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Aus der Stadt Situation am Hauptbahnhof trotz Fahrplanänderungen entspannt
Hannover Aus der Stadt Situation am Hauptbahnhof trotz Fahrplanänderungen entspannt
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00:15 04.10.2018
01.10.2018, Niedersachsen, Hannover: Wenige Reisende warten an einem Service-Point im Hauptbahnhof. Nach Angaben der Bahn fallen aktuell wegen den Bauarbeiten an der Eisenbahnbrücke an der Königstraße pro Tag rund 350 Züge aus, weitere 170 müssen umgeleitet werden. Betroffen sind sowohl Fernverkehrszüge als auch Regional- und S-Bahnen. Foto: Moritz Frankenberg
01.10.2018, Niedersachsen, Hannover: Wenige Reisende warten an einem Service-Point im Hauptbahnhof. Nach Angaben der Bahn fallen aktuell wegen den Bauarbeiten an der Eisenbahnbrücke an der Königstraße pro Tag rund 350 Züge aus, weitere 170 müssen umgeleitet werden. Betroffen sind sowohl Fernverkehrszüge als auch Regional- und S-Bahnen. Foto: Moritz Frankenberg Quelle: Moritz Frankenberg
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Hannover

Wegen einer Großbaustelle an einer Bahnbrücke über die Königsstraße ist der hannoversche Hauptbahnhof seit Montag von umfangreichen Fahrplanänderungen betroffen. Leidtragende sind Pendler und Urlauber. Am ersten Tag war die Situation vor Ort aber noch entspannt. Auch an den Ersatzbahnhöfen in Laatzen, Wunstorf und Lehrte blieben die betroffenden Reisenden entspannt.

Vor dem zentralen Infoschalter der Bahn in der Haupthalle des Hauptbahnhofs hatte sich bereits um 7 Uhr eine lange Schlange gebildet. Mit ein Grund dafür: Die große Anzeigetafel brachte nur wenig Aufschluss über die Änderungen bei den Abfahrtszeiten. „Bitte informieren Sie sich im Internet“, hieß es lapidar auf einem eingeblendeten Laufband. Rebecca Rozic hatte sich deshalb in die Warteschlange eingereiht. Sie war am Morgen in Lüneburg gestartet, um zu ihrer Familie nach Stuttgart zu reisen. „Ich habe nichts von den Bauarbeiten gewusst“, sagt sie. „Jetzt stehe ich hier und soll, glaube ich, nach Laatzen und habe keine Ahnung, wie ich da hin kommen soll“, sagt Rozic.

Konrad Jonas versuche, sich an der Anzeigetafel einen Überblick zu verschaffen. Eine S-Bahn in Richtung Bennemühlen hatte der junge Mann bereits verpasst. „Die S4 ist heute früher gefahren, als sonst. Das habe ich nicht gewusst“, sagt er. Die nächste Bahn ist an diesem Morgen so spät angesetzt, dass es Jonas nicht pünktlich zur Arbeit schaffen wird. „Ich muss mich erst mal an die Umstellung gewöhnen“, sagt er.

So kommen Reisende zum Ersatzbahnhof Laatzen

Reisende, die in den Herbstferien am hannoverschen Hauptbahnhof ankommen und ihren Weg vom Messebahnhof Laatzen fortsetzen müssen, haben drei Möglichkeiten, dorthin zu kommen.

Die Üstra fährt im Zehn-Minuten-Takt vom Hauptbahnhof mit ihren Stadtbahnlinie 1 und 2 Nach Latzen und wieder zurück. Die Haltestelle für den Ersatzbahnhof in Laatzen ist die Eichstraße. Von dort ist allerdings ein kleiner Fußweg notwendig, um die Gleise der Deutschen Bahn zu erreichen – ein Umstand, der mit viel Gepäck etwas beschwerlich sein könnte. In vielen Fernreisetickets der Bahn ist allerdings die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs am Start- und Zielort inbegriffen.

Vor dem Hauptbahnhof warten in der Regel zahlreiche Taxifahrer auf ihre Kunden. Sie bringen die Reisenden direkt zum Messebahnhof in Laatzen. „Die Fahrt kostet 22 Euro“, sagt Hallo Taxi-Chef Wolfgang Pettau.

Die Züge des Unternehmens Metronom halten wegen der Großbaustelle an der Königsstraße in den kommenden knapp zwei Wochen außerplanmäßig am Messebahnhof Laatzen und in umgekehrter Richtung. Diese Züge fahren allerdings lediglich einmal pro Stunde.

Bis zum 14. Oktober soll die zweite Bauphase an der Bahnbrücke über die Königstraße dauern. Der alte Überweg, auf dem 16 Gleise verlaufen, soll abgerissen werden und vorerst durch eine Behelfsbrücke ersetzt werden. Pro Tag fallen nach Bahnangaben rund 350 Züge aus. 170 weitere Reisezüge sowie 115 Güteruzüge müssen nach Laatzen, Wunstorf und Lehrte umgeleitet werden. Bis Ende 2019 sollen alle Arbeiten abgeschlossen sein. Aus Sicht der Deutschen Bahn ist der erste Tag „ganz ordentlich“ verlaufen. „Das Informationsbedürfnis der Reisenden war wie erwartet hoch“, sagt Bahnsprecherin Sabine Brunkhorst.

