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Aus der Stadt Hannovers Maschinenbau startet durch: Der Campus in Garbsen ist fertig
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Hannovers Maschinenbau startet durch - Der Campus in Garbsen ist fertig

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07:51 19.09.2019
Ein neuer Wissenschaftsstandort: Der Campus Maschinenbau in Garbsen. Quelle: Mirko Bartels
Garbsen/Hannover

Hannover verliert, und Garbsen gewinnt? Wenn der Campus Maschinenbau Garbsen (CMG) am Donnerstag, 19. September, mit viel Prominenz eröffnet wird, kehrt es vermutlich kurz zurück, dieses Denken. Denn zum ersten Mal in der Geschichte der Leibniz Universität Hannover (LUH) wird eine komplette Fakultät an einen neuen Standort (und in eine andere Stadt) ausgelagert – inklusive Neubau auf der grünen Wiese.

Künftig lernen, lehren und forschen die rund 5300 Maschinenbaustudenten, Professoren und Mitarbeiter rund elf Kilometer vom Hauptgebäude in der Nordstadt entfernt. Außergewöhnlich ist das nicht: In München befindet sich die Fakultät für Maschinenbau auf dem 19 Kilometer entfernten Campus in Garching. In Karlsruhe studieren die Maschinenbauer 16 Kilometer vom Hauptgebäude entfernt auf dem Campus Nord.

Alle 19 Institute der Fakultät arbeiten unter einem Dach

Was in den Köpfen mancher Politiker vielleicht für immer mit einem Standortstreit verbunden bleibt, ist für den Maschinenbau der Leibniz-Universität ein Quantensprung über alle Stadtgrenzen hinaus –die Wissenschaft ist da von Natur aus weiter.

CMG – das Kürzel für den neuen Campus soll für den Sprung der Fakultät in die Moderne stehen. Innerhalb von vier Jahren ist im Herzen Garbsens ein neuer Wissenschaftsstandort entstanden. Alle 19 Institute der Fakultät werden erstmals in der 188-jährigen Geschichte des renommierten Maschinenbaus Hannover unter einem Dach arbeiten können. Die Landeshauptstadt konnte der Universität diese Möglichkeit nicht bieten. Darum fiel die Entscheidung für die grüne Wiese in Garbsentrotz aller Risiken und Nebenwirkungen. Die ersten Ideen dazu stammen aus den frühen Achtzigerjahren.

Hier forschen die Maschinenbauer künftig

200 Millionen Euro fließen in den Garbsener Campus

175 Millionen Euro sind in Garbsen investiert worden. Bis im Frühjahr 2020 wirklich alles fertig ist, werden es sogar knapp unter 200 Millionen Euro sein, schätzt Bauleiter Heiner Bente. Nach Angaben des niedersächsischen Wissenschaftsministeriums zählt der neue Campus damit zu den bisher größten Hochschulbauprojekten des Landes.

Einen Großteil der Kosten tragen die Universität und das Land Niedersachsen. Auch der Bund ist an dem Projekt beteiligt. „Wie sich die einzelnen Posten aufteilen ist sehr kompliziert“, sagt Bente. Hörsaalgebäude, Mensa, IK-Haus und Institutsgebäude sowie ein Teil des Technikhauses und der Außenanlagen zahlen Land und Universität. „Der Bund steuert Geld zum Forschungsbau „Dynamik der Energieumwandlung (DEW)“ bei.“

Einen kleinen Sprung hatte die Fakultät für Maschinenbau schon 2004 gemacht: Vor 15 Jahren sind die damals sechs finanzstärksten Institute in das Produktionstechnische Zentrum Hannover (PZH) in Garbsen umgezogen,zwischenzeitlich waren es sogar sieben. Zu ihnen gesellen sich jetzt elf Institute, die noch in der Nordstadt ihr Quartier haben. Das zwölfte Institut – das Institut für Kunststofftechnik – wird gerade gegründet.

