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Aus der Stadt Kulturbruch für die Verwaltung in Hannover
Hannover Aus der Stadt Kulturbruch für die Verwaltung in Hannover
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05:35 28.07.2018
Der geforderte Stellenzuwachs im Rathaus sorgt für erbitterte Diskussionen. Quelle: dpa
Hannover

Von „Aufruhr“ ist die Rede. Ganz ernsthaft. Der Personalrat der Stadt Hannover ist hell entsetzt, weil ihm die Dezernentenrunde nicht die gewünschten bis zu 1000 zusätzlichen Stellen in der bereits rund 12 000 Personen starken Stadtverwaltung genehmigen will. Sogar einen Brandbrief an den Oberbürgermeister haben die Mitarbeiter verfasst, mit dem Ziel zu verhindern, dass der Stellenzuwachs auf „nur“ 350 neue Jobs zusammengestrichen wird. Die Empörung ist groß, was angesichts der Tatsache, dass solche Auseinandersetzungen zwischen Arbeitnehmer und Leitungsebene normal sein sollten, schon ein bisschen verwundert. Woher kommen diese Wut des Personalrats und dieser scharfe Ton?

Man muss dabei sicherlich berücksichtigen, dass die Arbeitnehmer in den vergangenen Jahren zuweilen zurückstecken mussten, als die Steuereinnahmen schlecht waren und die Stadt kürzen musste. Dass die Mitarbeiter nun auf Entlastung hoffen, ist verständlich, erklärt aber nicht das Ausmaß der Empörung. Die liegt eher darin begründet, dass das harte Nein der Dezernenten am Trammplatz eben kein normaler Vorgang ist – sondern fast ein Kulturbruch in der hannoverschen Verwaltung.

An der alten Kultur des mindestens sehr engen Miteinanders hatten viele ihren Anteil, die Verwobenheit von SPD und Gewerkschaft Verdi in der Stadt ist legendär. Verbunden war sie aber auch mit einem Namen, der in letzter Zeit häufig auftauchte: Harald Härke. Bis zum Herbst 2017 war er als Dezernent fürs Personal zuständig, davor war er lange angestellter Personalchef – und wieder davor selbst mal Chef des Personalrats. Er hatte ein offenes Ohr für die Bedürfnisse der Mitarbeitervertreter, in ihm hatten die Personalvertreter einen Verbündeten in der Rathausspitze.

Das ist vorbei. Nun liegt die Zuständigkeit bei Dezernentin Rita Maria Rzyski – einer Frau von außen. Sie ist eigentlich Schuldezernentin und muss ständig vor aufgebrachten Eltern und Lehrern erklären, warum das Geld wieder nicht reicht, um Toiletten zu sanieren. Oder die Schulen endlich ans Internet anzuschließen. Dass Rzyski in dieser Lage nicht bereit ist, mal so eben bald 1000 neue Stellen in der Verwaltung mitzutragen, darf niemanden verwundern. Ihr zur Seite steht der auch nicht zufällig im Rathaus platzierte junge Finanzdezernent Axel von der Ohe, der sachlich seine Bahn zieht – auch ohne Rücksicht auf die alten Seilschaften.

Der aktuelle Konflikt könnte dazu führen, dass sich das Verhältnis zwischen Personalvertretung und Rathausführung grundlegend ändert – und das würde auch Zeit. Denn offenbar haben sich in der Praxis der vergangenen Jahre die Maßstäbe verschoben. Klar ist: Hannover braucht eine arbeitsfähige Verwaltung und dafür ausreichend und gutes Personal. Aber das lässt sich nicht allein an Kopfzahlen bemessen. Die Verwaltung muss differenzieren lernen: Wo brauchen wir mehr Mitarbeiter, aber wo brauchen wir auch weniger? Welche Arbeiten lassen sich vereinfachen, wo hilft die Digitalisierung Bürgern wie Mitarbeitern? Wer jede Veränderung oder Arbeitsverdichtung immer mit zusätzlichen Einstellungen beheben kann, wird niemals gezwungen sein, auf Effizienz und Produktivität zu achten. Und das würde sich bald rächen – spätestens beim nächsten Haushaltsloch.

Von Heiko Randermann

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