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Aus der Stadt Hier schwimmt ein Schweißer zur Arbeit
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Hier schwimmt ein Schweißer zur Arbeit

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20:33 06.02.2020
„Das Objekt ist nie ganz da, wo das Auge es vermutet": Ein Tauchschweißer im Unterwassertechnikum. Quelle: SLV
Hannover

Es ist, als hätte jemand ein riesiges Aquarium in eine Fabrikhalle gestellt. Nur, dass in diesem Glasbecken keine Fische schwimmen, sondern Menschen. Kabel und Schläuche führen ins trübe Wasser. Blasen blubbern an die Oberfläche. Ein gleißender Lichtbogen strahlt in der Tiefe des Beckens auf. Und aus einem Lautsprecher klingt ein Atmen, als hätte Darth Vader sich eine heftige Bronchitis zugezogen.

Wie ein Aquarium für Menschen: Ein Tauchschweißer steigt in das Becken des Unterwassertechnikums. Quelle: Moritz Frankenberg

„Taucher steigt!“, ruft Holger Labs, der am Beckenrand sitzt. Ein Kollege unter Wasser hat dem 34-Jährigen ein Signal gegeben, Sekunden später taucht dieser im Wortsinne auf. Labs hilft ihm aus dem Wasser und aus dem Anzug. „Das kann man schlecht alleine machen“, sagt er. Dann nimmt er dem aufgetauchten Mann das Schweißgerät ab. Der Metallbauer Patrik Pagel hat in fast vier Meter Tiefe gerade eine Naht geschweißt und zwei Bleche zum T-Stück verbunden. In einem Drahtkorb ziehen Helfer das Werkstück nach oben.

Hochspezialisierte Experten

Dieses Becken ist eine zentrale Anlaufstelle für angehende Unterwasserschweißer aus ganz Deutschland. Die Schweißtechnische Lehr- und Versuchsanstalt Hannover (SLV) nutzt das Unterwassertechnikum der Leibniz-Uni in Garbsen für ihre Lehrgänge. Nur etwa ein knappes Dutzend Experten im Jahr lernt hier das Schweißen unter Wasser, diesmal sind sechs Teilnehmer im Kurs. Als hochspezialisierte Fachleute sollen sie Spundwände in Hafenbecken reparieren, Schleusen, Wehranlagen oder Bohrplattformen ausbessern können. Wer Unterwasserschweißer werden will, muss mindestens zwei Jahre Berufstaucher gewesen sein. Etliche Aspiranten sind ehemalige Kampfschwimmer oder Minentaucher.

„Jeder Einsatz kann gefährlich werden“: Markus Mayer bildet Tauchschweißer aus. Quelle: Moritz Frankenberg

„Manche sind auch Handwerker, die Hobby und Beruf kombinieren“, sagt Markus Mayer. Der 52-jährige Ausbilder ist Tauchermeister und Schweißfachingenieur. Er selbst ist auch schon in Kläranlagen getaucht. „Man ist dabei ja völlig abgeschottet“, sagt er. Sein Vater hatte 1963 in Seelze die Firma „Tauchmayer“ für Unterwasserarbeiten begründet. „Ich bin da dann hineingewachsen“, sagt Mayer.

Hier lernen Unterwasserschweißer ihr Handwerk

Technisch funktioniere das Schweißen unter Wasser ähnlich wie an Land, allerdings müssten die teuren Spezialelektroden zusätzlich beschichtet sein. „Es darf keine Feuchtigkeit in die Umhüllung eindringen“, erklärt der Ausbilder. Und doch sind Tauchschweißer wie er Wanderer zwischen zwei Welten.

„Unter Wasser wiegt man weniger“

„Unter Wasser ist man in einem eigenen Kosmos“, sagt Mayer. „Es geht los, wenn der Helm zugemacht wird – dann ist der Taucher in seiner eigenen Welt.“ Der Mensch unter Wasser ist abhängig von seiner Ausrüstung – und von seinen Kollegen oben. Zum Team gehört neben dem Unterwasserhandwerker immer auch ein Rettungstaucher, für den Fall, dass es Komplikationen gibt. Und ein Signalmann, der mit dem Taucher kommuniziert und ihn warnt, falls etwa Schiffe kommen.

Schweres Gerät: Patrik Pagel (links) hilft Schweißtaucher Holger Labs beim Anlegen des Equipments vor dem Tauchgang. Quelle: Moritz Frankenberg

Unter Wasser bricht sich das Licht anders. „Das Objekt ist nie ganz da, wo das Auge es vermutet“, sagt Mayer, „und jeder Einsatz kann gefährlich werden.“ Tauchschweißer arbeiten im Wortsinne unter Druck. Jede Bewegung ist für sie langsam und anstrengend. „Man muss schon eine gute Konstitution haben, das ist wie Intensivsport“, sagt Mayer. Regelmäßig müssen Unterwasserschweißer zu tauchärztlichen Untersuchungen.

Der gerade aufgetauchte Patrik Pagel, Metallbauer aus Duisburg, hilft jetzt seinerseits dem Kursteilnehmer Holger Labs, Luftflasche, Bleigewichte und Helm anzulegen. Die Ausrüstung wiegt rund 50 Kilogramm. „Im Becken spürt man das Gewicht jedoch kaum“, sagt der 22-Jährige, „unter Wasser wiegt man weniger.“ Mit einem sogenannten Inflator können Taucher ihren Anzug mit Luft füllen. „Bei manchen Arbeiten schwebt man im Wasser.“ Dann steigt Labs in das Becken. Das Wasser schließt sich über ihm, Blasen steigen auf. Er schwimmt zu seinem Arbeitsplatz. Und bald verrät ein Lichtbogen in den trüben Fluten, dass er mit dem Schweißen begonnen hat.

Das ist das Unterwassertechnikum

Im Jahr 1997 nahmdas Unterwassertechnikum, das zum Institut für Werkstoffkunde der Universität Hannover gehört, in Garbsen seinen Betrieb auf. Es verfügt über mehrere Versuchsbecken und Druckkammern. In der großen Halle führen Wissenschaftler unter anderem Korrosionsprüfungen durch – und sie erforschen neue Schneid- und Schweißtechniken für die Unterwasserarbeit. Hier werden auch Technologien erprobt, die beim Rückbau kerntechnischer Anlagen unter Wasser zum Einsatz kommen. Die Arbeiten genießen große Aufmerksamkeit bei Politik und Wirtschaft; zu den prominenten Besuchern des Unterwassertechnikums gehörten unter anderem im Jahr 2000 der damalige Bundespräsident Johannes Rau sowie im Jahr darauf der inzwischen verstorbene VW-Patriarch Ferdinand Piëch.

Von Simon Benne

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