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Aus der Stadt Die HAZ-Leser sind gefragt: Stimmen Sie über den „Leinestern“ ab!
Hannover Aus der Stadt

Hannovers Ehrenamtspreis wird vergeben: Stimmen Sie über den „Leinestern“ ab!

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21:44 14.07.2021
Im September wird der „Leinestern“ vergeben - der Ehrenamtspreis für die Region Hannover. Über die Gewinner entscheidet nun die HAZ-Leserschaft.
Im September wird der „Leinestern“ vergeben - der Ehrenamtspreis für die Region Hannover. Über die Gewinner entscheidet nun die HAZ-Leserschaft. Quelle: Freiwilligenzentrum
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Hannover

Mit insgesamt 10.000 Euro fördern das Freiwilligenzentrum Hannover, die Stiftung Sparda-Bank Hannover und die HAZ-Redaktion erneut das Ehrenamt in der Region Hannover. Die Verleihung des „Leinestern“ zeichnet alle zwei Jahre besonders engagierte Menschen aus, die in Projekten gemeinnütziger Organisationen aktiv sind. Zudem konnten sich Freiwillige auch selbst vorschlagen.

Eine Jury hat nun in drei Kategorien die Nominierten ausgewählt. Nun können HAZ-Leser und -Leserinnen über eine Onlineabstimmung ihre Favoriten wählen. Dazu nutzen Sie einfach die Eingabemaske und stimmen Sie für Ihren Favoriten. Die Abstimmung läuft bis Freitag, 23. Juli 2021. Die Schirmherrschaft für die siebte Ausgabe der Auszeichnung hat Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne) übernommen. Am 25. September werden die Ehrenamtspreise bei einer Gala übergeben.

Hier geht es direkt zur Abstimmung

Kategorie Kunst und Kultur

Jörn Marcussen-Wulff unterstützt Musiker und Musikerinnen mit der „Jazzhilfe Hannover“. Quelle: Katrin Kutter

Engagement gehört zum guten Ton

Der Komponist, Arrangeur und Posaunist Jörn Marcussen-Wulff kümmert sich als erster Vorsitzender der Jazz Musik Initiative Hannover ehrenamtlich um Netzwerkarbeit und um Festivals wie die „Jazzwoche Hannover“ und die wöchentlichen „Linden Jazz Sessions“. Aber Konzerte in einer Pandemie zu veranstalten, ist kaum möglich. Die Künstlerinnen und Künstler leiden entsprechend nicht nur wirtschaftlich. „Wenn wir aber Kultur erhalten und stärken wollen, müssen wir etwas für die Gemeinschaft tun“, sagt Marcussen-Wulff.

Er gründete daher gemeinsam mit der Tonhalle Hannover die „Jazzhilfe Hannover“ und lud zu Spendenaktionen ein. Etwa 40.000 Euro wurden dabei gesammelt. Mehr als 90 Musiker und Musikerinnen erhielten schon Unterstützung über künstlerische Arbeitsaufträge. Das Projekt wird fortgesetzt. Sein Engagement sieht Marcussen-Wulff nicht als Eigennutz. Es geht dem 40-Jährigen Gründer der Bigband Fette Hupe auch nicht um die eigene Musikbegeisterung. „Wenn die Stadt eine lebendige Szene langfristig halten möchte, müssen wir uns alle engagieren.“ Es geht um die grundsätzliche Stärkung der Kulturszene – klingt gut.

Musik hilft heilen. Da ist sich der Gründer der Initiative Klassik in der Klinik, Manfred Günther, sicher. Darum vermittelt er Musiker und Musikerinnen zum Beispiel an Krankenhäuser. Quelle: Tim Schaarschmidt

Musik hilft heilen

Der Kontrabassist Manfred Günther lebt für die Musik. Er spielte im Sinfonieorchester des Saarländischen Rundfunk und am Hessischen Staatstheater und war 35 Jahre Mitglied der NDR-Radiophilharmonie. Bei einem Lions-Treffen entstand die Idee, sich für junge Musiker und Musikerinnen einzusetzen. „Ich weiß wie schwer es ist, passende Auftritte zu finden“, sagt Günther. Gleichzeitig wollte er mit Konzerten Menschen in sozialen Einrichtungen begeistern. Also gründete er 2009 den Verein Klassik in der Klink und vermittelt seitdem ehrenamtlich talentierte Künstler und Künstlerinnen an Hospize, Senioreneinrichtungen und Krankenhäuser. Am Anfang waren es zehn Konzerte im Jahr, später bis zu 160 Auftritte. „Für den sozialen und musikalischen Reifeprozess der jungen Künstler ist es eine besondere Erfahrung, mit ihren Darbietungen das Miteinander der Generationen zu fördern und zu intensivieren“, sagt der 76-Jährige. Die Reaktionen der Bewohner in den Einrichtungen und des Personals seien äußerst positiv. „Uns wurde gesagt, dass wir der Sonnenschein im Alltag sein“, erzählt Günther. Der Bedarf nach Konzert sei immens. „Denn Musik hilft heilen.“

