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Aus der Stadt Warnstreik am Flughafen – jeder dritte Flug fällt aus
Hannover Aus der Stadt Warnstreik am Flughafen – jeder dritte Flug fällt aus
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16:50 15.01.2019
Streikposten stehen während eines 24-stündigen Warnstreiks des Sicherheitspersonals in der Abflughalle A auf dem Flughafen. In Hannover fallen etwa ein Drittel aller Flüge aus. Quelle: Holger Hollemann/dpa
Hannover

Die Mitarbeiter des privaten Sicherheitspersonals am Flughafen Langenhagen sind den gesamten Dienstag in einen Warnstreik getreten. 24 Stunden lang legten bis zu 250 der insgesamt 500 Angestellten die Arbeit nieder, die im Auftrag der Bundespolizei die Sicherheitskontrollen übernehmen. Am Vormittag kamen zudem rund 140 Bedienstete zum Protestmarsch bis vor das Terminal A zusammen. Zahlreiche Flüge starteten mit teils erheblicher Verspätung oder wurden ganz gestrichen. Bundesweit wurden acht Airports bestreikt, darunter auch Bremen und Frankfurt.

„In vier Verhandlungsrunden haben es die Arbeitgeber nicht geschafft, ein verhandlungsfähiges Angebot vorzulegen“, sagte Verdi-Landesfachbereichsleiterin Ute Gottschaar auf der Demonstration. „Auch das Jüngste können sie sich in die Haare schmieren.“ Die Gewerkschaft fordert bundesweit 20 Euro für alle Bediensteten „an der Spur“, wie die Kontrolle im Fachjargon genannt wird. Bislang sind die Löhne regional sehr unterschiedlich: Einfache Angestellte in Hannover verdienen 15 Euro pro Stunde, in Hamburg sind es 17 Euro und in Leipzig/Halle bloß 11,90 Euro. Gottschaar: „Wir fordern ein Gehalt, mit dem man auch ohne Überstunden seine Miete bezahlen kann.“ Die Arbeitgeberseite stellt bis zu 6,4 Prozent mehr in Aussicht.

„Wir werden oft angepöbelt“

In Hannover müsse das Sicherheitspersonal teils in Zehn-Stunden-Schichten und sechs Tage in Folge nachts arbeiten. „Wir werden oft angepöbelt und müssen uns vorwerfen lassen, das Ganze sei bloß eine Beschäftigungstherapie“, sagte eine 27-jährige Demonstrantin, die anonym bleiben will. Maslanek Cezary, seit elf Jahren Teil des Sicherheitspersonals am Airport, bezeichnet seine Arbeit als „ziemlich anstrengend“. Die langen Schichten seien fordernd, hinzu kommen viele Überstunden sowie der Druck durch Vorgesetzte und Fluggäste.

Sicherheitsmitarbeiter am Flughafen Hannover fordern einen Stundenlohn in Höhe von 20 Euro.

In Hannover wurde ein Drittel aller Starts und Landungen gestrichen – 26 Abflüge und 16 Anflüge. Laut Bundespolizeisprecher Frank Steigerwald betrug die Verspätungszeit zwischen acht und 60 Minuten pro Flieger. „Aber wir haben alle Maschinen herausbekommen“, sagte er. Der Flughafen konzentrierte die Kontrollen für den gesamten Airport im Terminal A, dort waren stets zwei Spuren geöffnet. „Natürlich hätten wir auch Beamte an den Kontrollen einsetzen können, haben aber wegen unserer Neutralität darauf verzichtet“, so Steigerwald.

Während das Sicherheitspersonal draußen protestierte, bildeten sich im Terminal A lange Schlangen. „Wegen des Streiks sind wir extra früh hergekommen“, sagte Kubra Bilor, die mit Kollegen auf der Textilmesse Domotex gearbeitet hatte und nun nach Istanbul zurückfliegen wollte. „Wir unterstützen die Streikenden aber, ihre Arbeit ist wichtig“, so Bilor. Lucia Schmelzer kam bereits um 10.30 Uhr ins Terminal A, obwohl ihr Flieger nach Antalya erst um 13.25 Uhr abheben sollte. Die Auswirkungen des Streiks sah die 79-Jährige gelassen: „Es bringt ja eh nichts, wenn man sich aufregt.“

Warnstreiks sind unverhältnismäßig

Weniger Glück hatte Elena Glukhovchenko: Sie und ihr Mann wollten mittags mit Eurowings nach Wien fliegen, die Stadt besichtigen und am Mittwoch weiter in ihre südrussische Heimatstadt Krasnodar reisen. „Der Flug ist aber ohne Ankündigung gestrichen worden“, sagte die 61-Jährige. Die Airline wollte sie auf eine Maschine am späten Nachmittag umbuchen, doch der Kurzurlaub in Wien sei dennoch dahin. „Ich hoffe wenigstens, dass die Streikenden mehr Geld bekommen“, so Glukhovchenko. Sie hätten es verdient.

Der Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen bezeichnete die Warnstreiks als unverhältnismäßig und lehnt die 20 Euro Stundenlohn für alle Kontrolleure von Passagieren, Fracht und Personal ab. An manchen Standorten bedeute dies ein Plus von bis zu 44 Prozent. Laut Michael Rabe, Generalsekretär des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft, habe der bereits dritte Ausstand binnen zehn Tagen den Bogen „maßlos überspannt“. Detlef Ahting, Leiter des Verdi-Landesbezirks Niedersachsen-Bremen, konterte am Dienstag in Hannover: „Wer gute Leute und anständige Arbeit will, muss auch gute Löhne zahlen.“ Die nächste Verhandlungsrunde soll am 23. Januar in Berlin stattfinden.

Von Peer Hellerling

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