Das passiert beim Brückenabriss

Der Abriss der alten, knapp 140 Jahre alten Bahnbrücke und der Aufbau der insgesamt 16 Behelfsgleise erfolgt in mehreren Schritten. Bis einschließlich Dienstag werden die alten Gleise auf der Brücke demontiert. In den frühen Morgenstunden des 3. Oktober beginnen dann die Abbrucharbeiten des alten Bauwerks. „Wir fangen von der Seite Thielenplatz an und arbeiten uns Stück für Stück vor“, sagt Projektleiter Matthias Michaelis. Ab dem 7. Oktober, so sind die bisherigen Planungen, werden die Teile der neuen Behelfsbrücke Stück für Stück an die Stelle der alten Konstruktion geschoben. Die Arbeiten sollen Ende 2019 abgeschlossen sein. In diesem Zeitraum wird der Hauptbahnhof noch zwei weitere Male gesperrt.

Die Üstra konnte am ersten Tag nicht von nennenswerten Problemen berichten. „Die Lage war total entspannt. Wir haben alle ICE-Fahrgäste in Laatzen aufnehmen und in die Stadt bringen können, weil ja die Schüler in den Ferien weg fallen“, sagt Unternehmenssprecher Udo Iwannek. Zusätzliche Stadtbahnen musste die Üstra nicht einsetzten. „Wir haben die Lage aber im Blick und würden gegebenenfalls einen Verstärkungszug auf die Schienen bringen“, sagt Iwannek.

Auch andere Eisenbahnunternehmen, die Metronom oder Erixx, sind von der Großbaustelle betroffen. Bislang sind auch von dort keine größeren Probleme gemeldet worden. „Es war relativ ruhig, die Fahrgäste haben sich offenbar gut informiert“, sagt Metronom-Sprecher Björn Pamperin. Das Unternehmen hatte am Hauptbahnhof sowie in Laatzen zusätzliches Personal eingesetzt, damit Fragen der Reisenden beantwortet werden konnten.

So lief es an den Ersatzbahnhöfen

Wegen der Großbaustelle am Hauptbahnhof Hannover weichen zahlreiche Fernzüge auf die Haltepunkte in Laatzen, Wunstorf und Lehrte aus. Aber auch dort blieb die Lage am ersten Tag entspannt.

Der Messebahnhof in Laatzen ist seit Montag zwei Wochen lang Anlaufpunkt für alle ICE-Verbindungen in Nord-Süd-Richtung. In den Morgenstunden herrschte auf den Gleisen so viel Betrieb wie sonst nur zu Messezeiten. Im Verlauf des Vormittags entspannte sich die anfangs etwas hektische Lage. Elf Mitarbeiter waren im Auftrag der Deutschen Bahn vor Ort, um den Reisenden Auskunft zu geben, teilte das Unternehmen auf Anfrage mit. Doch auch der Nahverkehr ist betroffen. Die Züge des Unternehmens Erixx fahren von Laatzen nur bis zum Bahnhof Bismarckstraße in Hannover. Die S-Bahn-Linie 4 entfällt vollständig und damit auch die Stopps in Laatzen und Rethen.

In Wunstorf, wo in den kommenden zwei Wochen IC-Züge aus Richtung Ost-West halten, hatten sich die Betreiber des Bahnhofskiosk auf einen großen Ansturm Reisender vorbereitet und Extraschichten eingelegt. Doch der Anstrum blieb aus, obwohl am Wunstorfer Bahnhof zusätzlich zwei Fernzüge pro Stunde mehr halten. Schwierigkeiten gab es mit den zusätzlichen Toiletten. Die Dixie-Klos trafen erst verspätet am Nachmittag in Wunstorf ein.

Nicht so gut lief es für die Taxifahrer vor dem hannoverschen Hauptbahnhof. „Es sind zwar einige zu den Kollegen in die Autos gehüpft, um sich nach Laatzen bringen zu lassen, es viele haben wir in der Innenstadt aber auch deswegen nicht befördert, weil sie in Laatzen ausgestiegen sind, um mit öffentlichen Verkehrsmitteln weiter zu fahren“, sagt Wolfgang Pettau, der Geschäftsführer des Unternehmens Hallo Taxi.

Kommentar: Respekt vor dieser Leistung

Vieles klappt nicht bei der Bahn – und zu recht beschweren sich Reisende oft über chaotische Zustände nach Stürmen, nach Hitze oder Kälte oder anderen Wetterkapriolen, wenn beim größten Reiseunternehmen Deutschlands mal wieder alles drunter und drüber geht. Was die Bahn aber derzeit rund um die Brückenbaustelle Königstraße an Logistik abliefert, ist ein kleines Meisterstück. Von kleinen Pannen abgesehen scheint alles zu funktionieren.

Hannovers Hauptbahnhof ist in Zeiten seiner Gründung 1843 der erste große Durchgangsbahnhof auf dem Kontinent gewesen, durch den Züge auf einer einen Seite hinein- und auf der anderen Seite wieder herausfuhren. Das war damals eine Revolution in Deutschland, wo es sonst in Großstädten nur Kopfbahnhöfe gab. Der Abriss der zentralen Gleisbrücke direkt neben dem Bahnhof mit den entsprechenden Einschränkungen wirft Hannover und die Bahn also gewissermaßen um 175 Jahre zurück – und die gesamte Fahrplanlogistik des Unternehmens temporär über den Haufen. Plötzlich müssen Bahnreisende, die mit dem ICE von Hamburg nach München wollen, mit ihrem Rollkoffer via Stadtbahn vom Hauptbahnhof nach Laatzen fahren, Hunderte Züge werden umgeleitet oder fallen aus – wer hätte gedacht, dass das relativ reibungslos funktioniert. Dem Team, das die Logistik für diese zwei Wochen vorbereitet hat, gebührt Respekt. Nun hoffen wir nur, dass auch der Einbau der provisorischen Brücke bis Mitte Oktober klappt. Conrad von Meding

Von tm