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Aus der Stadt Art-Déco-Schau führt ins Paris der Zwanziger
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Hannover: Wilhelm-Busch-Museum zeigt Art-Déco-Ausstellung

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20:00 20.09.2019
Ein eigener Kosmos: Museumsdirektorin Gisela Vetter-Liebenow mit einem Theaterplakat von René Gaillard. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Es ist ein nostalgischer Zauber, der die abgedunkelten Museumsräume durchweht. Es geht zurück ins Paris der Zwanzigerjahre, in die mondäne Welt von Pigalle und Boheme und Cabaret, in der die Femme fatale gern raffinierte Kleider trägt und Absinth trinkt. Das Grafikdesign erlebte damals eine Blütezeit, und die farbenprächtigen Plakate der Ausstellung „Art Déco“, die jetzt im Wilhelm-Busch-Museum zu sehen ist, hat viel vom Geist jener Epoche konserviert.

Mit Zigarre: Plakat mit Revuestar Mistinguett. Quelle: Tim Schaarschmidt

Nach der Katastrophe des Ersten Weltkriegs schufen Künstler in Paris mit brillanten Farben und aufwendigen Druckverfahren einen Kosmos, der von Lebensgier und Todesahnung geprägt war; eine verspielte und verruchte und verrückte Welt. Diese konnte in grellen Tönen die Ekstase feiern, doch sie ist auch voller Brüche und Abgründe. In einem Plakat von René Gaillards beispielsweise, das für das Theaterstück „Cocaine“ warb – die Droge war in den Zwanzigern in Paris legal – scheint ein Grünes Gespenst vom Montmartre Besitz zu ergreifen. Eine andere Plakatserie zeigt den Revuestar Mistinguett wahlweise mit Zigarre oder Rose zwischen den Zähnen. Eine selbstbewusste Frau neuen Typs.

Ausdruck eines Lebensgefühls

Das Haus im Georgengarten zeigt in der Ausstellung, die ursprünglich das Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg konzipiert hat, wertvolle Drucke und Bücher, Modezeichnungen, Zeitschriften und Dutzende von Plakaten. Am Eingang hängt das von Charles Loupot gestaltete Plakat für die „Exposition Internationale Arts Décoratifs“, für jene Ausstellung im Jahr 1925, die dem Art-Déco-Stil zu ihrem Namen verhelfen sollte.

Dekorativ: Peugeot-Werbeplakat von René Vincent, 1928. Quelle: Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

Der Stararchitekt Le Corbusier verwendete das Begriffskürzel eher abfällig: Ihm stand der Stil für inhaltsleere Verherrlichung von Luxus. Art Déco bezeichnete für ihn unpolitische, wenig sozialkritische Dekorationskunst. Dabei setzten die Künstler durchaus gesellschaftliche Zeichen: Der Plakatkünstler Paul Colin etwa half mit seinen Bildern der Karriere der Nachtclubkünstlerin Josephine Baker auf die Sprünge, die damals schwarze Musik und Tanz aus den USA nach Europa brachte (und später in die französische Ehrenlegion aufgenommen wurde). Eine Abbildung in der Ausstellung zeigt ihren berühmten Bananentanz. So spiegelte die Art-Déco-Kunst ein Lebensgefühl wider, das sie zugleich beförderte.

Im Bananenkostüm: Josephine Baker, porträtiert 1927 von Paul Colin. Quelle: VG Bild Kunst / Busch-Museum

Der Künstler A. M. Cassandre kreierte mit Reklameplakaten für Atlantik-Schiffe eine ganz eigene Bildsprache. Andere Grafiker entwarfen Werbeplakate für Unic-Schuhe, Peugeot-Automobile oder den Golfclub Monte Carlo, die ihren zeitlosen Charme bis heute entfalten. Die ästhetische Faszination von Art Déco ist nach fast 100 Jahren ungebrochen.

Mit „Wennerberg-Lächeln“

In einer zweiten, kleineren Ausstellung zeigt das Museum Arbeiten des aus Schweden stammenden Zeichners und Grafikers Brynolf Wennerberg (1866 bis 1950). Das passt zur Art-Déco-Schau, denn auch er schuf für Firmen wie Maggi oder Opel Plakatwerbung, die zeitlos schön wirkt. Ein Frauenporträt, das er für eine Hotelwäsche-Reklame schuf, wurde bis 1999 in der Werbung verwendet.

Daneben malte der Künstler emanzipiert anmutende Frauen, die oft ein selbstbewusstes „Wennerberg-Lächeln“ zeigen, wie Museumsdirektorin Gisela Vetter-Liebenow sagt. Mit seinen Arbeiten für den „Simplicissimus“ und die „Lustigen Blätter“ wurde Wennerberg sehr beliebt. Im Ersten Weltkrieg fabrizierte er indes auch propagandistische Bilder, in denen holde Mädchen den ins Feld ziehenden Soldaten schöne Augen machen. Diese wirken heute bestenfalls befremdlich. Unpolitische Kunst hat eben auch ihre Vorteile.

Das Wilhelm Busch Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst zeigt die Ausstellungen bis zum 17. November. Der reich illustrierte Katalog „Art Déco“ kostet 24,95 Euro. Am 12. Oktober präsentiert Evelin Förster einen Chansonabend. Infos: (0511) 16 99 99 11.

Von Simon Benne

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