Campus-Fest am 11. Oktober

Die Eröffnung des Campus Maschinenbau in Garbsen am 19. September ist geladenen Gästen vorbehalten. Wer die neue Anlage erleben will, ist aber am Freitag, 11. Oktober, 18 bis 24 Uhr, zur Nacht der Wissenschaft willkommen.

Die Fakultät und die Stadt stellen ein Campus-Fest auf die Beine mit Live-Experimenten, Wissenschaft zum Mitmachen, Musik und Campus-Bier. Die Mensa ist geöffnet, der Eintritt ist frei.

Die Straße An der Universität wird für das Fest voll gesperrt. Da im Umfeld Parkplätze fehlen, wird die Anfahrt mit Bus (420, 440, 450), Bahn (Linie 4+Bus 404) und Fahrrad empfohlen.

Maschinenbauer machen in Hannovers Nordstadt Platz für andere Fakultäten

Die Denkfabriken des Maschinenbaus in Hannover waren über Jahrzehnte an der Callinstraße 36, Appelstraße 9-11, Nienburger Straße 17 und am Welfengarten 1/1a untergebracht. Nach dem Umzug nach Garbsen werden bis Frühjahr 2020 zigtausende Quadratmeter in der Nordstadt frei – allerdings nur vorübergehend. „Das ist seit zehn Jahren schon alles wieder vergeben, andere Fakultäten standen Schlange“, sagt Horst Bauer, Baudezernent der Leibniz-Universität.

Die Eröffnung des Campus in Garbsen bringt in Hannover einiges in Bewegung. „80 Prozent der gesamten Universität und alle neun Fakultäten sind letztlich davon betroffen. Einzige Ausnahme ist die Fakultät für Architektur“, sagt Bauer. Der Auszug der Maschinenbauer aus Hannover gibt der Universität die Chance, Fakultäten und ihre verstreuten Institute zusammenrücken zu lassen.

Nach vier Jahren Bauzeit ist der Campus Maschinenbau Garbsen (fast) fertig. Hier finden Sie die letzten Bilder vor der Eröffnung und unsere Luftbilder von 2016, 2018 und heute.

Maschinenbau der Leibniz-Universität im DFG-Ranking vorn

Die Erwartungen an den neuen Standort sind groß: „Mit dem neuen Campus Maschinenbau der Leibniz Universität Hannover werden exzellente Bedingungen für Forschung und Lehre geschaffen“, sagt der niedersächsische Wissenschaftsminister, Björn Thümler. Damit werde Niedersachsen auch in Zukunft ein Leuchtturm auf dem Gebiet des Maschinenbaus sein.

Dass die Fakultät für Maschinenbau die Leibniz-Universität auch im deutschlandweiten Vergleich nach vorn bringt, zeigt ein Blick in den Förderatlas 2018 der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Dort wird aufgelistet, wie viele Zuschüsse und Förderungen die Universitäten und Hochschulen für einzelne Projekte und Forschungsbereiche erhalten. Daraus wird ein Ranking erstellt.

Zwischen 2014 und 2016 sind insgesamt 122,2 Millionen Euro an die Universität Hannover geflossen – der größte Anteil kam dem Fachbereich Maschinenbau und Produktionstechnik zugute. Im Vergleich der Ingenieurwissenschaften deutscher Universitäten und Hochschulen landet die Universität Hannover mit Forschungsgeldern in Höhe von 62,8 Millionen Euro auf Platz acht – hinter Spitzenuniversitäten wie der TH Aachen, der Universität Erlangen Nürnberg, der TU Dresden, der TU Darmstadt, der Universität Stuttgart, dem KIT Karlsruhe und der TU München. Im Fachgebiet Maschinenbau liegt die hannoversche Universität sogar auf Platz zwei.

