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Aus der Stadt Unfallflucht: Fahrer von ADAC-Autotransporter muss um seinen Job bangen
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Hannover: Unfallflucht - Fahrer von ADAC-Autotransporter muss um seinen Job bangen

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12:43 04.01.2020
Die Spuren des Aufpralls gegen den Pfosten des Eingangstors waren nicht zu übersehen. Quelle: privat
Hannover / Langenhagen

Der Fahrer eines ADAC-Autotransporters hat mit seiner Weigerung, einen Strafbefehl wegen Unfallflucht zu akzeptieren, einen Totalschaden erlitten. Der 51-jährige Wilfried H. war am 21. November 2018 mit seinem 40-Tonner gegen den Torpfosten eines Langenhagener Autohauses gefahren – was der Fahrer aber trotz eindeutiger Zeugenaussagen bis zuletzt leugnete. Laut Strafbefehl hätte er eine Geldbuße von 900 Euro zahlen müssen und wäre mit einem sechsmonatigen Fahrverbot belegt worden. Nach seinem Einspruch und einer Verhandlung am Amtsgericht Hannover steht nun wegen der Unfallflucht eine Geldstrafe von 2000 Euro zu Buche. Außerdem ordnete Richter Reinhard Meffert einen neunmonatigen Entzug von H.s Fahrerlaubnis an – eine wesentlich härtere Sanktion als ein einfaches Fahrverbot. Der 51-Jährige musste seinen Führerschein, sichtlich konsterniert, noch im Gerichtssaal abgeben.

Lkw-Fahrer Wilfried H. (rechts) wurde von Anwalt Thorsten Hecke vertreten. Quelle: Michael Zgoll

Der an sich harmlose Unfall hatte sich an einem Mittwoch gegen 11 Uhr auf dem Gelände des VW-Autohauses am Friesenring ereignet. Der Lkw mit Rendsburger Kennzeichen musste einen defekten VW-Transporter anliefern, doch als der Berufskraftfahrer seine Tour fortsetzen und das Firmengelände rückwärts rollend verlassen wollte, war nahe der stabilen Umzäunung ein veritabler Knall zu hören.

Krachen war laut vernehmbar

Drei VW-Mitarbeiter wiederholten vor Gericht, was sie schon bei ihrer polizeilichen Vernehmung ausgesagt hatten: dass sie den Aufprall des Hängers gegen einen Metallpfosten des Schiebetors zwar nicht unmittelbar beobachtet, aber – nahe am Autotransporter stehend – ein lautes Krachen vernommen hätten. Ein Kfz-Mechatroniker konnte sich sogar erinnern, nach dem Aufprall ein Wippen der Zugmaschine wahrgenommen zu haben. Der Fahrer sei kurz ausgestiegen, so berichtete ein Verkaufsleiter, und wenig später kommentarlos vom Hof gerollt.

Der Schaden an dem im Randbereich eingeknickten Tor lag bei 5600 Euro, wahrscheinlich hätte ihn die Haftpflichtversicherung des Transporteurs klaglos beglichen. Doch Wilfried H. schaltete auf stur. Er beteuerte, nichts von einem Aufprall mitbekommen zu haben und wies mehrfach darauf hin, am Hänger keine Spuren eines Zusammenstoßes entdeckt zu haben. Er habe dessen Rückfront sogar abfotografiert und das Bild seinem Chef geschickt, dann habe er seine Tour ohne Arg fortgesetzt.

Kein Gutachter notwendig

Verteidiger Thorsten Hecke gab zu bedenken, dass der Pfosten vielleicht schon vorher beschädigt worden war. Doch seinen Antrag, den Auflieger von einem Sachverständigen untersuchen zu lassen, lehnte der Richter ab – das sei überflüssig, weil alle Indizien gegen den ADAC-Fahrer sprächen.

Ein bei den Straßenverkehrsbehörden unbeschriebenes Blatt ist H. nicht. Bereits sechsmal hatte er es so eilig, dass ihn Bußgeldbescheide ereilten. Nun darf sich der Berufskraftfahrer für mindestens neun Monate nicht mehr hinter das Steuer eines Fahrzeugs setzen – und damit dürfte sein Arbeitsplatz akut gefährdet sein.

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Von Michael Zgoll

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