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Aus der Stadt Macht die Trockenheit große Bäume brüchiger?
Hannover Aus der Stadt

Herabstürzende Äste bei Trockenheit: Experten sind sich einig: Zusätzliche Baumkontrollen können plötzliche Astbrüche nicht verhindern

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11:00 03.08.2019
Nicht vorhersehbar: Anders als vor wenigen Wochen bei zwei kranken Kastanien an der Dammannstraße sind plötzliche Grünastbrüche bei großer Trockenheit für Experten nicht durch zusätzliche Kontrollen und Rückschnitte zu vermeiden. Quelle: Frank Wilde
Hannover

Macht die anhaltende Dürre auch starke und scheinbar gesunde Bäume brüchig? Einige Experten und Behörden mahnen zu besonderer Vorsicht. So hat die Stadt Laatzen die Bevölkerung zu absoluter Aufmerksamkeit und Vorsicht unter großen Bäumen aufgerufen. „Besonders Pappeln, Eichen, Weiden und Buchen neigen zu sogenannten Trockenstressbrüchen“, sagt Sven Achtermann, Leiter des städtischen Teams Grünflächen. Die Situation sei so dramatisch wie noch nie. Andere Städte und Sachkundige halten das für Aktionismus, warnen aber gleichwohl, dass sich mit der Trockenheit und dem Klimawandel das Risiko schwerer Unfälle erhöhe.

Um das Risiko von Unfällen zu verringern, sollen in Laatzen alle Bäume auf Spielplätzen noch einmal genau auf den Zustand ihres Laubs sowie der Äste untersucht werden. Bürger und die Feuerwehr sollen auch dabei helfen, große Bäume zu bewässern.

Die Stadt Hannover will Kontrollen nicht ausweiten

In der Landeshauptstadt bleibt die Verwaltung dagegen gelassen. „In Hannover wird es keine zusätzlichen Kontrollen zur Vermeidung von sogenannten Grünastbrüchen geben“, sagt Stadtsprecherin Michaela Steigerwald. Sie habe sich ausgiebig bei den städtischen Experten vom Fachbereich Umwelt und Stadtgrün erkundigt: Grünastbrüche können demnach bei Trockenheit ohne äußere Anzeichen plötzlich und unabhängig vom Vitalitätszustand des Baumes auftreten.

Eine Verkürzung der zeitlichen Abstände von Baumkontrollen hält die Stadt dennoch nicht für notwendig. „Die Kontrollen richten sich nach gesetzlichen Vorgaben. Berücksichtigt werden von den Richtlinien auch Entwicklungen wie klimatische Veränderungen“, sagt Stadtsprecherin Steigerwald. Sobald gesetzliche Vorgaben angepasst würden, werde dies auch von der Landeshauptstadt umgesetzt. Sorglos gibt sich die Stadt Hannover aber nicht. „Zusätzlich werden die Bäume nach Starkwind und Unwetter kontrolliert, vor Großveranstaltungen wie dem Maschseefest sogar noch ein weiteres Mal.“

Experten bestätigen zunehmende Gefahr

Unbestritten ist unter Experten die zunehmende Gefahr bei länger andauernder Trockenheit und Hitze. „Gerade in der Mittagszeit, wenn es besonders heiß ist, steigt die Gefahr von Grünastbrüchen“, sagt Gärtnermeister Bernd Vogel aus Hannover. Er ist bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen als Sachverständiger für die Verkehrssicherheit von Bäumen im Einsatz. Grund für die erhöhte Gefahr bei punktuell extremer Hitze sei eine Verringerung des Saftdrucks im Baum sowie eine daraus folgende Zellerschlaffung. „Dann lässt die Elastizität der Holzfaserseile nach und es kann zum plötzlichen Astbruch kommen. Darüber ist sich die Fachwelt einig“, sagt Vogel. Vor einem Jahr habe er genau das vor einem Seniorenheim in Stöcken erlebt. „Da ist ein Pappelast abgebrochen. Es war Zufall, dass niemand unter dem Baum saß“, sagt der Experte.

Sachverständige halten Sonderinspektionen für sinnlos

Dass völlig gesunde Bäume bei Windstille nach Trockenstress Äste abwerfen könnten, ist für Vogel aber kein Grund für zusätzliche Kontrollen. „Das bringt nichts, weil es einfach unvorhersehbar ist“, meint er. Sonderinspektionen bezeichnet der Experte als Aktionismus. „Da kann man gucken wie man will. Am nächsten Tag kann trotzdem ein völlig gesunder Ast abbrechen“, sagt Vogel. Die bislang üblichen Kontrollintervalle würden daher völlig ausreichen.

Sein Kollege Martin Weisheit, ebenfalls Gärtnermeister und Sachverständiger bei der Landwirtschaftskammer, stimmt ihm zu: „Grünastbrüche gibt es seit Jahren. Zwei Kontrollen pro Jahr – einmal belaubt und einmal unbelaubt – reichen völlig aus“, sagt Weisheit. Vor einer großen Veranstaltung sei sicherlich auch eine dritte Kontrolle sinnvoll. „Aber Grünastbrüche sind nun einmal nicht vorhersehbar. Selbst, wenn man die personellen Ressourcen hätte, jeden Baum zu kontrollieren, gehören Astbrüche angesichts des Klimawandels inzwischen zum gestiegenen Lebensrisiko“, sagt Weisheit.

Urplötzliche Abwürfe von belaubten Ästen gesunder Bäume – wie im Maschpark am Neuen Rathaus – lassen sich nach Meinung von Experten durch zusätzliche Kontrollen und Rückschnitte nicht verhindern. Quelle: Villegas

Viel Wässern und klimafeste Bäume anpflanzen

Immerhin hat Weisheit Vorschläge, wie sich dieses Risiko wieder senken lässt: „Große Bäume bei großer Hitze extra zu bewässern, macht Sinn“, sagt der Gärtnermeister. Langfristig halte er auch eine Umstrukturierung der Wälder und Grünbereiche für sinnvoll – mit klimafesten Bäume aus heißen Gegenden. „Solche Bäume sind lange Trockenheitsphasen gewohnt und werfen nicht so schnell Äste ab“, sagt Weisheit.

Forstamt fällt Bäume in Neustadt an der Kreisstraße

Auch das Niedersächsische Forstamt Fuhrberg reagiert auf die von Hitze und Trockenheit geschwächten Bäume im Stadtgebiet von Neustadt am Rübenberge. Entlang der Kreisstraße 343 lässt das Forstamt in der nächsten Woche zwischen Mariensee und Basse aus Sicherheitsgründen mehrere Bäume fällen. „Große Exemplare, die wegen der Trockenheit eine Gefahr für den Straßenverkehr sind“, heißt es seitens des Forstamtes. Für Revierförsterin Katharina Niebel ist dies absolut notwendig: „Im Basser Holz sind Buchen und Eichen von der Trockenheit des vergangenen Jahres stark geschädigt. Die geringen Niederschläge in diesem Jahr haben die Lage weiter verschärft“, berichtet Niebel. Beseitigt würden jetzt Bäume mit trockenen Kronen und Ästen nahe der Straße, erläutert die Leiterin des Reviers Mariensee.

Am vergangenen Wochenende war bei einem Open-Air-Festival in Schwerin ein großer Ast auf einen Getränkestand gestürzt und hatte fast 30 Besucher verletzt. Vor zwei Jahren war in Hannover ein 31-jähriger Mann nach dem Besuch des Maschseefestes auf seinem Heimweg im Maschpark von einem abgebrochenen Ast erschlagen worden.

Von Ingo Rodriguez

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