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Aus der Stadt Ehrenamtliche – Dank für einen unbezahlbaren Dienst
Hannover Aus der Stadt

Hilfe für Senioren: Ehrenamtliche – Dank für einen unbezahlbaren Dienst

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14:03 25.05.2019
„Sie sind ein wichtiger Teil dieser Stadt“: Brigitte Puhlmann, Hannelore Graumann und Andreas Goos (von links).
„Sie sind ein wichtiger Teil dieser Stadt“: Brigitte Puhlmann, Hannelore Graumann und Andreas Goos (von links). Quelle: Nancy Heusel
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Hannover

Weiße Tischdecken, rote Servietten, ein Buffet, Tanzvorführungen und dazu ein Grußwort von Bürgermeister Thomas Hermann („Sie sind ein wichtiger Teil dieser Stadt“): Die Stadt Hannover dankte am Sonnabend mit einem Nachmittag im HCC einigen Hundert freiwilligen Helfern des Kommunalen Senioren-Service.

Andreas Goos, 63, war einer der Gäste. Als er vor vier Jahren einen Herzinfarkt überlebte und mit der Arbeit aufhören musste, riet ihm sein Kardiologe, sich mehr zu bewegen. Goos verband diesen Rat mit einem Ehrenamt und organisiert seitdem Wanderungen für Senioren. Die Strecken sind zehn bis zwölf Kilometer lang, führen etwa in die Leinemasch oder zum Deister, hinterher kehrt man in Restaurants ein. Mal wandern 15 Menschen mit, mal sind es 30. Was Goos inzwischen festgestellt hat: „Meist kommen Frauen, so zwischen 60 und 90 Jahren.“

Mut zum Leben machen

Die Stadt ist stets auf der Suche nach ehrenamtlichen Helfern, um Senioren im Alltag zu unterstützen. Leiter von Stadtteil-Treffpunkten und Freizeitgruppen werden gebraucht, Handwerkerdienste und so genannte Formularlotsen, die Schneisen in Behördendschungel schlagen. Besuchsdienste sollen oft isoliert lebende alte Menschen vor Einsamkeit bewahren.

Hannelore Graumann, vor ihrem Ruhestand als Wirtschaftsinformatikerin beschäftigt, ist für die Stadt in der Alltagsbegleitung unterwegs. „Oft geht es darum, ältere Menschen in schwierigen Lebenslagen zu unterstützen und ihnen Mut zu machen, am Leben teilzunehmen“, sagt sie. Senioren hätten oft wenig Bindungen zur Familie und kaum Kontakte in die Nachbarschaft. Manchmal geht es einfach um Kaffeetrinken, oft auch um handfeste Hilfe. Eine Dame änderte drei mal ihr Testament, eine Seniorin geriet in Insolvenz. Hannelore Graumann half. Zu diesem Ehrenamt gehört auch, Abschied zu nehmen. Dann sterben Menschen, die sie lange begleitet hat, oder sie werden dement. Traurige Momente. Doch die Zeiten zuvor, wenn sie spürt, „dass die Menschen Vertrauen gewinnen, das ist ein schönes Gefühl“.

„Ehrenamt heißt, gebraucht zu werden“

Im Roderbruch leitet Brigitte Puhlmann im Ehrenamt das Seniorenbüro Café Carré. Der Name täuscht ein wenig, denn ein Café ist der Ort nur einmal im Monat. Die Räume sind eher Begegnungsstätte für Bewohner des Stadtteils und Ausgangspunkt für Unternehmungen aller Art. Puhlmann zählt auf: „Fahrradtouren, Kegeln, Sitzgymnastik, Theaterbesuche, Konzerte, Ausstellungen. Viele Senioren pflegen Kontakte privat weiter.“ Die frühere Lehrerin ist seit acht Jahren dabei und kommt aus ihrem Wohnort Garbsen ins Seniorenbüro.

Ob Ehrenamtliche länger leben? Bürgermeister Hermann zitierte eine nicht näher genannte Studie dazu, was für einiges Gemurmel im Saal sorgte. Doch dass „ein Ehrenamt heißt, gebraucht zu werden und das eigene Leben bereichert“, dürften die Gäste der Stadt wohl bestätigen. Hermann unterstrich die soziale Bedeutung freiwilliger Arbeit: „Viele Menschen haben Schwierigkeiten von ihrer Rente zu leben. Sie helfen, dass sie trotzdem am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können.“

Von Gunnar Menkens