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Aus der Stadt Die vergessene Kirche hinter dem Shisha-Shop
Hannover Aus der Stadt

Hannover-Wülfel: Katholische Gemeinde St. Michael Wülfel feiert 50-jähriges Jubiläum

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10:00 09.11.2019
Abstellraum mit Buntglasfenstern: Juliane Rudolph in der früheren Notkirche St. Michael in Wülfel. Quelle: Simon Benne
Wülfel

Staub hat sich auf die Gerätschaften gelegt, die hier lagern: Schneeschieber, Bretter, Gartenstühle. „Dort war der Altarraum“, sagt Juliane Rudolph und deutet zur Rundung im Mauerwerk des Lagerraums.

Es ist ein verwunschener Ort: Über Jahrzehnte hinweg feierten Gläubige hier ihre Gottesdienste. Hier wurden Menschen getauft, verheiratet und betrauert. Und auch nach 50 Jahren erinnert einiges daran, dass der heutige Abstellraum einmal ein Gotteshaus war: Stilisierte Kreuze zieren die Buntglasfenster, die hohe Decke gleicht einem Gewölbe, und in der Wölbung schimmert ein Teil einer alten, übertünchten Wandmalerei durch: „Quis ut deus“ steht dort auf einem mittelalterlich anmutenden Schild: „Wer ist wie Gott“, die lateinische Übersetzung des hebräischen Erzengel-Namens Michael.

Wülfels vergessene Kirche heute

Seit 1969 im Dornröschenschlaf

„Die frühere Sakristei ist später zur Küche umgebaut worden“, sagt Rudolph. Das war lange, bevor die 30-jährige Wülfelerin geboren wurde. Im Jahr 1969 pachtete ihre Familie das langgestreckte Fachwerkgebäude vom Bistum Hildesheim. Damals hatten Wülfels Katholiken gerade die neue St.-Michael-Kirche an der Hildesheimer Straße bezogen; am 30. November weihte Weihbischof Heinrich Pachowiak das moderne Gotteshaus.

Verborgen hinterm Shisha-Shop: Der langgestreckte Fachwerkbau an der Hildesheimer Straße war einst die katholische Kirche St. Michael. Quelle: Benne

Mit dem Umzug fiel die bisherige Kirche auf der anderen Straßenseite in einen Dornröschenschlaf: Die Firma Elektro-Rudolph nutzt sie seither als Lager, im früheren Pfarrhaus war lange der Laden des Familienbetriebs. Seit einiger Zeit hat hier ein Shisha-Shop sein Domizil.

Wülfels ältester Kirchturm

Als die Gemeinde 1969 ihr angestammtes Gotteshaus aufgab, endete ein Stück Wülfeler Kirchengeschichte: Im Jahr 1921 – die Zahl der Katholiken in Hannovers Süden wuchs durch Zuzüge von Industriearbeitern aus dem Eichsfeld – hatte die Kirchengemeinde eine bisherige Gaststätte samt Tanzsaal und Kegelbahn gekauft, um hier eine provisorische Notkirche einzurichten. Der langgestreckte Fachwerkbau, errichtet um 1890, bekam ein kleines Glockenhaus aufgesetzt. Bis heute darf der Dachreiter für sich einen Superlativ beanspruchen: Er ist der älteste erhaltene Kirchturm von Wülfel.

„Quis ut deus“: Reste von Wandmalereien erinnern in dem Lagerraum an die Vergangenheit als Kirche. Quelle: Benne

„Die Kirchenglocke blieb beim Umzug 1969 in der alten Kirche hängen“, sagt Gemeindemitglied Michael Gödeke. Erst jetzt hat ein gutes Dutzend Helfer des THW die schwere Glocke in einer großangelegten Aktion aus dem Turm geborgen. Das historische Stück, das laut einer Inschrift 1922 in Apolda-Bockenem gegossen wurde, soll am 1. Dezember mit einer Prozession in die heutige St.-Michael-Kirche übertragen werden. Gut 50 Jahre nach dem letzten Gottesdienst im heutigen Lagerraum.

St. Michael feiert Jubiläum

Mit zahlreichen Veranstaltungen feiert die Gemeinde das 50-jährige Bestehen der St.-Michael-Kirche in Wülfel. Die Festwochen beginnen am Sonntag, 17. November, um 18.30 Uhr mit einem Festgottesdienst mit der Musikgruppe Taktlos. Danach hält Denkmalpfleger Stefan Amt gegen 19.30 Uhr einen Vortrag zur Geschichte der denkmalgeschützten Kirche. Bis zum dritten Advent stehen jeweils sonntags um 18.30 Uhr besondere Gottesdienste auf dem Programm.

Am Dienstag, 19. November, beginnt um 19.30 Uhr im Pfarrheim eine Diskussion mit Domkapitular Martin Tenge und Staatssekretärin Maria Flachsbarth (CDU) zum Thema Politik und Kirche. Am 1. Dezember, 16 Uhr, treffen sich Ehemalige aus der Jugendarbeit im Pfarrheim. Unter dem Titel „Vom Tanzsaal zum Gotteshaus“ spricht der Journalist Bernward Kalbhenn am 3. Dezember, 19.30 Uhr, über die Geschichte von Wülfels Katholiken. Und am 25. Januar, 19 Uhr, gibt es zum Abschluss ein Gospelkonzert mit dem Chor ThoMoRoVoices.

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Von Simon Benne

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