Kategorie Erziehung und Bildung

Sie engagiert sich für Chancengleichheit im Bildungsbereich: Jasmin Friedberg ist an der IGS Garbsen aktiv. Quelle: Tim Schaarschmidt

Hilfe zur Selbsthilfe für Schüler

Für Jasmin Friedberg ist auch Bildung eine Frage der konkreten Unterstützung für sämtliche Schüler und Schülerinnen. Seit 2017 engagiert sich die 27-Jährige darum für den Verein Chancenwerk an der IGS Garbsen. Sie koordiniert dabei ein Team von neun studierenden Mitarbeitern, die Fortbildungskurse für die Schülerschaft anbieten. Die Studierenden vermitteln dabei nicht nur Wissen. Die Beteiligten lernen, sich zu organisieren, verbessern ihre sozialen Kompetenzen und steigern Selbstvertrauen und Verantwortungsbewusstsein. „Mir ist wichtig, dass alle Schüler und Schülerinnen die Möglichkeit haben, Unterstützung zu erfahren“, sagt Friedberg. Die Angebote sind daher kostenfrei. Das gegenseitige Kümmern sorgt zudem für einen neuen Zusammenhalt der Schulgemeinschaft – auch in der Corona-Krise. So war Friedberg auch in den Lockdown-Phasen immer ansprechbar für die Schülerschaft und organisierte Ferienkurse, um Schulstoff nachzuholen. Die ehrenamtliche Tätigkeit an der IGS Garbsen hat Friedberg nachhaltig beeindruckt. Sie möchte dort bald Deutsch und Erdkunde unterrichten.

Dr. Volker Gläntzer begeistert andere Menschen für die St. Petri-Kirche in Döhren. Quelle: Irving Villegas

Einsatz für das kulturelle Erbe vor Ort

Die St. Petri-Kirche in Döhren hat den ehemaligen Denkmalpfleger Dr. Volker Gläntzer schon seit Jahren fasziniert. Im Jahr 1949 wurde sie nach ihrer Zerstörung im 2. Weltkrieg als sogenannte Notkirche gebaut. Am Turm finden sich noch Spuren aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Und seit 15 Jahren setzt sich Gläntzer ehrenamtlich für dieses kulturelle Erbe der Stadt ein. Als Kirchenvorsteher kümmerte er sich um Mauerwerk, Anstriche der Fensterrahmen und neue Heizungen. Vor allem aber hat Gläntzer den Menschen in unzähligen Kirchenführungen und in einer Ausstellung die Kirche und ihre Geschichte näher gebracht. Auch in den Lockdown-Phasen setzte sich Gläntzer dafür ein, dass Besucher die Räumlichkeiten für stille Gebete nutzen konnten. „Für mich sind Kirchen öffentliche Orte, die für jeden zugänglich sein sollten“, sagt Gläntzer. „Es ist wunderbar zu merken, wie viele Menschen sich für die Geschichte der Kirchen interessieren und begeistern können.“

„Jedes Kind hat eine Begabung“: Seyhan Öztürk engagiert sich in türkischen Elternvereinen und hilft bei Problemen. Quelle: Tim Schaarschmidt

Die Brückenbauerin

Die Chance auf Bildung ist für Seyhan Öztürk eine Herzensangelegenheit. „Es ist der Schlüssel zum Erfolg. Jedes Kind hat eine Begabung, die zum Vorschein gebracht werden muss“, sagt die Vorsitzende der Föderation türkischer Elternvereine in Niedersachsen und des Türkischen Elternvereins der Stadt Hannover. Seit 2012 hilft Öztürk mit den Vereinen Menschen auf diversen Ebenen. Sie hilft jungen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund bei der Kommunikation mit Behörden, engagiert sich für Projekte für Gewaltlosigkeit unter Schülern und bietet Trainings für Mütter mit Einwanderungsgeschichte an und gilt als Brückenbauerin zwischen Generationen und Kulturen. In der Pandemie hat sie verstärkt einkommensschwache Familien bei der Antragsstellung von Endgeräten für das Homeschooling unterstützt. „Ich bin Mutter von zwei Kindern und Anwältin für Familienrecht. Ich weiß, mit welchen Hürden und Vorurteilen Menschen zu kämpfen haben“, sagt Öztürk. „Wenn ich Familien helfen kann und ein Lächeln dafür bekomme, gibt mir das sehr viel.“

