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Aus der Stadt Hannover: Das Straßenmagazin Asphalt feiert sein 25-jähriges Bestehen
Hannover Aus der Stadt

Hannover: Straßenmagazin Asphalt feiert 25-jähriges Bestehen

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00:18 20.06.2019
Vor 25 Jahren: Anzeigenberater Reinhard Baule (links) und Jürgen Grünberg arbeiten an der ersten Ausgabe der Obdachlosenzeitung „Asphalt“. Quelle: Archiv
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Hannover

„Am kommenden Dienstag ist Pressekonferenz, danach können wir nicht mehr zurück. “ Es war nicht nur Gründungseuphorie, die die Anfänge des StraßenmagazinsAsphalt“ im Herbst 1994 charakterisierte. Sätze wie dieser aus einem Redaktionsrundbrief kurz vor der ersten Pressekonferenz zeigen deutlich: Es schwang auch Angst vor der eigenen Courage mit, als das erste und bislang einzige Straßenmagazin Hannovers im September 1994 an den Start gehen sollte – als gemeinsame Gründung der Hannoverschen Initiative obdachloser Bürger (H.I.o.B.) und des Diakonischen Werkes.

Heute – 25 Jahre später – ist deutlich: Das Blatt hat sich schnell von dem Vorwurf einer Betroffenen-Gazette emanzipiert und zu einem anerkannten Straßenmagazin entwickelt. 95 Verkäufer gibt es nach Angaben von Redaktionsleiter Volker Macke derzeit in Hannover, niedersachsenweit sind es 160. Die Auflage liegt bei monatlich 23.000 Exemplaren. „Asphalt“ gehöre seit 25 Jahren ganz fest zum Stadtbild, gratulierte die städtische Sozialdezernentin Konstanze Beckedorf am Montag bei einer Pressekonferenz anlässlich des Jubiläums. „Das Besondere an ,Asphalt‘ ist, dass von Obdachlosigkeit bedrohte Menschen nicht als Bettler auf der Straße stehen, sondern ein gutes Produkt verkaufen“, betonte Regions-Sozialdezernentin Andrea Hanke. Das Magazin kostet derzeit 2,20 Euro, die Hälfte dürfen die Straßenverkäufer, allesamt Bedürftige, für sich behalten.

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Zeitgleich mit dem 25-jährigen Jahrestag von „Asphalt“ wird erstmals in Hannover noch bis zum 20. Juni der Weltkongress der Straßenzeitungen gefeiert. Darauf freuen sich Konstanze Beckedorf (von links), Georg Rinke, Andrea Hanke, Paola Gallo und Volker Macke. Quelle: Christian Behrens

Die Jubiläumsfeier fällt in diesem Jahr zudem besonders groß aus: Denn zeitgleich mit dem 25-jährigen Jahrestag von „Asphalt“ wird erstmals in Hannover noch bis zum 20. Juni der Weltkongress der Straßenzeitungen gefeiert. Das Modell der Straßenzeitungen gebe es aktuell in 35 Ländern der Welt, gemeinsam werde rund 21.000 Wohnungslosen geholfen, 5 Millionen Leser würden regelmäßig weltweit erreicht, sagte Paola Gallo, Geschäftsleiterin des Vereins Surprise/Schweiz und Vorstandsmitglied des INSP zum Auftakt des Kongresses. Die in Glasgow ansässige Wohltätigkeitsorganisation INSP (International Network of Street Papers) unterstützt derzeit mehr als 100 Straßenzeitungsprojekte in 35 Ländern. Sie feiert ebenfalls in diesem Jahr ihr 25-Jähriges, auch deshalb findet der Kongress diesmal in Hannover statt. 120 Redakteure, Vertriebler, Geschäftsführer, aus der ganzen Welt treffen sich in der niedersächsischen Landeshauptstadt, um gemeinsam nach besseren Wegen für Obdach- beziehungsweise Wohnungslose zu suchen. Ein Höhepunkt wird der Festakt zu 25 Jahre Asphalt am Donnerstag, 20. Juni, um 20 Uhr im HCC sein. Es sprechen unter anderem Ministerpräsident Stephan Weil und die ehemalige hannoversche Landesbischöfin und frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Margot Käsmann. Sie gehört seit Februar zum Herausgeberkreis von „Asphalt“. Die Veranstaltung ist ausverkauft.

Trotz aller Unterschiede in Ländern wie Südafrika, Japan, Australien, Mexiko, Kroatien oder Schweden gebe es Fragen, die alle Straßenmagazine beträfen, sagte Asphalt-Geschäftsführer Georg Rinke am Montag: zum Beispiel bei der Digitalisierung. Er könne sich gerade bei einem Straßenmagazin nicht vorstellen, dass es künftig als digitale Zeitung mit einem Barcode auf dem Handy verkauft werde. Es sei wichtig, dass die Bedürftigen etwas verkauften, dass man in den Händen halte: „Warum sollte das auf Papier gedruckte Straßenmagazin nicht der letzte Rufer in der Wüste sein.“

Von Jutta Rinas

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