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Aus der Stadt Demnig verlegt neue Stolpersteine
Hannover Aus der Stadt Demnig verlegt neue Stolpersteine
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15:03 27.09.2018
Ein Zeichen der Erinnerung: Gunter Demnig präsentiert den Stolperstein für Karl Wrampe. Quelle: Benne
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Linden

Das Urteil war gnadenlos: Wegen „widernatürlicher Unzucht“ wurde Karl Wrampe im Juni 1941 nach dem berüchtigten Paragraphen 175 zu mehreren Jahren Zuchthaus verurteilt. In der NS-Zeit wurden Homosexuelle wie Wrampe, der bereits in den Zwanzigerjahren ein Schwulenlokal in der Schlägerstraße betrieben haben soll, besonders grausam bestraft.

Jetzt gibt es im Pflaster vor der Egestorffstraße 14, wo Wrampe einst lebte, einen Stolperstein, der seinen Namen trägt. Zum 13. Mal ist der Künstler Gunter Demnig in der vergangenen Woche nach Hannover gekommen, um jene Stolpersteine zu verlegen, die in Gehwegen an NS-Opfer erinnern. Insgesamt gibt es in Hannover jetzt 401 jener Denkmale im Miniaturformat – und jeder Stein erzählt von einem anderen Schicksal.

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Karl Wrampe kam in das Strafgefangenenlager Esterwegen und später in ein Lager in Norwegen. Nördlich des Polarkreises musste er unter härtesten Bedingungen im Straßenbau schuften. Erst im Dezember 1945 kam er frei – und kehre nach Hannover zurück.

Vergessene schwule Opfer

„Er organisierte hier Feste für Schwule“, sagt Rainer Hoffschildt, der seit langen das Schwul-lesbische Archiv Hannover betreut. Zu den Partys kamen Homosexuelle teils mit Bussen aus Hamburg angereist: „Anders als dort wurde es in Hannover toleriert, wenn Männer mit Männern tanzten“, sagt Hoffschildt.

Feierlich bettete Gunter Demnig den Stein in das Pflaster vor der Tür von Wrampes ehemaligem Wohnhaus ein. „Seine Geschichte kannte ich nicht – von nun an werde ich fast ehrfürchtig vor meine eigene Haustür treten“, sagt Evelyna Möllmann de Villalba, die in dem Haus lebt. „Wir werden über diesen Stein ab und zu stolpern“, versprach Daniel Gardemin (Grüne) als Vertreter des Bezirksrats.

Rainer Hoffschildt wünscht sich, dass der Stein an die vergessenen schwulen Opfer der Nazis erinnern soll: „Karl Wrampe soll damit einen Platz im öffentlichen Leben haben, und alle, die hier mit ihren Einkaufstüten langgehen, sollen sehen, dass er hier gelebt hat.“

Weitere Stolpersteine verlegte Demnig unter anderem in der Königsworther Straße 10 für Hedwig und Josef Kirchheimer. Der jüdische Kaufmann betrieb einen Textilgroßhandel in der Herschelstraße, er hatte im Ersten Weltkrieg das Eiserne Kreuz bekommen. Die Kinder des Ehepaars konnten emigrieren. Ihr Sohn Rudolf, der heute Bob Kirk heißt, kam 1939 mit einem Kindertransport nach England. Auf seinen Wunsch hin wurden auch die Stolpersteine für seine Eltern verlegt: Die Nazis verschleppten Josef und Hedwig Kirchheimer am 15. Dezember 1941 nach Riga. Ihr genaues Schicksal ist unbekannt.

Von Simon Benne

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