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Aus der Stadt Müllgebühren: Hannover gehört zum teuersten Drittel der deutschen Städte
Hannover Aus der Stadt

Hannover zählt bei Müllgebühren-Vergleich zu den teuersten Städten

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00:23 08.06.2019
Symbolbild Quelle: dpa
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Hannover/Berlin

Bei den Müllgebühren zählen Hannover und das Umland mittlerweile zum teuersten Drittel bundesweit. Aus einer aktuellen Studie zu den Kosten in Deutschlands 100 größten Städten, die das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) für den Eigentümerverband Haus und Grund berechnet hat, hat sich das Gebührensystem des regionalen Abfallentsorgers Aha von Platz 53 auf Platz 71 verschlechtert. Erst Anfang Mai hatte eine Erhebung des Bundes der Steuerzahler (BdSt) ergeben, dass in keiner deutschen Großstadt die Wohnnebenkosten so stark steigen wie in der niedersächsischen Landeshauptstadt – und dass Gebührenzahler in Hannover beim Müll die bundesweit höchsten Kosten haben, wenn nur die Großstädte herangezogen werden. Die Haus- und Grund-Studie aber ist mit 100 Vergleichsstädten deutlich komplexer angelegt.

Regionsweit gleiches Gebührensystem bei verschiedenem Abfuhrsystem – das treibt die Kosten

Müllgebührenvergleiche sind immer kompliziert, weil in fast allen Städten unterschiedlicher Service hinter den Preisen liegt. In Hannover ist die Situation besonders schwierig, weil sich die Regionspolitik seit Jahren nicht durchringen kann, ein einheitliches Abfuhrsystem zu beschließen. In der Stadt sind für Restmüll Tonnen vorgesehen, im Umland ist auch Restmüllabfuhr in Säcken erlaubt, was nach Angaben von Aha die Kosten treibt. Problematisch ist, dass trotz der Unterschiede in der Abfuhr nach langem Streit ein einheitliches Gebührensystem für Stadt und Umland beschlossen wurde. So sind für Mehrfamilienhäuser in Hannover die realen Gebühren bei gleichbleibendem Service seit 2002 um 300 Prozent gestiegen, wie eine Beispielrechnung zeigt:

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So haben sich die Aha-Müllgebühren im Stadtgebiet Hannover konkret verändert: Seit Euro-Einführung 2002 gab es eine Steigerung für ein Mehrfamilienhaus im Stadtgebiet von 489,60 € auf 1567,80 €. Quelle: Meding

Gebühren in Hannover um 300 Prozent gestiegen

Im Zuge der jahrelangen, zähen und am Ende gescheiterten Debatte um eine mögliche Vereinheitlichung der Müllabfuhr in Stadt und Umland hat es mehrere Veränderungen im Gebührensystem gegeben, erzwungen unter anderem durch Klagen. Dabei hat der Abfallwirtschaftsbetrieb Aha mehrfach Berechnungen vorgelegt, die zeigen sollten, dass die Gebührensteigerungen für einzelne Nutzergruppen nur moderat seien. Da lohnt ein Blick in die realen Abrechnungen – in unserem Beispiel ein Mehrfamilienhaus in Hannover-Mitte mit zehn Wohnungen und durchgehend etwa 20 Bewohnern, wo die Restmülltonne (120 Liter) zweimal wöchentlich abgeholt wird. Die Gebühren betrugen bei gleichbleibendem Service im Jahr 2002 zur Euro-Einführung 489,60 Euro im Jahr. Im aktuellen Gebührenbescheid für 2019 betragen sie 1567,80 Euro. Das ist mehr als eine Verdreifachung der Gebühren in 17 Jahren. Rechnet man die Inflation mit jährlich gerundet 2 Prozent raus (166 Euro), so sind die Gebühren immernoch um das Zweieinhalbfache gestiegen.

Nürnberg, Flensburg und Magdeburg sind top bei Müllgebühren

Vorzeigestädte in der aktuellen IW-Studie sind Nürnberg, Flensburg und Magdeburg, wo die gemittelten jährlichen Abfuhrkosten für einen Musterhaushalt mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern in einem Einfamilienhaus zwischen 123 und 147 Euro lagen. Auch Braunschweig platziert sich mit 249 Euro (35. Stelle im Ranking) nicht schlecht. Teuerste Städte hingegen sind Bergisch-Gladbach, Moers und Leverkusen, die zwischen 443 und 770 Euro liegen. Hannover platziert sich mit einem errechneten Mittelwert von 352 Euro im schlechten Drittel des Städtevergleichs auf Platz 71. Die Vorgängerstudie nach gleichem Erhebungsmuster, in der Hannover auf Platz 53 landete, stammt von 2016.

Die neue Studie: Die Kosten der Müllabfuhr im Vergleich:

Haus & Grund: Städte sollen voneinander lernen

Der Eigentümerverein wolle mit der Studie „die Grundlage für weitere Diskussionen und Untersuchungen in den verschiedenen Städten“ legen, sagt Kai Warnecke, Präsident von Haus & Grund Deutschland. Die Gründe für die hohen Kosten müssten „analysiert und benannt“ werden, die zuständigen Kommunen dürften „Verantwortungen nicht auf andere Ebenen wie Bund und Land“ abschieben: „Jeder muss vor seiner Haustür kehren.“ Der Verband wolle über eine erhöhte Preis- und Gebührentransparenz „den notwendigen Druck erzeugen, der die Preise für viele Verbraucher sinken lässt“. Ausdrückliches Ziel sei, die Kommunen „zu einem Zusammenarbeiten und Voneinander-Lernen zu ermutigen“.

Aha: Wir bieten viel Service fürs Geld

Der Abfallentsorger Aha findet die „Abfuhr in der Region Hannover nicht vergleichbar mit anderen Städten, die zum Vergleich herangezogen werden“. Etwa wegen der langen Wege, die die Müllwagen in Hannovers Umland fahren müssen, was in rein großstädtischen Gebührensystemen anderer Städte nicht zubuche schlage – was den Bewohnern in Hannover-Stadt allerdings nicht viel nützt. Sprecher Stefan Altmeyer argumentiert zudem, dass in Hannovers Müllgebühren vergleichsweise viel Service inbegriffen sei, etwa das bundesweit größte Netz an kostenlos nutzbaren Wertstoffhöfen oder die kostenlose Sperrmüllabfuhr vor der Haustür. Allerdings hatte der Städtevergleich des BdSt gezeigt, dass derartiger Service inzwischen auch in vielen anderen Städten geboten wird – bei durchgehend niedrigeren Gebühren in allen anderen Großstädten.

Der Zweckverband Region Hannover (aha) hält Hannover sauber. Das müssen Sie zu aha wissen.

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Von Conrad von Meding

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