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Aus der Stadt Anschlag auf Haus eines jüdischen Ehepaares: Staatsschutz ermittelt
Hannover Aus der Stadt

Hemmingen: Antisemitischer Angriff auf Haus eines jüdischen Ehepaares

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00:19 22.05.2019
Die Haustür wurde beschmiert, die Fußmatte in Brand gesetzt. Quelle: privat
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Hannover

Das private Wohnhaus eines jüdischen Ehepaars in Hemmingen ist in der Nacht zu Sonnabend Ziel eines antisemitischen Angriffs geworden. Die Ehefrau hatte am Sonnabendmorgen entdeckt, dass die Fußmatte vor der Haustür in Brand gesetzt und Teile der Haustür beschädigt hatte. Am Eingangsbereich entdeckte sie zudem in roter Farbe das aufgesprühte Wort „Jude“. Eine solche Schmiererei befand sich auch an einer Gartenpforte in der Nähe des Hauses. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen aufgenommen.

Strafanzeige wegen antisemitischer Wahlplakate

Die Deutsch-Israelische Gesellschaft Hannover hat Strafanzeige wegen Wahlplakaten der rechtsextremen Partei „Die Rechte“ gestellt. Die Organisation sieht die Plakate als volksverhetzend an, wie sie am Samstag mitteilte. Unter anderem geht es um die Parole: „Israel ist unser Unglück! Schluss damit!“ – dies sei ein abgewandeltes Nazi-Zitat. Außerdem werde die mehrfach wegen Leugnung des Holocausts verurteilte Ursula Haverbeck als Opfer der deutschen Justiz dargestellt, hieß es weiter.

Die rechtliche Prüfung der Anzeigen laufe, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Hannover, Thomas Klinge, am Sonntag. Dies könne sich noch ein paar Tage hinziehen. Auch die Staatsanwaltschaft Dortmund prüft nach einer ähnlichen Strafanzeige des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden von Westfalen-Lippe, ob sie Ermittlungen wegen Volksverhetzung aufnimmt. (dpa)

Die genauen Umstände der Tat sind noch rätselhaft. Die Eheleute leben zurückgezogen, sind in der jüdischen Gemeinde, haben dort aber keine Funktion oder kein Amt inne. „Jemand muss sich gut auskennen und gewusst haben, dass die Bewohner des Hauses jüdischen Glaubens sind“, sagt Rebecca Seidler von der liberalen jüdischen Gemeinde Hannover. Dazu kommt: Der oder die Täter müssen sich ihrer Sache sicher gewesen sein. „Die Gartenpforte liegt etwa drei Minuten Fußweg von dem Einfamilienhaus entfernt. Man muss wissen, dass der Garten den Betroffenen gehört“, sagt Seidler.

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Mit diesen Handzetteln suchte die Polizei in der Nachbarschaft nach Zeugen. Quelle: privat

Die Polizei suchte bereits am Sonnabend nach Zeugen zu dem Vorfall. Sie verteilten in der Nachbarschaft Handzettel. „Augenscheinlich aus antisemitischen Gründen wurde versucht, das Wohngebäude eines Nachbarn in Brand zu setzen“, heißt es darin. Hinweise zu dem Vorfall nehmen der Kriminaldauerdienst und der Staatsschutz entgegen.

„Solche Dinge nehmen immer mehr zu“

Rebecca Seidler war am Sonntag bei den Betroffenen. „Sie sind sehr in Sorge und können sich den Vorfall nicht erklären“, sagt sie. Am Montag will Seidler den Zentralrat der Juden in Deutschland über den Angriff in Kenntnis setzen und auch den Beauftragten der Bundesregierung für den Kampf gegen Antisemitismus informieren.

Der Vorfall unterstreiche, womit sich die Mitglieder der jüdischen Gemeinden in Deutschland derzeit beinahe täglich auseinandersetzen müssen. „Solche Dinge nehmen immer mehr zu“, sagt Katarina Seidler von der liberalen jüdischen Gemeinde. Das Ehepaar hatte sich nach dem Angriff an sie gewandt, obwohl die Betroffenen in einer anderen jüdischen Gemeinde Mitglied sein. „Wir haben unsere Hilfe angeboten und sind weiterhin mit ihnen in Kontakt.

Wann die Ermittlungen der Polizei abgeschlossen sein werden, ist unklar. Die Prüfung, ob der Angriff als Brandstiftung oder als Sachbeschädigung einzustufen ist, dauert ebenfalls noch an.

Von Tobias Morchner