon noch nötig, vielleicht mehr. Aber das schreckt ihn überhaupt nicht, im Gegenteil. Seine Augen leuchten. „Für so was Lösungen zu finden, das ist doch was ganz anderes als diese Matheaufgaben in der Schule, die keinen Bezug zur Realität haben.“

Was sich Deniz Hartmann vorstellt, ist eine Art Studentenwohnheimcontainerdorf. Vielleicht auch hochkant: Man könnte so was wie den Holländischen Expo-Pavillon bauen, wo dann bei Bedarf Container reingeschoben werden, überlegt er. Auf jeden Fall soll es keine Ansammlung von Einzelwohnungen sein, sondern eine Gemeinschaft. Wo die Waschmaschinen in einem Gemeinschaftswaschmaschinenraum stehen. Und wenn eine ganze Familie einziehen will? „Man kann auch zwei oder drei Container zusammenschalten.“

Und wie teuer wird das für die Bewohner? Hartmann hat da sehr klare Vorstellungen. 280 Euro Miete – mehr dürfe so ein Containerzimmer für einen Studenten oder Azubi nicht kosten. Er selbst will mit seinem Projekt vielleicht ein bisschen Unterstützung für das Psychologiestudium erwirtschaften, das er plant. Aber: „Keiner soll sich daran bereichern.“

Interessierte und potenzielle Unterstützer finden mehr Infos und eine Mailadresse im Internet unter „lebenstattwohnen.eu oder auf Instagram unter denizhartmann.

Von Bert Strebe

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