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Aus der Stadt Peter Brückner: „Wer nachdenkt, sollte gewissenlos sein“
Hannover Aus der Stadt Peter Brückner: „Wer nachdenkt, sollte gewissenlos sein“
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00:20 24.11.2018
Peter Brückner im Oktober 1981, wenige Monate vor seinem Tod. Quelle: Hans Jürgen Fratzer, HAZ-Archiv
Hannover

 

Peter Brückner entschied sich, zu schweigen. Kein Wort darüber, ob Staatsanwalt Nikolaus Borchers im Prozess richtig lag mit seinem Vorwurf, der angeklagte hannoversche Professor für Psychologie habe im Oktober und November 1970 Ulrike Meinhof Unterschlupf gewährt, immerhin eine wegen Mordversuchs steckbrieflich gesuchte Frau. Zeugen aus dem Umfeld der Baader-Meinhof-Gruppe hatten Brückner zuvor beschuldigt. Das Urteil des Landgerichts Hannover im Oktober 1975: 4800 Mark Geldstrafe wegen Begünstigung. Fallen gelassen wurde der Vorwurf, der Gelehrte unterstütze eine kriminelle Vereinigung. Borchers sprach, milde, nur noch von „unreflektierter Solidarität“.

Peter Brückner war eine Ikone der Studentenbewegung nicht nur an der Universität Hannover. Er war Marxist, Mitglied im Sozialistischen Deutschen Studentenbund und an der geisteswissenschaftlichen Fakultät neben Kollegen wie Jürgen Seifert und Oskar Negt intellektueller Leuchtturm für Studierende. Immer wieder beschäftigte Brückner sich mit Terrorismus und Stadtguerilla, die er als eine Form von Gesellschaftskritik sah und deren Ursachen er verstehen wollte. Einer seiner Leitsätze: „Wer nachdenkt, sollte gewissenlos sein.“ Diese Art von Verstehen-Wollen begriffen andere jedoch nicht als Wissenschaft, sondern als klammheimliche Sympathie. Seine Beharrlichkeit hatte für Brückner gravierende Folgen.

Die erste Suspendierung sprach im Januar 1972 Niedersachsens Kultusminister Peter von Oertzen aus, ein linker Sozialdemokrat. Anlass war jener Meinhof-Verdacht. Die Debatten darüber neigten ins Hysterische. Im Landtag erklärte der emsländische Katholik und CDU-Abgeordnete Werner Remmers: „Es ist revolutionären Kräften gelungen, Positionen in den Hochschulen zu besetzen, von denen aus ein systematischer Kampf gegen die freiheitliche Demokratie geführt wird. Sollen wir die Brandstifter der Demokratie auch noch beherbergen und beköstigen?“

Aus Sicht der linken Studentenschaft waren genau das Angriffe, die sich nicht allein gegen Brückner richteten. Das „Komitee Solidarität mit Peter Brückner“ veranstaltete im Lichthof der Universität ein „Teach-In“ und unterstellte Kritikern, „dass schließlich die kritische Intelligenz, die sozialistische Opposition überhaupt, liquidiert werden soll“. Studenten protestierten gegen Brückners Rauswurf und einmal reisten 600 Kollegen aus ganz Deutschland nach Hannover, um für eine freie Wissenschaft zu demonstrieren.

Der ersten Suspendierung, zuvor zurückgenommen, folgte im Oktober 1977 ein zweites Lehr- und Hausverbot für Hannovers Universität. Brückner hatte gemeinsam mit Hochschullehrern den sogenannten „Buback-Nachruf“ herausgegeben und dokumentiert. Darin hatte ein Göttinger Student seine „klammheimliche Freude“ an der Ermordung von Generalbundesanwalt Siegfried Buback geschildert. Minister Eduard Pestel sah die Gefahr, dass der Professor seinen Studenten weiter verfassungsfeindliches Gift einträufeln würde. Der Bundesgerichtshof entschied schließlich 1980: Die Herausgabe war nicht strafbar. Suspendierung und Gehaltskürzung um ein Drittel blieben bestehen. Peter Brückner starb 1982 im Alter von 59 Jahren in Nizza.

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Von Gunnar Menkens

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