Kategorie Soziales

Kein Freund von Stuhlkreisen mit Filterkaffee: Nicola Jahnke-Sieche organisiert mit Mareike Bullerdiek, Martina Scheerle, Sabine Manthei und Mareen Bongartz Aktionen für Betroffene von Brustkrebs. Quelle: Samantha Franson

Lust auf Leben

Nicola Jahnke-Sieche erfuhr 2015 von ihrer Diagnose: Brustkrebs. Die heute 49-Jährige suchte nach Angebote der Selbsthilfe und Verbündete und gründete mit der vor zwei Jahren Verstorbenen Wiebke Mrowka den Verein Pinke Zitronen. „Wir haben ein Zusatzangebot zu bestehenden Gruppen geschaffen“, sagt Jahnke-Sieche. Betroffene werden begleitet, erhalten Informationen zu Klinken, Brustzentren und onkologischen Praxen. Vor allem bietet der Verein aber kostenlose Abwechslung vom Therapiealltag. „Wir fangen die Menschen auf und schenken ihnen bei Treffen und Aktionen Glücksmomente im Kopf.“ Seit 2017 haben knapp 250 Frauen das Angebot genutzt. Sie treffen sich in Laufgruppen, Yoga-Projekten und im Drachenbootteam „Pink Dragonistas“. „Selbsthilfe kann cool sein“, sagt Jahnke-Sieche, die mit dem fünfköpfigen Vorstand immer neue Ideen entwickelt. „Stuhlkreise mit Filterkaffee im Krankenhaus sind einfach nicht unser Ding.“ Dabei betont sie, dass es nicht nur um Spaß geht. „Wir mussten viele Verluste tragen.“ Aber es geht darum, sich zu stärken. „Wir möchten Lust auf Leben vermitteln.“

Maryam Mohammdi kam als Geflüchtete nach Deutschland. Nun hilft sie bei Sprachproblemen und Behördengängen. Quelle: Samantha Franson

Perspektive auf Augenhöhe

Maryam Mohammadi wurde in Afghanistan geboren und beantragte 2017 in Deutschland Asyl. Sie absolvierte in Bochum auf Englisch ein Masterstudium für Management und Ökonomie und engagierte sich nach ihrer Ankunft in Hannover ehrenamtlich in der Gemeinschaftsunterkunft in Bemerode. Dabei vermittelt die 37-Jährige Geflüchteten die englische und deutsche Sprache, hilft bei Behördengängen und besucht Schulen, um dort mit Schülern über Fluchtursachen zu sprechen. „Ich konnte schon immer gut Probleme lösen“, sagt Mohammadi. „Ich bin gut ausgebildet und möchte helfen.“ Mohammadi engagiert sich daher im Integrationsbeirat Kirchrode-Bemerode-Wülferode und bei einem Projekt der Gesundheitsvorsorge für geflüchtete Frauen, bei dem sie über Sprachbarrieren hinweg Bedarfe ermittelt. Sie betreibt dazu drei Whatsapp-Gruppen auf Englisch, Farsi und Arabisch, um 70 Frauen zu unterstützen. „Ich bin ein sozialer Mensch und finde es gut, wenn ich helfen kann.“

Sie sortiert Lebensmittelspenden, hilft bei Anträge und gibt Hoffnung: Sandra Lüke hilft mit dem Bollerwagen Café nicht nur in der Corona-Krise. Quelle: Irving Villegas

Konkrete Hilfe für Wohnungslose

Seit 2015 kümmert sich das Team des Bollerwagen Café ehrenamtlich jede Woche um 80 bis 150 Menschen, die auf der Straße leben. Das Team von Sandra Lüke versorgt mit Lebensmitteln, gerade im Winter mit Notfallausrüstung und hilft bei Anträgen und Formularen. Und wenn es ganz hart kommt, fahren sie Menschen ins Krankenhaus. Es ist ein schweres, ehrenamtliches Engagement. Und doch verschärfte sich die Situation mit der Corona-Krise 2020 noch einmal. „Wir haben uns im ersten Lockdown sechs Wochen lang fast pausenlos ins Zeug gelegt“, erinnert sich Lüke. Ihr Team verteilte Desinfektionsmittel und Masken an Wohnungslose, schmierte Brötchen für mehr als 600 Menschen, bereitete Lebensmittelspenden vor, versprühte Hoffnung. „Viele schauen weg, wenn es um Wohnungslosigkeit geht. Diese Menschen haben eben keine Lobby. Also versuchen wir eben niedrigschwellige Angebote zu machen.“ An der Hagenstraße richtet Lüke dafür eine Kleiderkammer ein und bietet Beratung – und wirkt dabei ruhelos. „Ich möchte einfach helfen“, sagt die 51-Jährige.

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Von Jan Sedelies