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Aus der Stadt Versuchter Polizistenmord: Freispruch aus Mangel an Beweisen
Hannover Aus der Stadt Versuchter Polizistenmord: Freispruch aus Mangel an Beweisen
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16:19 28.02.2019
Der 62-jährige Jakub S. darf den Gerichtssaal als freier Mann verlassen. Quelle: Frank Wilde
Hannover

Freispruch aus Mangel an Beweisen: 34 Jahre nach einem Einbruch mit anschließenden Schüssen auf einen Polizisten hat der 62-jährige Kosovo-Albaner Jakub S. das Landgericht Hannover am Donnerstag nach insgesamt vier Prozesstagen als freier Mann verlassen. Die 13. große Strafkammer des Schwurgerichts sprach den Angeklagten vom Vorwurf des Mordversuches mit Verdeckungsabsichten und vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung frei.

Abgabe der Schüsse ist Angeklagtem nicht nachzuweisen

Zwar sei es erwiesen, dass der 62-Jährige vor 34 Jahren gemeinsam mit einem damals 19-jährigen Komplizen den Einbruch in ein Fachgeschäft für Windsurfartikel an der Brühlstraße begangen habe. Dass aber der Angeklagte selbst – und nicht sein bereits vor 43 Jahren verurteilter Komplize – die Schüsse auf den Polizisten abgegeben und den damals 24 Jahre alten Kriminalbeamten mit einem Treffer in den Rücken lebensgefährlich verletzt habe, sei nicht zweifellos nachweisbar, sagte die Richterin Hanni Pfeiffer in ihrer Urteilsbegründung. Der Kriminalbeamte hatte die Einbrecher bei ihrer Tat am 8. Juni 1984 von seiner Wohnung aus beobachtet und war ihnen unmittelbar danach in Zivil gefolgt. An den psychischen Folgen der späteren Schussverletzung leidet der inzwischen 59-Jährige laut seiner eigenen Zeugenaussage bis heute. Als den Pistolenschützen eindeutig identifizieren konnte er den Angeklagten 34 Jahre nach der nächtlichen Verfolgungsjagd aber nicht. Er hatte in seinen Aussagen lediglich zwischen einem größeren und einen kleineren Täter unterschieden. Als unwiderlegbaren Beweis wollte die Kammer unter dem Vorsitz der Richterin Pfeiffer dies nicht werten. Angesichts der Lichtverhältnisse und des traumatischen Erlebnisses sei ein Irrtum nicht auszuschließen, sagte die Richterin.

Komplize hat Strafe für Einbruch bereits abgesessen

Der Komplize des Angeklagten gilt zwar nach der Verhandlung wieder als Hauptverdächtiger für den Mordversuch und die Pistolenschüsse – auch, weil an seinen Händen kurz nach der Tat Schmauchspuren gefunden worden waren. Seine Rolle als Schütze hatte er aber immer abgestritten. Das Entscheidende: Er war bereits vor 34 Jahren festgenommen und später wegen Diebstahls mit einer Waffe zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt worden. Damit ist seine Beteiligung an dem Verbrechen bereits juristisch rechtskräftig abgegolten.

Opfer äußert sich nach Urteil empört

Die Kugel steckt nach wie vor im Rücken des Kriminalbeamten, der vor gut 34 Jahren Opfer eines Einbrechers wurde. Quelle: Michael Zgoll

Das bis heute unter den psychischen Folgen der lebensgefährlichen Schüsse leidende Opfer zeigte sich nach der Urteilsverkündung empört: „Mein Vertrauen in die Rechtsprechung ist richtig gestärkt worden“, sagte der inzwischen 59-Jährige zynisch. Der Prozess war in der vergangenen Woche eröffnet worden. Erst im August war der Tatverdächtige in Albanien aufgegriffen und nach Deutschland ausgeliefert worden. Nach der Tat im Juni 1984 war ihm trotz eines internationalen Haftbefehls nicht auf die Spur zu kommen. Erst 2016 nahmen sich Zielfahnder erneut des Falles an und konnten über Fingerabdrücke aus dem Kosovo einen Ermittlungserfolg vermelden.

Freigesprochener wird für unrechtmäßige Haft entschädigt

Nach dem Freispruch soll Jakub S. laut Urteil nun für seine unrechtmäßige Auslieferungs- und Untersuchungshaft finanziell entschädigt werden. Sollte das Urteil rechtskräftig werden und die Staatsanwaltschaft keine Revision anstreben, stehen ihm nach Angaben seines Verteidigers für jeden zu Unrecht abgesessenen Hafttag 25 Euro zu. Im September 2016 war der Verdächtige in Tirana verhaftet und kurzzeitig wieder entlassen worden. Im November 2017 wurde er erneut festgenommen und im August vergangenen Jahres nach Deutschland ausgeliefert.

Zunächst suchte die Polizei nach dem falschen zweiten Mann - dem Bruder von Jakub S., der jetzt auf der Anklagebank sitzt. Quelle: Archiv

Von Ingo Rodriguez

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