Interaktive Karte: Das ist der neue Campus

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Standort Garbsen wird noch weiter wachsen

Der neue Wissenschaftsstandort in Garbsen hat noch Luft nach oben und wird weiter wachsen: 2020 beginnt der Bau der Forschungseinrichtung Scale hinter dem PZH. Rund 135 Mitarbeiter erforschen dort Produktionsbedingungen für industrielle Großbauteile wie Turbinen. Unmittelbar am PZH entsteht noch ab 2019 das neue Institut für Kunststofftechnik. Auf dem Campusgelände selbst und angrenzend sind noch weitere Flächen für universitätsnahe Einrichtungen frei.

Der neue Campus hat in Garbsen bereits viel umgekrempelt: Die Stadt baut Straßen neu, die Region passt den öffentlichen Nahverkehr an. Ein Campus-Kindergarten mit 105 Plätzen wird im November fertig. Das
Studentenwohnheim mit 162 Appartements wird in wenigen Wochen von den ersten Mietern bezogen. 

Von der Idee zum fertigen Campus – eine Chronik

Das Projekt Maschinenbau Campus Garbsen hat seine Wurzeln in den frühen Achtzigerjahren. Einige der großen Institute litten schon vor 30 Jahren unter Platznot in der Nordstadt. Außerdem drang oft bis tief in die Nacht der Lärm der Maschinen in die Wohngebiete. Die Professoren Kurt Tönshoff, Heinz Haferkamp und Hans-Peter Wiendahl entwickelten die Idee, eine Wissenschaftsachse von der Nordstadt über Marienwerder bis Garbsen zu schaffen. Das Land sicherte sich Land in Garbsen. In Marienwerder sind unter anderem der Wissenschaftspark (Laserzentrum, Technologiezentrum), die Forschungsanlage des Franzius-Instituts für Küstenforschung mit dem Wellenkanal und das Testzentrum für Tragstrukturen entstanden.

In Garbsen schlug sich die Idee 1995 im Bau des Unterwassertechnikums nieder, einer Forschungseinrichtung des Institutes für Werkstoffkunde. 2004 öffnete daneben das Produktionstechnische Zentrum PZH als Dach für die ersten sechs Maschinenbau-Institute. 2013 gewann das Architekturbüro Auer + Weber aus München den international ausgeschriebenen Generalplanerwettbewerb für den Campus.

4. Dezember 2015: Spatenstich zum offiziellen Baubeginn.

23. Mai 2017: Richtfest.

19. September 2019: Eröffnung.

Parallel zum Campus investieren die Stadt Garbsen, die Region und das Land fünf Millionen Euro in 105 Betreuungsplätze für Kindervon Universitätsangehörigen. Frei bleibende Plätze werden an Garbsener Familien vergeben. Am 7. Dezember 2018 wurde der Grundstein eingemauert. Am 14. März war Richtfest. Im November 2019 soll die Kita in Betrieb gehen – das ist eine Bauzeit von weniger als einem Jahr.

Ähnlich schnell ging der Bau des Studentenwohnheimes: Grundstein am 14. September 2018, Richtfest am 5. April. Die ersten Studenten sollen im Oktober einziehen können. Bauherr ist der Garbsener Markus Grimm. Rund 12,3 Millionen Euro bringt er für das vierstöckige Atrium-Gebäude mit 162 Apartments auf. Davon trägt die Region Hannover 2,7 Millionen Euro. Die Warmmiete für 20 Quadratmeter liegt bei 390 Euro. Vermittler der Wohnungen ist das Studentenwerk Hannover.

Zur Bau-Chronik gehört auch ein Todesfall: Am 7. Januar 2018 kam ein 59-jähriger Facharbeiter durch einen unglücklichen Sturz ums Leben.

Lesen Sie mehr:

Überblick: Der neue Campus in Zahlen 

Nachgefragt: Was bedeutet der neue Campus für den Maschinenbau in Hannover, Herr Wallaschek?

Der Überblick: Alle Geschichten rund um den Campus Maschinenbau in Garbsen finden Sie in unserem Online-Dossier

Nachgefragt: Was bedeutet der neue Campus für den Maschinenbau in Hannover, Herr Wallaschek?

Von Markus Holz und Linda Tonn

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