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Aus der Stadt Zirkus Knie: „Wir wollen mit Vorurteilen aufräumen“
Hannover Aus der Stadt Zirkus Knie: „Wir wollen mit Vorurteilen aufräumen“
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00:17 26.03.2019
Stars auf vier Pfoten: die Raubkatzen von Alexander Lacey sind die Hauptattraktion im Zirkus Knie. Quelle: Villegas
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Hannover

Ein Tag der offenen Tür – das kann beunruhigend klingen, wenn man es mit Raubtierkäfigen zu tun hat. Doch die Gitter sind lückenlos stabil, als Kaschmir und seine Kollegen in die Manege schleichen. Der Tiger schaut das Publikum in der ersten Reihe an wie andere Leute ihr Mittagessen, doch Dompteur Alexander Lacey busserlt die Raubkatze zärtlich: „Kaschmir schläft bei uns im Wohnwagen“, sagt der Brite, und man weiß nicht genau, wie ernst er das meint.

Tag der offenen Tür im Zirkus Knie

Mehrere Hundert Besucher sind am Sonnabendvormittag auf den Schützenplatz gekommen, zum Tag der offenen Tür beim Zirkus Charles Knie, der dort derzeit gastiert. „Unser Zirkus ist wie eine Stadt in der Stadt“, sagt Moderator Thorsten Brandstätter. Fast 100 Menschen arbeiten im zweitgrößten Zirkus Deutschlands, vom Artisten bis zur Kartenverkäuferin.

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Es gibt einen Artistenworkshop für Kinder, Clown Gino bindet Luftballons zu Tierfiguren, Jungen und Mädchen dürfen auf Ponys reiten. Vor allem aber kann das Publikum zwischen den Käfigen und Gehegen hindurch schlendern, in denen Tiger, Zebras und Kamele leben – schön voneinander getrennt natürlich. „Ich hatte mir die Tierhaltung hier schlimmer vorgestellt“, sagt ein Besucher.

„Den Tieren geht es gut“

Die Raubkatzen von Alexander Lacey sind die Stars beim Zirkus Knie. Der Dompteur demonstriert dem Publikum, wie seine Löwen und Tiger auf Wörter, Berührungen und Signale mit Stöcken reagieren. „Sie müssen Respekt haben, aber keine Angst“, sagt der Brite, der die Tiere immer wieder mit Fleischstückchen belohnt, wenn sie von einem Podest zum anderen gesprungen sind.

Eigentlich lebt Zirkus von Illusionen; davon, dass das Publikum nicht bemerkt, wie der Sternenstaub über die Szenerie gepustet wird. Transparenz und Blicke hinter die Kulissen vertragen sich damit eigentlich schlecht. Trotzdem gibt es diesen Tag der offenen Tür – und zwar nicht nur, um die Werbetrommel für die Vorstellungen zu rühren.

„Wir wollen auch mit Vorurteilen aufräumen“, sagt Direktor Sascha Melnjak. Immer wieder gibt es Proteste von Tierschützern, die Zirkussen vorwerfen, ihre Tiere nicht artgerecht zu halten. In der modernen Dressur würden Tiere aber eben nicht mit der Peitsche misshandelt, sondern mit Belohnungen gelockt, versichert Direktor Melnjak. „Das Publikum soll sehen, wie wir mit den Tieren arbeiten – sie haben es gut bei uns.“ Mit Fleischstückchen zumindest werden Kaschmir und seine Artgenossen bei diesem öffentlichen Training reichlich bedacht – und am Ende gibt es für sie viel Applaus vom Publikum.

Zirkus Knie ist bis zum Montag, 1. April, in Hannover. Karten gibt es unter (0171) 9462456.

Von Simon Benne

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