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Aus der Stadt Hannover will mehr internationale Kongresse
Hannover Aus der Stadt Hannover will mehr internationale Kongresse
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07:00 04.03.2019
„Hannover ist dank seiner gut ausgebauten Infrastruktur und seiner Zentralität in Europa bereits ein gefragter Kongressstandort“: Großveranstaltung in der Tui-Arena. Quelle: Clemens Heidrich (Archiv)
Hannover

Der Niedergang der Computermesse Cebit hat Hannover erstmals seit Jahren einen Rückgang bei den Übernachtungszahlen beschert. 2,25 Millionen Mal wurden Hotelbetten in der Stadt genutzt – ein Minus von 1,3 Prozent für das vergangene Jahr. Region, Marketinggesellschaft und Hotellerie starten jetzt eine Initiative, um mehr Kongresse nach Hannover zu holen. Die Fachtagungen sollen ausgleichen, was an Messebesuchern verloren geht – und zugleich Millionen erwirtschaften. „Kongresse sind ein hochattraktives Geschäft für Großstädte“, sagt Regions-Wirtschaftsdezernent Ulf-Birger Franz: „Andere sind bereits weiter bei der aktiven Akquise.“

Weniger Übernachtungen in der Stadt, mehr im Umland

Dem Übernachtungs-Minus in der Stadt Hannover steht ein deutliches Plus bei den Hotels und Herbergen im Umland gegenüber, sodass die Marketinggesellschaft für die Gesamtregion trotzdem ein Plus von einem Prozent auf 4,05 Millionen Übernachtungen konstatiert. Dabei spielen längst auch Kongresse und Großtagungen eine Rolle. „Im vergangenen Jahr hat es gut 30 Kongresse mit mehr als 300 Teilnehmern gegeben“, sagt Hans-Christian Nolte, Chef der Marketing- und Tourismusgesellschaft HMTG. Hinzu kämen rund zwei Dutzend Großevents auf dem Messegelände wie der Edeka-Servicetag oder Mitarbeiterveranstaltungen etwa von Mercedes. „Hannover ist dank seiner gut ausgebauten Infrastruktur und seiner Zentralität in Europa bereits ein gefragter Kongressstandort – aber wir können diesen Bereich noch stark ausbauen“, ist Dezernent Franz sicher.

Kongressbüro Hannover arbeitet zurzeit „gut, aber nur reaktiv“

Messe und das Congress-Centrum HCC arbeiten bei der Betreuung von Kongressanfragen bereits zusammen. Zudem kümmert sich das sogenannte Kongressbüro Hannover darum, bei Anfragen von Veranstaltern Kontakte zu vermitteln und Programme zu organisieren. Das bei der HMTG-Tochter HVG angesiedelte Büro umfasst aber nur 1,5 Personalstellen. Unter der Adresse visit-hannover-com hat das Team etwa von allen großen Tagungslocations 360-Grad-Panoramabilder ins Internet gestellt, wo Veranstalter Kongressräume begutachten können – von den Sälen des Congress-Centrums HCC bis zu großen Hotels wie Wienecke, vom Expo-Wal bis zu Convention-Center auf dem Messegelände. „Das Büro arbeitet gut – aber nur reaktiv“, sagt Dezernent Franz. Was bisher völlig fehle, sei die Akquise vor allem auf internationalen Märkten. Dafür müsse mehr Personal eingestellt werden.

Bei Kongressen aus Nordamerika macht man sich wenig Hoffnung – der Flughafen in Langenhagen hat immer noch keine direkte Intercontinentalflugverbindung. Das gesamte europäische Ausland aber gilt als weithin unbeackertes Feld – und andere Kongressstädte wie Berlin, München, Hamburg oder Köln buhlen kräftig um Veranstaltungen.

Kongresse sind „ein gewaltiger Markt mit Milliardensummen“

Bei Kongressen lockt hoher Profit. „Es ist ein gewaltiger Markt mit Milliardensummen“, sagt Marketingchef Nolte. 2014 hatte die HMTG vom Dienstleister Dwif errechnen lassen, dass die damals 3,69 Übernachtungen regionsweit einen touristischen Bruttoumsatz von 2,6 Milliarden Euro und ein Steueraufkommen von 242 Millionen Euro erwirtschaftet haben. Inzwischen sind die Übernachtungszahlen um 10 Prozent gestiegen. Das Geld fließt dem Dwif zufolge mitnichten nur in die Hotellerie, die regionsweit etwa 11,4 Prozent abschöpfte. Der größte Brocken kommt der Studie zufolge dem Einzelhandel zugute, der 43,6 Prozent oder 1,14 Milliarden Euro umsetzte, Lebensmittelkäufe der Hotellerie eingeschlossen. Die Gastronomie hat demnach 24,6 Prozent erhalten, auf Freizeit/Unterhaltung entfielen 12,2 Prozent, das Transportgewerbe nahm etwa 1,5 Prozent ein – immerhin noch fast 40 Millionen.

Die Daten sollen jetzt neu analysiert werden, zudem will die Region den Aufbau einer schlagkräftigen Kongressakquise mit 200 000 Euro unterstützen. „Wir hoffen, dass sich weitere Partner etwa aus dem Hotelgewerbe beteiligen“, sagt Franz. Das muss ein Interesse daran haben: In den kommenden Jahren sind in Hannover zwölf Hotelneu- oder ausbauten geplant. Die Konkurrenz auf dem Markt wird also größer.

Von Conrad von Meding

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