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Aus der Stadt Test auf A 2 und A 7: Sichtschutzzäune sollen gegen Gaffer helfen
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Hannover: Test auf A2 und A7: Sichtschutzzäune sollen gegen Gaffer helfen

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00:25 17.06.2019
Diese Sichtschutzzäune sollen ab sofort auf den Autobahnen 2 und 7 im Raum Hannover aufgestellt werden, wenn es länger andauernde und besondere Unfälle gibt. Quelle: Verkehrsministerium
Hannover

Auf den Autobahnen 2 und 7 bei Hannover gibt es ein Pilotprojekt gegen Gaffer. Das Landesverkehrsministerium hat mobile Sichtschutzzäune angeschafft, die künftig den Blick auf Unfälle verstellen sollen. „Beim Versuch, neugierige Blicke zu erhaschen, bremsen Gaffer oft plötzlich ab und gefährden dadurch sich und andere“, sagt Minister Bernd Althusmann (CDU). Ähnliche Tests mit Sichtbarrieren in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern hätten gezeigt, dass die Maßnahme wirkt. Althusmann: „Wenn sich die positiven Erwartungen auch bei uns erfüllen, ist ein landesweiter Einsatz geplant.“

Einsatz bei lang andauernden Unfällen

Die Barrieren sollen laut Ministerium bei allen „länger andauernden, besonderen Unfallsituationen“ eingesetzt werden. So werden Opfer geschützt, Einsatzkräfte fühlen sich sicherer und können ungehindert arbeiten. Die Johanniter-Unfall-Hilfe Niedersachsen begrüßt den Vorstoß. „Gleichzeitig bedauern wir es sehr, dass diese Maßnahme überhaupt ergriffen werden muss“, sagt Thorsten Ernst, Bereichsleiter Einsatzdienste. „Aber zum Schutz der Intimsphäre der betroffenen Unfallopfer und auch zur Sicherheit unserer Einsatzkräfte ist dies leider ein überaus notwendiger Schritt.“

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Das Einsatzgebiet der Barrieren erstreckt sich auf der A 2 zwischen Bad Nenndorf und Hämelerwald sowie auf dem A-7-Abschnitt von Schwarmstedt/Berkhof bis zum Autobahndreieck Hannover-Süd. Damit die Sichtschutzzäune bei dem großen Gebiet möglichst schnell zu den Unfallstellen kommen, ist der Anhänger mit dem Equipment zentral bei der Autobahnmeisterei Hannover in Langenhagen stationiert. Die Polizei fordert die insgesamt 100 Meter langen Elemente vorerst immer nur dann an, wenn Unfälle eine Sperrung von mehr als zwei Stunden zur Folge haben.

Test läuft vorerst ein Jahr

Das Pilotprojekt ist auf ein Jahr angelegt und geschieht in Zusammenarbeit mit dem Landesinnenministerium. „Wir glauben, dass diese Sichtschutzzäune sinnvoll sind, und werden die Maßnahme gründlich evaluieren“, sagt Innenminister Boris Pistorius (SPD). Genaue Gafferzahlen gibt es in Niedersachsen allerdings nicht. Seit Jahren betreiben das Land, die Johanniter, der ADAC, die Landesverkehrswacht und der Landesfeuerwehrverband aber schon die Kampagne „Helfen statt gaffen“, da ein negativer Trend erkennbar sei.

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Nordrhein-Westfalen etwa ist vom Erfolg der Barrieren seit Einführung im Mai 2015 überzeugt. „Demnach normalisiert sich der Verkehrsfluss nach kurzer Zeit, sobald die Sichtbarrieren am Unfallort stehen“, heißt es auf der Webseite des dortigen Landesbetriebs Straßenbau. „Gibt es außer einer blickdichten Folie nichts zu sehen, ändert sich nach den bisherigen Erfahrungen auch das Verhalten der Verkehrsteilnehmer auf der Gegenfahrbahn.“

ADAC befürchtet verspäteten Aufbau

Der ADAC Niedersachsen unterstützt das Projekt zwar, übt aber an einer entscheidenden Stelle Kritik. „Die Zäune müssen bei Unfällen schnell zur Hand sein“, sagt Sprecherin Alexandra Kruse. Es bringe nichts, wenn die Sichtbarrieren erst mit Verspätung eintreffen „und schon viele Gaffer ihre Fotos gemacht haben“. Die Autobahnmeisterei starte ohnehin mit Zeitverzug und könne dann unter Umständen noch an Staus und fehlenden Rettungsgassen aufgehalten werden. Kruse: „In unseren Augen wäre es sinnvoller, wenn die Rettungskräfte die Sichtbarrieren dabei haben.“

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Von Peer Hellerling

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